Die 1980er

1981

Im Sommer entwickeln Unnaer Urlauber in der Nähe von Dubrownik die Idee eines Info-Ladens. Es wird an einen Ort von und für politisch Interessierte der alternativen Bewegungen gedacht, an dem Material ausliegen kann, an dem Termine bekanntgegeben und Aktionen geplant werden können und an dem man bei einem Kaffee über alles Mögliche reden kann.

1982

Ein um die Jahreswende 1981/1982 geschriebenes Papier dokumentiert die Ursprünge der heutigen Grün-Alternativen Liste Unna. Unter dem Dach des Jugendzentrums gründen im Februar circa 30 Menschen eine „Ladeninitiative“.

Bilddatei Dokument

Ausschnitt aus dem Original

Vorentwurf / jedenfalls Diskussionsplattform oder sowas

Die Debatte über eine Alternative zur gegenwärtigen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen Lage in unserem Land / Staat verbreitert und verbrüdert sich gegenwärtig wieder munter. Die Brokdorf und Friedensdemonstration, die zahlreichen Initiativen und Gruppen zu allen möglichen Themen und Anlässen, die Erfolge der alternativen Wahlbewegung, die Austritts- und Orientierungsdebatte in der SPD, das Dahinschwinden und Selbstauflösen der ML und Zirkelchenbewegung … sind alles so Anzeichen.

Auch in Unna ist der linke Kleinkrieg im letzten Jahr fruchtbarer Zusammenarbeit an den verschiedensten Punkten gewichen. Gemeinsame Demonstrationsfahrten, Friedensmarkt und Gruppenarbeit ohne künstliche Parteibretter zwischen den Köpfen waren Trumpf. Allerhand nützliches lief ab, organisiert über JZ, Umweltschutzgruppe-, Friedensgruppen- oder Kneipen und persönliche Kontakte. Insgesamt war aber auch allerhand Zufall dabei. So war z.B. die Demonstration der Jugendfriedensgruppe Königsborn zum 2. Geburtstag des Nato-Doppelbeschlusses kaum jemandem bekannt und kam so nur auf ca. 90 Demonstrierer/innen. Aktuelle Ereignisse wie Polen und Salvador waren nicht oder nur länglich aufgreifbar. Die ganze linke Debatte wie sie im Land abspielt, ist in Unna für die einzelnen kaum greifbar. Wer weiß bei dem Angebot, was überhaupt alles so geschrieben und gekämpft wird, – es gibt ja Gott oder wem immer sei Dank mehr noch als TAZ und Rundschau.

Was soll der Vorspann? Also: Wir (das sind z. Zt. so ca. 35 um Unna rum) hätten gerne sowas wie ein Alternatives Informations- und Diskussionszentrum, wo alles mögliche an Postillen rumliegt, wo Pinwände mit Terminen und Arbeitsprogrammen und sonstigen Mitteilungen es den Wege suchenden mitteilen, wo man, wenn irgendetwas im Schwange ist sich trifft, um mögliche Aktionen zu planen, wo man über alles mögliche bei einem Kaffee reden kann, oder nur mal rumlesen kann, wo Initiativen zu Arbeitsgruppen, Diskussionsforen, sonstigen Veranstaltungen besprochen werden können oder auch nicht…..

Soweit haben wir uns bisher Gedanken gemacht. Wir meinen auch, daß KEINE große Plattform dafür formuliert werden sollte, daß dieses Projekt keine Alternative zu den bestehenden Zusammenhängen wie JZ, UGU, Friedensgruppen sein sollte, – auch nicht zur SPD. Wir denken zur Zeit hauptsächlich an einen Laden (vielleicht ähnlich eingerichtet wie der Jugendladen Königsborn). Eine Kneipe könnte auch diskutiert werden,- aber vielleicht sind gerade auch Zusammenhänge im Keller oder der Uni auch weiter nützlich ?!!

Nun gut. Das wärs fürs erste. Wir schicken jedem 3 Blätter zu für Freunde und (Geistes)Verwandte. Wir bitten die Meinung, die ihr von dem Projekt habt an die vorläufige und unverbindliche Kontaktadresse zu schicken. Gleichzeitig möchten wir Euch mit möglichst viel Anhang zum 23.2. um 16.oo ins JZ zu Kaffee und Kuchen einladen (den Kuchen müßt ihr aber gefälligst selbst backen), dort wollen wir in Gesprächen weiter und hoffentlich konkreter plaudern.

Bis dann mit alternativen Grüßen

(27 Namen)

Eröffnung des ersten SpontUN, Einladungsschreiben mit Überlegungen zur Gründung

Im Oktober wird der Laden am heutigen Königsborner Tor neben einem heruntergewirtschafteten Sex-Shop eröffnet. Er erhält den Namen SpontUN – eine Zusammensetzung aus den Worten „spontan“, „tun“ und „Unna“. Knapp zwei Monate später treffen sich Uli Brinkschulte, Jürgen Dörmann, Helle Papenberg, Heinz Richter und Hermann Strahl, um den Wahlausgang der Hamburger Bürgerschaftswahlen im Fernsehen zu verfolgen. Weil die Hamburger GAL die 5%-Hürde überspringt, beschließen die Anwesenden des Fernsehabends, auch in Unna eine GAL zu versuchen. Noch vor Weihnachten wird aus dem SpontUN ein Schreiben verschickt, in dem zu verstärkter Zusammenarbeit aufgerufen und eine Beteiligung an den Kommunalwahlen 1984 angedacht wird. Es entsteht eine vielfältige politische Arbeit.Eröffnung des ersten SpontUN, Einladungsschreiben mit Uberlegungen zur Gründung

Bildausschnitt Dokument

Im März wird das neue SpontUN in der Gesellschaftsstraße 14 bezogen

die Anwesenden der Wahlfete
anläßlich der HH-Wahlen im SpontUN
c/o Infoladen-SpontUN
Bahnhofstraße 53               nach knapp 2 Monaten Laden
4750 Unna                      und knapp 2 Monate vor der Wahl

Liebe auf Alternativen trachtende Menschen und Gruppen,

wir haben jetzt den neuen Laden, doch immer noch die alten Probleme. Seit vier Tagen ist der Laden auch geheizt, doch draußen weht immer noch ein kalter Winterwind.

Anders: Als im Februar die Ladeninitiative begann, sollte sie dazu dienen, Unnas Linke (oder wie immer man das benennen will) zusammenzubringen und ihr Sinnen und Treiben nach außen darzustellen und dadurch auch für frischere Menschen zu öffnen. So richtig klappt das aber (noch?) nicht. So leidet die UGU an Schwindsucht, die JZ-Jugendarbeitslosigkeitsinitiative verstarb bei der Geburt, in der Stadtzeitungsgruppe gibt es Stimmen, im Anzeigenteil die eigene Todesanzeige abzudrucken. Während der Laden oftmals nur von den jeweils Diensthabenden besucht wird, wird im Keller (Anm. der Autoren: „Esels“-Keller, frühere Stammkneipe der Alternativen in der Gesellschaftsstraße) bei Bier und Weltschmerz Resignation ausgetauscht.

Das sind natürlich überspitzte Beispiele, aber so ein bißchen soll’s pieken, sich um die Jahreswende mal eine Reihe verschärfter Gedanken zu machen. Diese Briefinitiative stammt aus einigen Debatten zu obigem Thema, die von recht viel Skepsis gewschwängert waren, aber auch vom Wunsch nach Wende getrieben, einige Hoffnungsmodelle hervorbrachten (hier fehlte ein passendes Wort zwischen Visionen und Keimen). Also: Hiermit laden wir für Samstag, den 15.1.1983 um 15.oo ins SpontUN ein. Daselbst soll zwischen allen Interessierten,- aber möglichst wirklich allen möglichen- darüber beraten werden, wie man die verschiedenen Einzelmenschen oder -gruppenaktivitäten besser zusammenmachen kann oder zumindest in Verbindung und Kenntnis zueinander; eventuell sogar ergänzt durch die eine oder andere Aktivität; so daß sich insgesamt so etwas wie eine alternative Unnaer Sammlungsbewegung ergibt. Erst von dieser Grundlage aus, sollte eine Wahlbeteiligung diskutiert werden. Die wäre von anderer Qualität, wenn man zu den diversen Unnaer Themen nicht nur das eine oder andere zu meckern hätte, sondern konkrete Vorschläge zum Anders-Machen (Umwelt/Frieden/Verkehr/Wirtschaftsansiedlung/Bildung/Soziales….) in die Wahlkampfdebatten geworfen würden,- über den Wahlkampf könnten dann auch noch eine Reihe tendenzieller Mitmacher erreicht werden.Nun denn: Der Brief wird noch vor Weihnachten rausgepuscht. Beim Apres-Ski, auf den alternativen Jahreswendefeiern, unter den rot-bekerzten Tannenbäumen, bei Schneespaziergängen am Meer und in den Bergen oder beim Vollrausch im heimischen Keller ist ja jetzt prächtig Zeit, diese Gedanken schöpferischst auszuwalzen etc.

