Grüne Lesetipps

Literatur über und um grüne Themen werden von uns rezensiert

Sommerfest der Schutzgemeinschaft Fluglärm am Wasserschloss Haus Rodenberg in Dortmund-Aplerbeck

Einen interessanten, geselligen und schönen Tag verbrachten die Mitglieder der Schutzgemeinschaft am Wasserschloss. Alte Kontakte wurden gepflegt, neue geknüpft. Während die Schulden des Flughafens wachsen, wachsen bei der Schutzgemeinschaft langsam aber kontinuierlich die Mitgliederzahlen.

Erstmals waren Mitglieder der Dortmunder Bewegung „Fridays for Future“ anwesend. Ihre 17-jährige Sprecherin hielt eine engagierte Rede. Hieß es noch bis vor kurzem bei den Flughafen-Kritikern „Der Widerstand wird grau“ angesichts des höheren Durchschnittsalters der Aktiven, gibt es nun Hoffnung auf einen allmählichen Sinkflug bei den Mitgliedern, was das Alter angeht.

Ehrengast war zweifellos die in allen Ehren abgetretene langjährige Vorsitzende Ursula Wirtz. OV-Sprecherin Gudun Bürhaus überreichte ihr im Namen der Unnaer Grünen als kleines Dankeschön für die jahrelange hervorragende Zusammenarbeit einen „großen Roman für eine große Lebensleistung“, wie unser Buchhändler Michael Sacher seine Buchauswahl „Alle, außer mir, von Francesca Melandri“ für Ursula begründete.

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Faschist werden – Ein Lesetipp

FASCHIST WERDEN
Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des kleinen Buches der Autorin Michela Murgia mit dem Titel „Faschist werden – eine Anleitung“. „Die Demokratie lebt von Voraussetzungen, die sie selbst nicht garantieren kann.“ Dieser Satz des Staatsrechtlers Ernst -Wolfgang Böckenförde könnte den Ausgangspunkt für Murgias als Satire angelegten Versuch sein, gegen die Demokratie anzuschreiben, deren Schwächen gnadenlos aufzudecken und Strategien zu erläutern, die letztendlich zum Sieg des Faschismus führen. Das aus der italienischen Perspektive geschriebene Buch empfiehlt das archaische und auf scheinbaren Naturgesetzen beruhende Konzept. Wie beim Besuch eines Kabaretts wird der Leser in Grenzbereiche zwischen politischem Seminar und verwirrendem Rollenspiel geführt und durchaus mit der Frage zurückgelassen wieviel Faschismus das Alltägliche prägt. Den Abschluss der Satire bilden daher 65 Aussagesätze, die einen Test darstellen, um die eigene Haltung auf Infiltration mit faschistischen Anteilen hin zu überprüfen.

NOCH MAL VON VORN: ALLES CHEFSACHE
Wer diskutieren, abwägen und sich Wahlen stellen muss ist nicht wirklich mächtig und besitzt keine ausreichende Handlungsfreiheit. Macht muss gebündelt werden, wenn sie wirkungsvoll sein soll. Die Bündelung der Macht ist auch ökonomisch sinnvoller und führt zu schnelleren Entscheidungsprozessen. „Wenn das Volk erst mal darauf getrimmt ist, sich in seinem Chef wiederzuerkennen, folgt der zweite Schritt: mittels effektiver und möglichst banaler Kommunikation die Zustimmung aufrechtzuerhalten.

VEREINFACHEN IST ALLZU KOMPLIZIERT
Es ist irrig zu glauben, der Faschismus produziere möglichst einfache Nachrichten. Vereinfachung bedeutet Konzentration auf Wesentliches. Das ist zu anspruchsvoll und birgt Gefahren. Besser ist es, die Nachteile verschiedener Lösungsansätze immer wieder in den Vordergrund zu stellen, um so Ängste zu steigern nach dem Motto „das Volk will keine Lösungen diskutieren, es will, dass ihm die Ängste genommen werden“. Es geht im Faschismus also nicht um Verflachung, sondern um Banalisierung und Verunmöglichung des demokratischen Diskurses. Die Angst gehört alle, die Lösung gehört dem Chef.