Sorgen wir dafür, daß am 6. März auch in Unna ein bißchen Frühling eingeläutet wird!

ps: Diesem Brief liegt ein Werbezettel der Unnaer Zeitung (DUZ) bei, auch wenn ein Datum darin überholt ist, harren die Redakteure auf Artikelanregungen, Termindurchsagen für den Monatskalender UNKRAUT, oder auch nur auf Neujahrskarten…..

Neunzehnhundertdreiundachzig
fängt schlecht an, aber macht sich!

(Abschrift des oben genannten Schreibens)

1983

Am 15. Januar beschließen circa 37 Anwesende aus der Umwelt- und Friedensbewegung die Gründung einer Grün-Alternativen Liste Unna. Weil drei Anwesende dagegen sind, das Projekt direkt an die Grüne Partei anzukoppeln, wird dieser Name gegen zwei Stimmen gewählt. Gabi Gillen und Heinz Richter werden zu SprecherInnen gewählt. Diverse Arbeitsgruppen bilden sich gleich. Selbstverständlich wird kein Protokoll geführt, ebenso wie (noch) keine Satzung erlassen wird.

Die Unnaer Zeitung (DUZ) wird gegründet und berichtet monatlich über “Geschehnisse, Ungeschehnisse, Menschen und Gruppen”.

Am 26. Februar startet die GAL eine Rundfahrt zu ökologischen Brennpunkten im Kreis Unna.

Im März zieht die GAL in das neueSpontUN in der Gesellschaftsstraße 14 um.

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Im Kreis Unna erhält Werner Brand aus Holzwickede als Kandidat bei derBundestagswahl 4,7 % der Stimmen.

Zusammen mit der Umweltschutzgruppe Unna setzt sich die GAL für die Einrichtung von Luft-Messstationen im Kreisgebiet ein.

Die Friedensgruppe Unna-Königsborn und die GAL sammeln Unterschriften gegen die geplante Stationierung von Atomraketen in Holzwickede-Opherdicke.

Die Gruppe Frauen gegen Gewalt” versammelt sich am 8. März (Weltfrauentag) vor dem Kreiswehrersatzamt, um Unterschriften gegen die Heranziehung von Frauen zu zivilen Dienstleistungen im Verteidigungsfall abzugeben.

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Weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt wird die Tiefgarage am Unnaer Bahnhof zu einem Teil als Zivilschutzbunker für 2.814 Personen ausgebaut. Die 3,5 Millionen Mark teure Herrichtung wird vom Bund bezuschußt. Als Stadtdirektor Dunker über die Presse zur Eröffnung bei Bier und Würstchen einlädt, klebt die GAL in der Nacht vor der Feier 150 satirische Plakate im Stadtgebiet, um passiver Kriegsvorbereitung und dem Sich-Einstellen auf Katastrophen entgegenzuwirken. Die Plakate werden vom Ordnungsamt am frühen Morgen entfernt.

In der Unnaer Zeitung berichtet die GAL über geplante Verkehrsprojekte und setzt sich für Alternativen zur Osttangente durch die Uelzener Heide ein.

Die GAL informiert über die anstehende Volkszählung und unterstützt deren Boykott.

Am 17. September beteiligt sich die GAL an einer Demo gegen die Inbetriebnahme des Thorium-Hochtemperatur-Reaktors in Hamm-Uentrop.

Die GAL setzt sich für ein einheitliches Gesamtschulsystem für alle Kinder ein und unterstützt Hilfsprojekte für arbeitslose Jugendliche.

1984

Bilddatei Grundsatzprogramm vom 24. März 1984

Ausschnitt aus dem Grundsatzprogramm vom 24. März 1984

Am 24. März gründen 38 Frauen und Männer formell die Grün-Alternative Liste Unna, verabschieden eine Satzung und wählen Dr. Hartmut Bansi, Monika Dobovisek und Gabi Gillen als Sprecher-Trio. Gabi Gillen übermimmt die Finanzen der GAL.

Mit dem Hinweis “Hinter dem Rücken der Menschen wird diese Politik gemacht!” zieht die GAL in den Wahlkampf und positioniert sich als Alternative zu den “Alt-Parteien”. Hervorgehoben werden die Themen Verkehr, Energie, Luft, Müll, Kultur, Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung und Wohnen.

Die GAL setzt sich für umweltfreundliche Energiekonzepte ein und holt die Dortmunder Ausstellung “Es geht auch anders” nach Unna. Vom 16. – 26. Juni sind Energiespartechniken und Alternativsysteme auf dem Alten Markt anzufassen.

Die DUZ setzt sich mit der Funktion der Schule im Kapitalismus auseinander und berichtet über die Geschichte des Kapp-Putsches im Ruhrgebiet.

Am 30. September beteiligt sich die GAL erstmalig an den Kommunalwahlen in Unna und erhält 9,86 % der Stimmen. Statt der still erhofften 3 Mandate erhält die GAL 5 Sitze in Unnas Stadtrat.

Dr. Hartmut Bansi, Jürgen Dörmann, Claudia Metz und Horst Mühlnikel bilden mit Uschi Riekenbrauck-Dörmann als Vorsitzende die erste GAL-Ratsfraktion.

Beim Zugriffsverfahren für den Vorsitz von Fach-Ausschüssen im Rat der Stadt Unna besetzt die GAL sehr überraschend und zum Ärger der anderen Parteien den Finanzausschuss. Vorsitzender des Ausschusses wird Dr. Hartmut Bansi.

Die GAL-Ratsmitglieder spenden alle Aufwandsentschädigungen. Davon wird das SpontUN als Geschäftsstelle bezahlt und eine Geschäftsführung. Erster Geschäftsführer wird Hermann Strahl.

Der erste GAL-Antrag im Rat ist der Unna-Sozial-Pass, der Bäder, Eishalle, Bücherei und mehr für Finanzschwache öffnen soll.

Mit Hintergrundinformationen kämpft die GAL gegen die Ansiedlungverkehrs- undumweltbelastender Betriebe, wie des Karstadt-Zentrallagers in Königsborn.

Die GAL setzt sich gegen die 30-Millionen teure Untertunnelung der Bahngleise in Königsborn ein und fordert statt dessen die Beruhigung des Autoverkehrs und die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel.

Auch den Bau eines neuenRathauses als Prestigeobjekt lehnt die GAL unter Hinweis auf die hohen Kosten ab und fordert statt dessen ein dezentrales Rathaus. Das gesparte Geld sollte für Jugend und Soziales ausgegeben werden.

1985

Als neue Gesichter im Unnaer Stadtrat konzentrieren sich die GALlierInnen auf die Kontrolle der Verwaltung und hinterfragen Konzepte der anderen Parteien. In ersten Anträgen fordert die GAL die Schaffung einer Öko-Station im Kurpark, die Anschaffung einer mobilen Luft-Messstation, Sonderzuwendungen für SozialhilfeempfängerInnen und die Aufstockung des Kulturetats. Zur Finanzierung schlägt sie Kürzungen bei Repräsentationskosten, Werbe- und Planungsausgaben für das Rathaus sowie eine Erhöhung der Gewerbe- und Hundesteuer vor.

Im April zieht die GAL aus der Gesellschaftsstraße in die Massener Straße 56 um.

Bilddatei Geschäftsstelle SpontUN

GAL-Ladenschild von Andreas Salomon, später Absolvent der Hamburger Kunsthochschule, heute Artdirektor

Jügen Dörmann, Barbara Dettmer und Michael Walterscheid kandidieren bei der Landtagswahl und erhalten im Kreis Unna 4,3 % der Stimmen.

Anne Krüger und Charlotte Kunert werden für ein Jahr als Geschäftsführerinnen der GAL gewählt.

Die GAL argumentiert, dass wegen der Finanzierung desRathaus-Neubaus Geld für andere Projekte, wie Erhalt und Ausbau der Lindenbrauerei, Bezuschussung von Kindergärten und Aufstockung von Weihnachtsbeihilfen für SozialhilfeempfängerInnen, zu kurz kommen.

Die GRÜNEN im Kreis Unna lassen ein Gutachten zur Abfallwirtschaft erstellen. Dieses wird auf Kreis- und Stadtebene ausführlich diskutiert und von der GAL unterstützt.

Im November legt die GAL ein rund 50-seitiges Konzept zur Bekämpfung der Erwerbslosigkeit vor. Die darin enthaltenen Forderungen werden in mehreren Projektvorschlägen (Ausbau Quisisana, Öko-Station, Müll-Recycling, Einkaufstaschentransport “ Packesel”) konkretisiert.

Die GAL drängt auf schnelles Handeln zur Rettung des Lindenbrauerei-Gebäudekomplexes. Im Dezember werden Landeszuschüsse für die Lindenbrauerei überraschend vor Zuschüssen für den Rathaus-Neubau bewilligt.

Bilddatei Zeitungsausschnitt

Aus Westfälische Rundschau vom 4. Dezember 1985

 Der Ausbau des Dortmunder Flughafens wird von der GAL abgelehnt und die in Aussicht gestellte Schaffung von Arbeitsplätzen hinterfragt. Einer zunehmenden Verschlechterung der Lebensbedingungen der BürgerInnen und weiteren Umweltschäden soll entgegengewirkt werden.

Im Zuge einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bastelt ein Drahtesel-Team” in Königsborn aus Reserve- und Abfallteilen neue Fahrräder zusammen und verleiht diese an soziale Einrichtungen.

Gegen die Stimmen der GAL beschließt der Unnaer Stadtrat eine Diätenerhöhung um insgesamt circa 50 Prozent.

Gegen Ende des Jahres wird Jürgen Dörmann zum Landessprecher der GRÜNEN in NRW gewählt. Da Doppelmandate bei den GRÜNEN nicht erlaubt sind, verlässt er die Fraktion der GAL Unna. An seine Stelle tritt Hermann Strahl.

1986

Die Katastrophe im KernkraftwerkTschernobyl am 26. April bestätigt die GAL Unna in ihrem Einsatz gegen Atomenergie. Das ganze Jahr über werden Aktionen initiiert und durchgeführt. Für besonderes Aufsehekvn9hl47n sorgt die Aktion, Plakate mit der Aufschrift “Tschernobyl ist überall!” an vielen Stellen in Unna zu kleben. Weitere Aktionen sind “Giroblau” (Kündigen der Einzugsermächtigung bei Energieversorgern, um deren Arbeitsaufwand zu erhöhen), “Stromabschalten” (alle Haushalte schalten zu einer bestimmten Zeit den Strom ab), “Politikern schreiben” sowie Demos und Blockaden am Thorium- Hochtemperatur-Reaktor ( THTR) in Hamm. Für einen Rechtsstreit gegen die THTR-Betreiber stellt die GAL 2000 DM zur Verfügung. In der GAL-Zeitschrift GALAXIS erscheint ein Bericht mit ausführlichen Hintergrundinformationen zur Energiepolitik in der BRD und zu Alternativen.

Am 1. Mai veranstaltet die GAL eine Beschilderungs-Radtour durch die östlichen Hellwegdörfer nach

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Radwege-Beschilderung in Eigeninitiative

Werl. Eine insgesamt 12 km lange, nahezu autofreie Radwegeverbindung wird mit selbsterstellten Holz-Wegweisern ausgeschildert. Nach der Tour, die von Einheimischen und Ausflüglern positiv aufgenommen wird, bringt die GAL ein umfangreiches Radverkehrs-Sofortprogramm in den Rat der Stadt Unna ein. Darin werden öffentliche Luftpumpen ebenso gefordert wie Hinweise auf Abstellanlagen, Radpläne und klare Ansprechpartner für Fahrrad-Angelegenheiten.

Das Drahtesel-Team” (siehe 1985) wird von der GAL mit monatlich 100 DM unterstützt. Fahrradprobleme (z.B. an der Fußgängerunterführung am Bahnhof) werden vor Ort angesehen und mögliche Lösungen diskutiert. Im Oktober gründet sich eine Ortsgruppe Unna des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Die Gruppe “ Frauen Notruf” trifft sich wöchentlich im SpontUN und besetzt ein Notruf-Telefon. Nach gut einjähriger Arbeit in der Stadtverwaltung berichtet die Gleichstellungsbeauftragte Rita Weißenberg im November über ihre Arbeit. Nach anfangs teilweise gegeneinander laufenden Initiativen haben sich unterschiedliche Frauengruppen zusammengeschlossen. Gemeinsames Ziel: im Kreisgebiet ein Frauenhaus zu errichten.

Bilddatei Zeitungsausschnitt

Ruhr-Nachrichten, 29. August 1986

Karla Schmelter

Karla Schmelter

Am 5. September nimmt die Ratsfraktion der GAL nicht an der feierlichen Grundsteinlegung für das neue Rathaus teil. Nach Ansicht der GAL sollten die für den Rathausbau angesetzten Gelder besser für andere Projekte, wie z.B. ein Frauenhaus, einen Sozialpass für SozialhilfeempfängerInnen und Arbeitslose, die Restaurierung der Villa Quisisana und für Fahrradwege eingesetzt werden.

Vom 3. – 5. Oktober führt die GAL ein Wochenendseminar im niedersächsischen Ankum durch. In einer der Arbeitsgruppen wird über die Einrichtung eines Vorstandes als Ordnungsinstanz für die GAL diskutiert. Eine andere Gruppe thematisiert die frustrierende Arbeit im Stadtrat, bei der EinzelkämpferInnen den Rückhalt und das Interesse der Anderen vermissen und nicht mehr viel Hoffnung auf Durchsetzung ihrer Forderungen auf parlamentarischem Wege haben. Auf der anderen Seite beklagen interessierte und neue Leute, dass sie von den laufenden Aktivitäten zu wenig erfahren. Die Gruppe setzt sich zum Ziel, für mehr Transparenz zu sorgen und den Austausch innerhalb der GAL zukünftig inhaltlicher und stärker auf Themen bezogen zu gestalten.

Als Folge der Diskussionen in Ankum wählt die GAL Albert Hartmann, Karla Schmelter und Jürgen Janicki zu ihrem ersten Vorstand.

Sechs >jugendliche Irokesen aus Akwese, einem kanadischen Grenzgebiet zu den USA, sind mit einem Betreuer und einer Übersetzerin zu Besuch bei der GAL und berichten nach einem gemeinsamen Mittagessen über die Lebenssituation der indianischen Bevölkerung, ihre Einstellung zur Natur und dem Miteinanderleben und über ihre Schwierigkeiten mit der US-Regierung beispielsweise beim Straßenbau durch ihre Gebiete, bei der Ansiedlung von Industriegebieten und bei unrechtlichem Landbesitz und -verkauf.

In einem Antrag zum Thema Bodenversiegelung fordert die GAL im Stadtrat den Beschluss, jährlich eine Bodenbilanz aufzustellen, um darin alle neubebauten, versiegelten Flächen den renaturierten bzw. entsiegelten Flächen gegenüberzustellen und anhand der gewonnenen Daten der erschreckend zunehmenden Bodenversiegelung entgegenzuwirken.

Die GAL trifft sich regelmäßig zum gemeinsamen Samstagsessen. Gekocht wird von GAL-Mitgliedern; jede(r) ist irgendwann an der Reihe.

Bilddatei Ährensache

Biogemüse der Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft Ährensache

Im SpontUN, Massener Straße gründet sich aus einer Einkaufsgruppe die Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft Ährensache.