FEINDE MACHEN
Ohne Feinde ist der Faschismus nicht zu haben. Sich selbst als politischen Gegner bezeichnend infiltriert der Faschist die Demokratie als Feind im Sinne eines Trojanischen Pferdes. Das wunderbare an der Demokratie ist, dass sie anders als der Faschismus, gegen sich selbst verwendet werden kann. Demokraten brauchen Gegner, um sich auseinandersetzen zu können. Ihnen fehlen die Instrumente, um Feinden begegnen zu können. Gegner sind wiedererkennbare Personen mit einer umrissenen Identität. Feinde dagegen sind Teil einer nebulösen Kategorie (Gutmenschen, Ausländer, Feministen etc.) und können auf einseitige Weise bekämpft werden (ähnlich wie Ungeziefer), ohne dass der Bekämpfer in die Verlegenheit gerät, sich konkret und direkt auseinander setzen zu müssen. Nicht mal bloße Existenz der Feinde ist vonnöten, um Angst zu erzeugen. Gruppenbezogene Diffamierung ermöglicht gruppenbezogene Schuldzuweisung. Der rechtsterroristische Attentäter ist dagegen ein verrückt gewordener Einzeltäter.
Der hilfesuchende Fremde kann abgewehrt werden, wenn die einheimischen Hilfsbedürftigen auf dieselbe Stufe gestellt werden („… macht doch erstmal was für …“).
BESCHÜTZE UNS AUF ALL UNSEREN WEGEN
Um vor den vielen Gefahren in der Welt wirksam geschützt werden zu können, muss man diese in einer verblendeten Öffentlichkeit besonders eindringlich darstellen. Die Anhänger der Vielfalt sind verstrickt mit all den Auslösern der bevorstehenden Katastrophen. Im Faschismus bedeutet das Motto „menschlich bleiben“ dem Naturgesetz im Überlebenskampf zu folgen, statt sich durch eine naive Rührseligkeit selbst zu gefährden.

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Kursbuch 197: Das Grün | oder was soll das alles und wohin führt das?

Klimaschutz ist hipp; also jetzt gerade; also darüber zu reden, nicht es wirklich zu machen. Das wird noch ein böses Erwachen, wenn erste Umsetzungen greifen; und damit sind keine radikalen Umwälzungen gemeint, sondern wirklich nur erste notwendige Schritte. Vielleicht ähnlich, die die Wirkung des Grünen Steuerkonzeptes hatte, mit dem die Wohlhabenderen stärker besteuert werden sollten, aber durch die detaillierte Auflistung klar wurde, das ja schon wir , die Grünen Wähler*innen, gemeint waren … daraufhin stürzten die Grünen in der Wähler*innengunst dramatisch ab. Das könnte wieder passieren, sobald die Leute merken, es geht um ihre Grillwurst, ihr Mobilitätskonzept und überhaupt ändert sich tatsächlich etwas.

„Ziel formulieren kann jeder“ sagt Armin Nassehi in einem taz-Interview, der auch das Grüne Kursbuch 197 herausgegeben hat. Er scheint auch einer der Köpfe hinter der neuen Bündnisausrichtung der Grünen Doppelspitze zu sein. Bündnisse, die Mehrheiten für grundlegende Änderungen finden, die den langsamen aber beständigen Weg gehen – im Gegensatz zum disruptiven Sprung.

So sucht auch das Kursbuch Grüne Anschlüsse in die unterschiedlichsten Richtungen, Ausrichtungen.

Der unvermeidliche Habeck und der fabulierende Unfried machen den Auftakt, um dann die unterschiedlichsten Diskursansätze zu Wort kommen zu lassen. Von Ernst Jünger als einem ‚Ur-Grünen‘ bis zu Urban Gardening, von einer wunderbaren Fotostrecke über die Araucaria araucana bis zu Überlegungen zu unserem Verhältnis zu den Tieren zwischen Schmusen und schlachten. Ein breites Spektrum, sowohl in den Herangehensweisen als auch in den Themen, das die ganze Komplexität der sozial-ökologischen Transformation darstellt. Es ist gut im Gespräch zu bleiben und noch besser immer wieder neue Anregungen von außen zu bekommen, da nur so eine Vielfältigkeit sich nicht nur ausdrücken, sondern auch erst etablieren kann.

Wer will, kann gerne zu uns die Geschäftsstelle kommen und in das Grüne Exemplar rein lesen; und wenn man oder Frau dann schon Einmal da ist, könnten wir auch gleich direkt den Diskurs fortsetzen und ins konkrete Gestalten  von Gesellschaft und Politik einsteigen.