Mit der Durchführung eines Umweltwettbewerbes greift die Stadt Unna einen ein Jahr alten Antrag der GAL auf. Es beteiligen sich über 200 engagierte Unnaer, darunter sechs Schulklassen. Aus den 39 Arbeiten vom Natur- und Artenschutz bis hin zum Umwelttheater wählt eine Fachjury einige Arbeiten aus. Diese werden in der Umweltschutzwoche im September ausgestellt, ihre Ersteller werden mit Sach- und Geldpreisen geehrt.

Die GAL spendet unter anderem 1000 DM für Nicaragua, 800 DM für die Bioladen-Initiative “ Ährensache”, 125 DM für das Energie Wende Komitee, 1000 DM für das Schwangerschafts- und Stillzentrum, 1000 DM für den Behindertensport und 150 DM für die Obdachlosenberatung.

Als eine erfolgreiche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zur Hausaufgabenbetreuung türkischer Kinder ausläuft, wird die Arbeit von der GAL weiterfinanziert.

1987

Bilddatei Galaxis

Titelseite der GALAXIS 7/1987. Die GAL hilft Bürgern, sich gegen die Volkszählung zur Wehr zu setzen.

Zum Jahreswechsel verlassen Claudia Metz und Horst Mühlnikel die GAL-Ratsfraktion. Die freigewordenen Plätze werden von Uli Brinkschulte-Kunert und Regina Ranft übernommen.

Die GAL unterstützt einen Vorschlag, in Massen eine zweite Gesamtschule für Unna zu errichten.

Im Kreis Unna erhält Renate Dietrich-Karger aus Fröndenberg als Kandidatin bei der Bundestagswahl 6,7 % der Stimmen.

Zur Finanzierung der Hallenbad-Sanierung schlägt die GAL vor, für zwei Jahre Sportlerehrungen durch die Stadt auszusetzen, den Rat und die Verwaltung der Stadt zu Spenden in Höhe einer Monatsdiät aufzurufen und ein Stadtfest zu organisieren, dessen Erlös ausschließlich der Sanierung zugute kommen soll.

GAL-Jugendliche treffen sich jeden Montag um 18 Uhr im SpontUN. In einem Leserbrief beziehen sie für den Erhalt der Pressefreiheit Stellung, nachdem in einem vorangegangenen Leserbrief die Berichterstattung von TV Politikmagazinen kritisiert worden ist. Auf mehreren Treffen der “Grün-Autonomen Bunt Alternativen” (GABA) pflegt die Jung-GAL Kontakte zu anderen grünen Jugendgruppen in Nordrhein-Westfalen.

Im Rahmen der Haushaltsdebatte kritisiert die GAL weiterhin das Rathaus-Projekt und die Kozeptionslosigkeit der sogenannten Altparteien auch in anderen Bereichen. Sie fordert eine 20-prozentige Senkung der Repräsentationskosten und Ehrungen sowie die Rücknahme der Diätenerhöhungen von Anfang 1986. Der Rat folgt dem weiteren Vorschlag der GAL, zur Verbesserung der Infrastruktur die Gewerbesteuer für Unna zu erhöhen.

In der Zeitschrift GALAXIS veröffentlicht die GAL umfangreiche Informationen zum Thema Volkszählung. LeserInnen können die Musterschreiben “Widerspruch als Gezählter” und “Antrag eines Gezählten auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung nach § 80 Abs. 5 VwGO” verwenden, um sich gegen die Volkszählung zu wehren.

In einer Initiative gegen die aktuellen Müllprobleme der Stadt fordert die GAL im Rat die Einführung der Grünen Tonne und die Verringerung der Müllmenge durch Fraktionierung und Recycling.

Gegen den Willen einiger Fraktionsmitglieder beschließt die GAL, ihr Büro künftig von einer bezahlten Putzhilfe reinigen zu lassen und nicht mehr – wie bisher – in Eigenarbeit sauber zu halten. Zu diesem Thema kommt es immer wieder zu Diskussionen.

Auf Städteebene wird über ein Patenschaftsprojekt mit Palaiseau zur Bewässerung eines Ortes in Burkina Faso nachgedacht. Die GAL nimmt sich vor, das Projekt mit den Unnaer “3. Welt-Gruppen” (vorrangig der aus der Königsborner Paul-Gerhardt-Gemeinde) zu prüfen.

Vom 4. – 6. September fährt die GAL für ein Wochenendseminar nach Geseke. Zum Thema Jugendarbeit wird ein Arbeitspapier diskutiert und der Vortrag eines Referenten angehört. Eine Arbeitsgruppe fasst die Ergebnisse zusammen und will daraus in Diskussion mit MitarbeiterInnen des Jugendzentrums und mit SozialarbeiterInnen der Jugendarbeit ein Konzept erstellen, das als Grundlage für Anträge an die Stadt Unna dienen soll. Unter anderem geht es um Spielplätze, Kindergärten, Schulhöfe und Jugendzentren. Für die Arbeit der GAL im folgenden Jahr sollen die Themen Ökologie und Verkehr Schwerpunkte bilden.

Hermann Strahl schlägt in einem GALAXIS-Artikel vor, die GAL-Satzung dahingehend zu ändern, dass Mitglieder künftig sowohl der GAL als auch den GRÜNEN beitreten können. Dies führe zu finanziellen Vorteilen sowohl für die Listenarbeit, als auch für die Mitglieder. “Gebt der GAL, was der GAL ist, – gefälligst endlich! Gebt dem Staate bitte nur, was des Staates ist, – auf’s Knappste! Gebt Euch einen Ruck und lest bitteschön dies Papier,- dann habt Ihr wohlgetan, – GRUNDSÄTZLICHES ZU DEN GAL-BEITRÄGEN! … Es sollte auf absolute Sauberkeit geachtet werden. Wir werfen den anderen beschissenen Parteien den Beschiß ihres Bescheißer-Staates vor, die ganze Power dieses Wortspiels ginge bei eigenen Finanzschlampereien verloren.”

 

Gründungsmitglied und Vogelexperte Thomas Griesohn bei einer Naturführung

Gründungsmitglied und Vogelexperte Thomas Griesohn bei einer Naturführung

Zustand des SpontUn nach Bandstiftung

Zustand des SpontUn nach Bandstiftung

Nach einer Einbruchserie wird das GAL-Büro angezündet. Gottlob hat ein Hausbewohner Frühschicht und kann die Feuerwehr rufen. Das gesamte GAL-Archiv verbrennt. Die Täter werden nicht gefasst. Politische Hintergründe können vermutet werden.

1988

Die GAL plädiert für den Verbleib der Bibliothek am Markt und gegen ein Verdrängen derselben und die Umfunktionierung in ein Medienzentrum.

Auch gegen die geplanten Bahnunterführungen in Königsborn und an der Massener Bahnhofstraße spricht sich die GAL aus: “1000 Mark pro Unnaer Bürger gibt die Bundesbahn aus, um den Autoverkehr schneller zu machen. Was wir seit der Fahrpreiserhöhung im April mehr bezahlen müssen, dient so zur weiteren Subventionierung von Gestank und Hektik.”

Nachdem zwei Mitarbeiterinnen und eine Putzhilfe aus dem Frauenforum entlassen und dem Verein “ Frauen helfen Frauen” die Räume gekündigt worden sind, wird dies von Charlotte Kunert in einem Leserbrief kritisiert. Frauen in Not nennt sie eine alternative Telefonnummer. Die Frauen-Beratungsarbeit bleibt von Auseinandersetzungen zwischen Frauen aus den verschiedenen Parteien und autonomen Frauen überschattet.

Die GAL wehrt sich gegen wieder aufkommende Wünsche aus der Wirtschaft, eine Osttangente durch die Uelzener Heide bauen zu lassen. Auf einer Bürgerversammlung zum geplanten Durchstich zwischen Viktoria- und Hansastraße stellt Helmut Papenberg von der GAL dem städtischen Konzept straßenbauliche Alternativen gegenüber.

Als sich ein neues Arbeitsförderungsgesetz in der Entlassung von Angestellten in der Werkstatt Unna e.V. niederschlägt, warnt Uschi Riekenbrauck-Dörmann für die GAL vor einer Vernachlässigung der Jugendarbeit. Über parlamentarische Initiativen soll Druck auf die Regierungen ausgeübt und sollen zusätzliche Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsprogramme initiiert werden, damit Jugendliche nicht einem Sozialhilfe-Schicksal überlassen bleiben.

Hermann Strahl scheidet im Herbst aus der GAL-Ratsfraktion aus. An seine Stelle tritt Charlotte Kunert.

Jung-GAL 1988

Volleyballspiel der Jung-GAL in der Flügelstraße

Nach einer Analyse von Unnas Verkehr durch den Kommunalverband Ruhrgebiet fordert Friedrich Beckmann von der Jung-GAL akzeptable Bedingungen für Busse und Fahrräder und mehr Platz für Menschen auf den Straßen statt einer “Verstetigung des Verkehrsflusses”, wie von Verkehrsplanern vorgeschlagen. Ein Volleyballspiel in der verkehrsberuhigten Flügelstraße soll auf die Dominanz des Autoverkehrs aufmerksam machen, eine Demo- Radtour rund um den Verkehrsring liefert Argumente für den Kampf um die Anlage eines umfassenden Radwegenetzes.

Auf einem Wochenendseminar im September trifft die GAL Vorbereitungen für denKommunalwahlkampf im folgenden Jahr. Unter anderem entsteht die Idee, ein kulturelles Bürgerfest zu veranstalten.

Gegen Ende des Jahres lässt sich die GAL ein GAL-Diäten-Konto einrichten. Aufwandsentschädigungen der Ratsmitglieder sowie der Sachkundigen BürgerInnen werden von der Stadt Unna direkt auf dieses Konto überwiesen.

Der Stadtrat folgt einem Antrag der GAL, das Ökoinstitut Freiburg mit jährlich 500 DM zu fördern.

Unna-Pass

Vier Jahre nachdem die GAL im Rat ihren ersten Antrag stellte, wird dieser mit dem Unna-Pass für einkommenschwache Bürgerinnen und Bürger umgesetzt.

Die GAL begrüßt die Einführung des Unna-Passes, mit dem einkommensschwache Unnaer viele Vergünstigungen bei Veranstaltungen und städtischen Einrichtungen in Anspruch nehmen können, kritisiert ihn jedoch als nicht ausreichend.

Bei den Beratungen um den Haushalt 1989 bringt die GAL einen 13 Seiten langen Antragskatalog ein und fordert darin unter anderem die Anhebung der Gewerbesteuer, den Stopp umstrittener Verkehrsprojekte und die Verstärkung des Sozialbereiches. Dieser Gegenentwurf wäre um 1,7 Millionen DM günstiger als die bis dahin vorliegende Planung.

1988 spendet die GAL unter anderem 600 DM an “ Pro Umwelt”, 2000 DM an das Übergangswohnheim für Haftentlassene Haus Dellwig und 400 DM an den Verein “ Frauen helfen Frauen”.

1989

Kommunalwahlkampf

Wahlplakat der GAL aus dem Jahr 1989

Wahlplakat der GAL aus dem Jahr 1989

1989 steht im Zeichen des Wahlkampfes. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, ausreichend viele KandidatInnen zu finden, wird im März eine Kandidatenliste verabschiedet. Die angestrebte Parität der Geschlechter wird dabei erfüllt. Mit der Wahlkampfzeitung “ Gallenstein”, mehreren Ständen in der >>Innenstadt, einem kulturellen Bürgerfest in Lünern und vielen anderen Aktionen kämpft die GAL um Wählerstimmen.

In ihrem Wahlprogramm kritisiert die GAL die Doppelfunktion Klaus Dunkers als Stadtdirektor und Kulturamtsdezernent und fordert für den neuen Rat die Aufstockung des Kulturetats sowie ein neues, zusätzliches Dezernat für Kulturamt, VHS und Schule. Die GAL setzt sich für den Erhalt der Lindenbrauerei als kulturelle Produktionsstätte ein und fordert, die Stadtbücherei an ihrem alten Standort zu belassen und statt eines teuren Umzuges umzubauen, um so den für eine Erweiterung des Medienangebotes nötigen Raum zu gewinnen. Als im August mehrere Personen aus der kulturpolitischen Szene Unnas ausscheiden, äußert sich die GAL in einem Zeitungs-Leserbrief besorgt darüber, dass Unnas Kultur nach der Wahl in den “parteipolitischen Griff” bekommen werden soll.

In bissigen Leserbriefen kritisiert die GAL die Autovorrangpolitik der anderen Parteien: “Wir schlagen deshalb vor: Untergrabt die ganze Altstadt mit 2, 3, 4 oder 5 Etagen! Das Parkproblem wäre gelöst. … Von den vorhandenen Tiefgaragen aus könnten die Bauarbeiten zügig unter Marktplatz und Bahnhofstraße vorangetrieben werden. Rolltreppen führen zum Kulturzentrum Brauerei, zum Krankenhaus, zum Seniorentreff, in jede Spielhalle usw. ohne Naturberührung in die Höhe” (H. Papenberg, 04.01.1989 im Hellweger Anzeiger). “Die Politiker werden nur noch dazu mißbraucht, die Ansiedlungs-Fehlplanungen durch zweifelhafte Tangenten-Achsen- Untertunnelungen anzubinden, die letztendlich wieder noch mehr Verkehr anziehen. Unna braucht nicht immer neue Auto-Straßen. Unna braucht eine andere Ansiedlungs- und Verkehrspolitik.” (H. Bansi, 17.03.1989 in den Ruhr Nachrichten). Als von der Dortmunder SPD alte Pläne zur Anbindung der OWIIIa an die Dortmunder Straße in Massen unerwartet wieder aufgegriffen werden, thematisiert die GAL dies in der Öffentlichkeit und fordert die Massener SPD auf, Farbe zu bekennen und ihren Standpunkt deutlich zu machen.

Als am Peukinger Weg im Sinne des städtischen Bau- und Planungsamtes dutzende Bäume ohne vorliegende Baugenehmigung gefällt werden, wird dies vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) e.V. scharf kritisiert. Die Anregung der GAL, die BUND-Kritik im Umweltausschuss anzuhören, wird von den Ausschussmitgliedern anderer Parteien abgelehnt.

In der Sozialpolitik fordert die GAL die Einrichtung von vier neuen Stellen in der Stadtverwaltung: je einer zur Betreuung von Randgruppen, zur Bearbeitung von Sozialhilfe-Anträgen, zur Behinderten-Beratung und zur Asylanten-Betreuung. Außerdem mahnt sie die Vorlage eines Frauenförderplanes an.

ce44rhv8Mit einer größeren Aktion macht die GAL in der Innenstadt auf den alltäglich produzierten Müll aufmerksam und gibt Hinweise zu dessen Vermeidung.

Am 10. Juni veranstaltet die GAL die dritte Unnaer Öko-Rad-Rallye rund um Unna. Auf der Tour durch die Natur lösen die TeilnehmerInnen “lustige und listige Aufgaben über Unna und Umwelt” und lassen den Tag mit einem Bauernhoffest ausklingen.

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Im Oktober erhält die GAL bei der Kommunalwahl 10,89 % der Stimmen und damit wieder 5 Mandate im Stadtrat. Auf SPD, CDU und FDP entfallen jeweils 50,56%, 31,27% und 7,19% beziehungsweise 27, 16 und 3 Sitze.

Nach der Wahl verlassen Regina Ranft und Charlotte Kunert die GAL-Ratsfraktion. Albert Hartmann und Dietlinde Olgemann treten an ihre Stelle. Dr. Hartmut Bansi, Uli Brinkschulte-Kunert und die Fraktionsvorsitzende Uschi Riekenbrauck-Dörmann setzen ihre Ratstätigkeit für die GAL fort.

Über das Zugriffsverfahren sichert sich die GAL dieses mal den wichtigen Schulausschuss. Vorsitzender wird Dr. Hartmut Bansi.

Zur Rathaus-Einweihung konduliert die GAL den Opfern, die die Zinsen des Prunkbaus durch Einsparungen spüren werden.