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Buchrezension: Die Wurzeln des Lebens von Richard Powers

Wenn ich auf dem Rückseite des Buches lese „Der aufregendste Roman, den Sie je über Bäume lesen werden.“ (Ron Charles, The Washington Post), denke ich mir: Ach ja, Werbung ist eben auch ein hartes Geschäft mit viel Geschwätz. Wenn auf dem gleichen Buch auch der Autor Richard Powers steht, denke ich mir: Lies es dennoch! Powers ist klug, wenn nicht einer der klügsten amerikanischen Romanschriftsteller und was kann er für das Marketing – vielleicht ist dieser Roman ja doch wieder sehr interessant.

Ich beginne also zu lesen und im ersten Teil werden acht Personen, Personengruppen eingeführt (deren Lebensgeschichten und -wege dann im weiteren Verlauf des Romans durchgeführt werden) … schon nach wenigen Seiten macht es Klick und ich stehe wieder einmal fassungs- und wortlos vor einem Roman von Richard Powers und frage mich wie er es schafft, auf nur wenigen Seiten ein Leben, eine Person eine ganze Welt aufscheinen zu lassen, eben mit Leben zu füllen. Das ist perfekte Erzählliteratur, die den goldenen Mittelweg zwischen klugem Aufbau und emotionaler Ausgestaltung findet. Was diese einzelnen Geschichten, die mehr oder weniger durch das 20.Jahrhundert und die ganze USA verteilt sind (mit Schwerpunkt auf den 90er Jahren, den Timber Wars in Kalifornien ), von Anfang an zusammenhält, sind aber nicht die Menschen, die Hauptfiguren, sondern es sind die Bäume, die einen Hintergrund zu bilden scheinen, Bäume, die diesen Menschen auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen zustoßen. Und genau um Bäume geht es in diesem Roman, beziehungsweise um Wälder und wie unser menschliches Leben damit zusammenhängt.

Im englischen Original heißt das Buch „Overstory“ und in diesem Fall muss ich eingestehen, dass dieser perfekte Titel nicht ins Deutsche zu übertragen ist, da Overstory etwas wie das Blätterdach, die oberste Schicht eines Waldes bezeichnet, aber es hier natürlich auch etwas wie eine verbindende Geschichte meint.

Aprospros Geschichte: An einer Stelle in dem Roman heißt es „Wir können noch so gute Argumente haben, damit ändern wir die Einstellung der anderen nicht. Das Einzige, was so etwas kann, ist eine gute Geschichte.“ – Und besser lässt sich das Zentrum, das Herz von „Die Wurzeln des Lebens“ nicht zusammenfassen. Powers schreibt hier ein Epos, eine große Geschichte der Bäume um uns noch einmal klar vor Augen zu führen, was wir zerstören, schon zerstört haben, bevor wir es überhaupt verstanden haben. Und dies gelingt dem Autor umso mehr, als er es durch und mit den Emotionen seiner Figuren aufscheinen lässt.

Und Powers wäre natürlich nicht Powers, wenn nicht alles in seiner Geschichte mit historischen Ereignissen und Zusammenhängen verbunden und verwoben, wenn nicht alles wissenschaftlich grundiert und klug aufgearbeitet wäre.

 

Und wenn ich zum Schluss wieder an das Zitat von Ron Charles denke, wird mir klar, dass er wahrscheinlich genauso von dem Buch begeistert war wie ich und mehr oder weniger verzweifelt nach Superlativen suchte, die diesem Buch gerecht werden können; das ist nicht einfach, weil Richard Powers einen so großen erzählerischen Wurf gelandet hat wie er nicht alle Tage passiert, gerade in der Ausgewogenheit zwischen sprachlicher Qualität und inhaltlicher Weite.

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Fleischfabrik Deutschland

Toni Hofreiter interveniert

Beim ersten Anblick des Buches dachte ich: schon wieder so ein Schinken (!), der einem das Fleischessen madig machen will. Knallrot und übersät mit Silhouetten von Schweinen, Rindern und Geflügel. Etwas altklug prangt auch der Doktortitel auf dem Cover.  Doch je weiter ich mich hineinlese, desto stärker wird mein Interesse.

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Ermunternde Zumutung

Robert Habeck bewirbt hoffnungsfrohe, demütige Einmischung

Ein Mann tanzt seinen Weg?! Robert Habeck schreibt ach so schön an- und aufrührend gegen das herrschende Gejammere in und gegen den Politikbetrieb. Mit seinem Lebensweg nimmt er die Leser*innen mit in politische Entscheidungspflichten, in denen er oft auch Kür-Chancen entdeckt. Pragmatismus und Visionen sind für ihn kein Widerspruch sondern ein schöpferisches Spannungsfeld.

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