Zur Rathaus-Einweihung konduliert die GAL den Opfern, die die Zinsen des Prunkbaus durch Einsparungen spüren werden.

Weitere Ereignisse und Arbeitsschwerpunkte

In enger Zusammenarbeit erarbeiten über mehrere Monate hinweg über 400 Profis und Laien eine Stadtoper in Unna mit dem Titel “Wasser des Lebens”. Der Autor Peter Möbius (GAL) geht darin der Frage nach, wie sich die Vorfahren rund um Unna vor den Auswirkungen von Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit versteckten oder sie akzeptierten. Die Oper wird am 8. und 9. September in einem Zelt vor der Stadthalle aufgeführt und bildet einen bleibenden Höhepunkt in Unnas Kulturgeschichte.

Im Februar fordert die GAL per Bürgerantrag die Abschaffung der verbrauchsunabhängigen Grundpreise im Tarifsystems der Stadtwerke GmbH. Um die Anreize zu Energieeinsparungen zu vergrößern, soll lediglich der reine Energie-Verbrauch in Rechnung gestellt werden. Die Unnaer Stadtwerke firmieren seit Jahresbeginn als GmbH. Dem 15-köpfigen Aufsichtsrat gehört auch der GAL-Vertreter Uli Brinkschulte an. Der Stadtwerke-Mitarbeiter Fritz Wachowius (SPD) wird neben Herrn Höhling zum vorläufigen Geschäftsführer gewählt. Als er ein gutes halbes Jahr später aus dem Amt scheidet, schreibt die GAL, dass er als einer der wenigen gehe, “die in den letzten Jahren engagiert auf die Versäumnisse und die Möglichkeiten verantwortungsvoller Energiepolitik hingewiesen haben” (Ortwin Musall, 04.07.1989 in den Ruhr Nachrichten) und dass er “bei seiner Verabschiedung vor allem die Entnahmepolitik der Gewinne und somit die fehlende Weitsicht für zukunftsträchtige Investitionen kritisiert” habe (H. Bansi, 23.08.1989 im Hellweger Anzeiger).

Mitte April feiert die GAL ihr fünfjähriges Bestehen.

Am 20. April lädt die GAL zu Sterne des russischen Balletts” in die Stadthalle ein, einem Gastspiel aus der UdSSR.

Im September protestieren GAL und Grüne Kreisjugend gegen die drohende Schließung des Jugendzentrums Unna-Mitte.

Die GRÜNEN im Kreistag und die GAL stellen zum 1. November eine gemeinsame Geschäftsführung ein. Silvia Schön soll für beide Fraktionen arbeiten.

Auf Einladung von Hermann Strahl und Klaus Schwalk (SPD) kommen am 5. Dezember Mitglieder der Friedensbewegung und Vertreter der Bundeswehr zu einer Diskussionsrunde zusammen. Thema des Bürgerforums im Kolpinghaus sind die Reformen in Osteuropa. Erwartungsgemäß wird kein großer Konsens erreicht, aber alle Beteiligten sind sich darin einig, dass die Reformprozesse in der DDR und in Osteuropa wirtschaftlich und politisch unterstützt werden müssen.

Ende des Jahres stationiert die US-Armee nach jahrelanger Ankündigung Patriot-Raketen in Opherdicke. Zu diesem Thema äußert sich die GAL in einem Zeitungs-Leserbrief: “Wir haben eine Partnerstadt in der DDR und eine Raketenstation, von der aus wir sie auch wieder vernichten können. Für Döbeln waren einige Reise- und Bewirtungskosten nötig, und – wie schön – es reichte auch noch für einen Fotokopierer. Der Nestbau für die PATRIOTen in Opherdicke kostete uns bisher 18 Millionen. Ein weiterer Fotokopierer ist da nicht drin. […] Mit Phantasie und Engagement gelang es, zwei medizinische Geräte für unsere Partnerstadt in Ungarn zu organisieren und – welch noble Idee – die Lieferfirma Siemens schenkte noch ein Gerät dazu. Dieselbe Firma Siemens wird demnächst für ca. 200 Millionen 64 Raketen nach Opherdicke liefern. Vielleicht schenkt sie noch eine dazu. Im Rahmen der Aktion ‘Weihnachtsgeld’ haben -zig Schülerinnen und Schüler […] ca. 26.000 Mark gesammelt, die an bedürftige, alte und alleinerziehende Menschen bzw. deren Kinder verteilt werden. […] Wo bleibt da die Relation?” (I. Häussermann, 28.12.1989 in der Westfälischen Rundschau).

Im Dezember führt die Jung-GAL ihre zweite Volleyball-Aktion durch, diesmal an der Ecke Bahnhof- / Klosterstraße. Anders als ein Jahr zuvor reagiert die Polizei nun mit harten Maßnahmen und zeigt die Jugendlichen beim 14. Komissariat Hamm (politische Polizei) wegen Nötigung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz an. Die GAL vergleicht diese Vorgehensweise in Leserbriefen mit Stasi-Methoden.

Zum Jahresende liegt der seit gut zwei Jahren von der GAL geforderte Frauenförderplan für die Stadtverwaltung vor und steht kurz vor der Verabschiedung. Die GAL sieht allerdings Verbesserungsbedarf und fordert in ihrem Frauenprogramm z. B. die Anerkennung familiärer Tätigkeit als Erfahrungsbereich und die Einrichtung von Tagesstätten, um Frauen eine berufliche Tätigkeit zu ermöglichen.

1990

Am Neujahrstag unternimmt die GAL einen Friedensspaziergang zum Gelände der Patriot-Raketen in Opherdicke. Auch sonst setzt sie sich im Land- und Bundestagswahljahr immer wieder für Abrüstung und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Wiedervereinigung ein. Hermann Strahl schreibt dazu in der GALAXIS: “In Unna: Schwerter zu Pflugscharen heißt: Kasernen zu Wohnungen! Soldaten zu Altenpflegern, Maurern und Köchen […]! Den Patriot-Hügel bewalden! Die Glückauf-Kaserne für Klein-Gewerbe! Die Hellweg für Wohnungen! Die Panzer auf den Schrotthaufen! In einer großen Umschulungsaktion wird die Linden- Brauerei fertiggestellt und die Soldaten re-zivilisiert…”

Während unter dem NRW-Umweltminister Klaus Matthiesen (SPD) landesweit der Bau von Müllverbrennungsanlagen vorangetrieben wird, kämpft die GAL für eine ökologische Abfallpolitik. Sie stellt Alternativkonzepte vor, in denen sie besonders die Notwendigkeit von Müllvermeidung und Wiederverwertung hervorhebt. Als Mitte Februar die Ergebnisse der Standortsuche für eine im Kreis Unna geplante Reststoffdeponie vorliegen, gründet sich eine Bürgerinitiative gegen eine solche Deponie in Lünern, einem der möglichen Standorte. Auch das jährliche Wochenendseminar der GAL vom 24. – 25. März in Lünen thematisiert das Abfallproblem. Die TeilnehmerInnen planen konkrete Aktionen sowie die parlamentarische Arbeit der GAL in diesem Bereich. Unter anderem soll der bundesweite Aktionstag zum Thema Müll am 28. April als Auftakt zu einer Müllvermeidungswoche dienen.

In der zweiten Januarhälfte folgen zwei Vertreter der Bauernpartei und zwölf Angehörige des Neuen Forums aus Unnas Partnerstadt Döbeln einer Einladung der GAL. Der Besuch gibt Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch auf politischer Ebene. Es entsteht der Wunsch nach weiteren Kontakten und Besuchen.

In einem Leserbrief kritisiert Hermann Strahl den Umgang der anderen Parteien mit ihren Schwesterparteien in der DDR. Die BürgerInnen in der DDR sollten die Möglichkeit zur vom Westen unbeeinflussten Selbstbestimmung haben: “Ein freier Osten muss auch die Freiheit haben, ohne den freien Westen zu entscheiden…!”

Zu Beginn des Jahres protestiert die GAL gegen die von der SPD-Fraktion beabsichtigte Zuordnung der Lindenbrauerei zur Stadthallen GmbH, da diese die Bedeutung des Trägervereins auf ein Minimum reduzieren und die Verantwortung für diese kulturelle Einrichtung einem Wirtschaftsuntenehmen übertragen würde. Statt dessen regt die GAL an, ein qualifiziertes Leitungsteam mit der Ausarbeitung inhaltlicher Schwerpunkte zu betrauen. Nach über das ganze Jahr gestreckten Verhandlungen beschließt der Trägerverein einstimmig die Ablehnung des 3-Säulen-Modells (Nutzerverein, städtische Ämter und Stadthallen GmbH) von Stadtdirektor Klaus Dunker. Das Gegenkonzept des Vereins sieht vor, dass die Stadt die Brauerei dem Trägerverein in eigener Verantwortung überlässt.

Für den Haushalt der Stadt 1990 fordert die GAL eine umfassendere Förderung der Bereiche Kultur, Umwelt und Soziales sowie die Anhebung der Gewerbesteuer von 380 auf 407 Punkte.

Im März zeigt die GAL die widersprüchliche Jugendpolitik der Stadt auf: Einerseits Streichung der Zuschüsse für das Jugendzentrum Mitte, andererseits scharfes Vorgehen mit Polizeigewalt gegen in der >Innenstadt negativ auffallende Jugendliche.

Nach Vorlage eines Berichtes über die Luftqualität Unnas kritisiert die GAL die Verkehrspolitik des Rates. Das Gutachten hatte der Stadt eine ähnlich schlechte Luftqualität attestiert wie großen Ruhrgebiets-Metropolen.

Gernot Folkers, Elisabeth Höhn und Hartmut Regenstein kandidieren bei den Landtagswahlen und erhalten im Kreis Unna 5,3 % der Stimmen.

Am 14. Mai fällt eine vorläufige Entscheidung im Streit um den Abriss des SpontUN-Ladens an der Massener Straße: Der Abbruch ist beschlossen und die Mieter erhalten die Kündigung. Die GAL zieht einen Rechtsanwalt zu Rate und geht vor Gericht.

Ende Mai beschließen die TeilnehmerInnen eines GAL-Plenums die Einberufung eines ökologischen Ratschlages. Dieser soll einen verbindenden Bogen über die verschiedenen Umweltgruppen, Initiativen und Einzelpersonen spannen und eine konstruktive Zusammenarbeit ermöglichen.

Im Juli droht das in Dortmund ansässige Unternehmen Hoesch mit Verlegung ihrer Hauptverwaltung nach Süddeutschland, sollte der Landeplatz in Dortmund-Wickede nicht erwartungsgemäß ausgebaut werden. Die Gegner der Flugplatzerweiterung fürchten ein Nachgeben der Politik aus wirtschaftlichen Interessen.

Mit Förderung vom Land NRW startet Ährensache das erste Biomobil, durch das auch abgelegene Dörfer im Kreis mit ökologischen Nahrungsmitteln versorgt werden sollen.

Frühstückstafel im Museumkeller anläßlich der deutschen Wiedervereinigung

Frühstückstafel im Museumkeller anläßlich der deutschen Wiedervereinigung

Rund 200 BesucherInnen feiern am 3. Oktober im Museumskeller die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Zu der Internationalen Frühstückstafel “Germanias Grimm und Grütze” hatten Vereine, Initiativen und auch die GAL eingeladen.

Vom 19. – 21. Oktober sind Mitglieder der Döbelner GRÜNEN bei der GAL zu Besuch. Eine Gegeneinladung wird für Frühling 1991 ausgesprochen.

Die Stadt Unna wird 700 Jahre alt. 1950, 40 Jahre zu früh, war das Jubiläum schon mit großem Aufwand gefeiert worden. 1990 findet keine offizielle Feier statt, weshalb auf Initiative von Peter Möbius ein Zusammenschluss aus Vereinen, Initiativen und der Kunstszene eine alternative Veranstaltung auf die Beine stellt. Am 17. November zieht vormittags ein großer Festumzug durch Unna, bei dem verschiedenste, durch Körperkraft betriebene, Fortbewegungsmittel zum Einsatz kommen.

h3y43b6tedanqo4t gbv258nwSpäter führt die 700 Jahr-Feier “UN-topia” die BesucherInnen zu einem Familiennachmittag in die Stadthalle.

Mit einer Aufsehen erregenden Flugblattaktion wirbt die GAL unter den Wehrpflichtigen, die zum Quartalsbeginn per Zug in ihre Standorte einrücken, für einen Umstieg auf den Zivildienst.

Die GAL spricht sich gegen das geplante Kamener Karree aus, ein 150.000 m² großes Gewerbe- und Vergnügungsviertel unmittelbar an der Unnaer Stadtgrenze.

Im Kreis Unna erhält Hermann Strahl als Kandidat bei derBundestagswahl 3,9 % der Stimmen.

1991

Im Januar spitzt sich die Golf-Krise zu, als die alliierten Truppen mit massiven Luftangriffen beginnen. Die GAL beteiligt sich aktiv an Friedensaktionen in Unna. Täglich um 18 Uhr wird am Friedensstein eine Mahnwache abgehalten. Auch nach offiziellem Ende des Golfkrieges trifft sich eine Friedensinitiative jeden zweiten und vierten Montag im Monat im SpontUN.

Nach langer, heftiger und kontroverser Debatte nimmt die GAL von nun an auch ein Büro imRathaus in Anspruch. Der wichtigste Grund dafür ist die dadurch gegebene Nähe zur Verwaltung. Als Gegner des Rathaus-Neubaus hatte die GAL ursprünglich auf das ihr zustehende Büro verzichtet.

Im Mai fährt die GAL für einige Tage nach Döbeln und nimmt Kontakte mit Mitgliedern des “Neuen Forums” auf.

Nachdem am 17. September rechtsextremistische Gewalttäter in Hoyerswerda ein Ausländerwohnheim angegriffen haben, wird in Unna zwischen Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und anderen Gruppen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein Bündnis gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit geschlossen. Auch die GAL beteiligt sich an der Unterschriftenaktion. Zusätzlich knüpft sie im Rahmen einer Patenschaft Kontakte zu den Menschen in Unnas Ausländerwohnheimen. Die GAL setzt sich mit der öffentlichen Diskussion um eine Verschärfung desAsylrechts auseinander und lädt Roland Appel (MdL der GRÜNEN) zu einer Info-Veranstaltung ins SpontUN ein.

Mit der Öffnung des Königsborner Tores für Radfahrer wird eine alte Forderung der GAL-Verkehrspolitik umgesetzt. Andere Verkehrsprojekte, wie beispielsweise der Durchstich Hansastraße – Viktoriastraße oder ein Bebauungsplan für die Dreishofstraße, werden von der GAL weiterhin kritisiert. Ein von der GAL unter dem Titel “Es geht auch anders – Alternativen für verträglicheren Verkehr” beantragter Stand in der Fußgängerzone wird für den Ernte-Dank-Tag vom Ordnungsamt verboten. An diesem Tag stellen traditionell Unnas Auto-Händler ihre Fahrzeuge in der >Innenstadt aus. Intern übt sich die GAL in “Demobilisierung”: In der GALAXIS erscheint ein Kalenderbaum, in dem für autofreie Tage Äpfel grün, für Tage an denen ein Auto benutzt wurde Äpfel schwarz ausgemalt werden können. In einer anderen Ausgabe berichtet Ursel Weißert über ihre Teilnahme an dem Modell-Versuch “50 Tage ohne Auto”, der von der Verbraucherzentrale durchgeführt wird.

In der Juni-Ausgabe der GALAXIS führt Irmgard Häussermann die Institutionalisierung der GAL als Grund dafür an, dass sich Menschen aus der GAL zurückziehen. Die GAL-Strukturen werden in der zweiten Jahreshälfte intensiv diskutiert. Ein regelmäßiger Lesekreis wird mit dem Ziel eingerichtet, andere Wege für GAL-Politik zu suchen und zu gehen. Im Dezember beschließt die GAL, zukünftig mindestens zweimal im Jahr eine Vollversammlung einzuberufen und monatlich ein offenes Treffen zwischen Fraktion, allen Sachkundigen BürgerInnen und allen weiteren Interessierten zu organisieren.

Hermann Strahl veröffentlicht eine positive Utopie für Unna im Jahr 2018: bei einem Fest auf der Hemmerder Halde wird die Erfüllung eines Kreistags-Beschlusses von 2001 gefeiert, den Kreis Unna als Modell-Projekt in eine “Reststofffreie Zone” umzuwandeln. Die Bundespräsidentin kommt eingeradelt und gießt das von der Bürgermeisterin auf der “Asche des alten Denkens” gezogene Apfelbäumchen an, mit einem Dokumentations-Video wird vorgeführt, wie seit den frühen 90ern die Wachstums- und Entsorgungskreisläufe immer schneller, weiter und breiter getrieben wurden, wie Müllhalden und Verbrennungsöfen zu Umweltverschmutzungen und Krankheiten geführt haben und doch erst sehr spät in einer dramatischen Sondersitzung des Kreistages das Modell-Projekt beschlossen wurde. Die Organisation “ Jugend forscht forsch” fordert in der Utopie ein “Totalverbot des Flugverkehrs” und die “ Wiederaufforstung des Wickeder Flughafens und des Kamener Kreuzes”.

Die GAL versucht im Schulterschluss mit den anderen Parteien und der Schutzgemeinschaft Fluglärm (SGF), einen weiteren Ausbau des Dortmunder Flughafens zu verhindern. Sie fordert den Stadtrat auf, entsprechenden Druck auf die Stadt Dortmund und die NRW-Landesregierung auszuüben.

Auf Druck der Kreistagsfraktion der GRÜNEN verhandelt die Verwaltung mit den Stadtwerken Unna über ein umweltfreundlich beheiztes Fernwärmenetz in derInnenstadt.

Im Auftrag der Stadt schreibt GAL-Mitglied Peter Möbius das Drehbuch zu “ Türmers Traum”, einem Historienfilm zu Unnas Stadtgeschichte.

Als kulturpolitischer Sprecher der GAL warnt Uli Brinkschulte im Kulturausschuss davor, dass die Sparpolitik auch vor der Kultur nicht halt mache. Er fordert dazu auf, mehr in Kultur zu investieren und nicht abzuwarten, bis der Kulturwert der Stadt sinkt.

Die Jung-GAL demonstriert am 5. Oktober durch ein Staucafé auf der Schäferstraße gegen die zunehmende Motorisierung. Obwohl der damalige Oberkreisdirektor und Polizeichef Verständnis für die Aktion zeigt, wird Jochen Nospickel wegen Nötigung angezeigt und muss sich Monate später vor Gericht verantworten.

Bei Diskussionen, bestimmte Bereiche der Stadt in eine GmbH zu überführen, warnt die GAL vor mangelnder Transparenz und einer weitgehenden Entpolitisierung. Als im Dezember die Gründung der Verkehrsbetriebe GmbH und die Zusammenfassung dieser mit der schon bestehenden Sport- und Freizeit GmbH, der Bäder GmbH und der Stadtwerke GmbH in der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Unna GmbH als Holding beschlossen werden, wird das Verhandlungsverhalten der GAL von mehreren Seiten gelobt. Am Abend zuvor war es der GAL gelungen, Nachbesserungen in Vertragsdetails durchzusetzen, die mehr Transparenz und die Absicherung gewerkschaftlich erstrittener Mitbestimmungsrechte zur Folge haben.

Zur Standortfrage der Reststoffdeponie fordert die GAL die Offenlegung der Planung und eine entsprechende Anfrage der Stadt beim Regierungspräsidenten in Arnsberg.

Drei Grün-Alternative aus Unnas PartnerstadtAijka in Ungarn sind im Sommer in Unna zu Besuch und überraschen die GAL Unna. Sie berichten unter anderem von Hearings mit Industrie-Direktoren, mit denen sie über dringend notwendige Umweltmaßnahmen diskutieren. Die GAL nimmt den Besuch zum Anlass, über eine Verstärkung der Partnerstädte-Kontakte nachzudenken.

Anfang Dezember verlässt Uschi Riekenbrauck die GAL-Ratsfraktion. Als Vorsitzende des GAL- Vorstandes sorgt sie von nun an für Kontinuität in der Vorstandsarbeit der GAL. Udo Harder übernimmt für die GAL den freigewordenen Platz im Stadtrat. Neuer Fraktionsvorsitzender der GAL wird Albert Hartmann.

1992

Im Rahmen ihrer Abrüstungsforderungen entwirft die GAL Zukunftsbastelbögen, mit denen sie die BürgerInnen in die Planung über die Zukunft der Kasernengelände in Unna einbeziehen will.

Am 6. Mai trifft sich die GAL zu einem Rundgang durch den Kurpark in Königsborn. Stein des Anstoßes ist die zunehmende Versiegelung durch Parkplätze und Wegbepflasterungen. Die Frage nach geeigneten Perspektiven für das bedeutenste innerstädtische Grüngebiet soll so vor Ort ins Auge gefasst werden.

In Leserbriefen spricht sich die GAL für eine autofreie Innenstadt aus, indem sie auf positive Beispiele aus größeren Städten verweist.

Das Kulturamt überlegt, Konrad Kujau, den Fälscher der Hitler-Tagebücher, als Stadtkünstler zu engagieren. Die GAL äußert Bedenken und schlägt statt dessen den Unnaer Künstler Peter Möbius vor, der schon eine Oper und einen Film für die Stadt produziert hat.

Als die GRÜNEN NRW zu einer landesweiten Müllaktionswoche aufrufen, beteiligt sich die GAL mit verschiedenen Aktionen. Insbesondere zur Vermeidung von Sondermüll im Haushalt will sie den BürgerInnen Ratschläge an die Hand geben.

Die Landesregierung kündigt die Errichtung einer Reststoffdeponie in Werl an, nachdem sie mit ihren Plänen im Kreis Unna auf heftigen Widerstand gestoßen ist. In einem Leserbrief kritisiert ein GAL-Ratsmitglied die Reaktion von CDU-Fraktions-Mitgliedern, die diese Entscheidung für Werl und gegen Unna zu kurzsichtig sähen. Die GAL lehnt jede Reststoffdeponie, unabhängig von ihrem Standort, generell ab. Die Bürgerinitiativen verfassen einen gemeinsamen “Traktat gegen die Unvernunft einer Giftmülldeponie”, der von der GAL unterstützt wird.

In einem Thesenpapier für die Herbstausgabe der GALAXIS kritisiert Hermann Strahl die Entwicklung der GAL und des SpontUN. Er erinnert an die Anfänge, als sich noch alle alternativen Gruppen und Initiativen im SpontUN trafen und eine gemeinsame grün-alternative Bewegung darstellten. Nach der Zerstreuung der Aktiven verschiedener Gruppen auf jeweils eigene Läden und Einrichtungen werde das neue, “größte, schönste, teuerste und leerste”, SpontUN nur noch von der GAL genutzt. Bei 25 Mitgliedern fragt Hermann Strahl nach der Notwendigkeit eines solchen Ladens. Er wisse aber auch, dass viele Menschen weitermachen und wieder aktiver werden wollen. So spricht er für den Buß- und Bettag die Einladung aus, bei einem Treffen die Zukunft der GAL und des SpontUN zu beraten.

Bei der Standortsuche für eine neue Bauschuttaufbereitungsanlage warnt die GAL wegen der zusätzlichen Verkehrsbelastung davor, Massen zu wählen. Da mit einer solchen Anlage weniger Müll entsteht und der Natur weniger Kies entzogen werden muss, ist die GAL grundsätzlich für die Anlage, schlägt in der Standortdiskussion jedoch den Autobahnstumpf am Industriegebiet Ost oder ein bisher als Industriegebiet vorgesehenes Gelände in Königsborn vor.

Als die Einführung des Dualen Systems für den Kreis Unna diskutiert wird, lehnt die GAL diese ab. Sie geht davon aus, dass ein bedeutender Teil des Plastikmülls im Dualen System gar nicht wiederaufbereitet wird. Alternativ fordert sie eine Abfallverwertung in eigener Regie. Diese soll über eine Einwegverpackungssteuer finanziert werden.

“Illegale” Plakatwand in Lünern

1993

Das SpontUN bildet den Kontakttreffpunkt des maßgeblich von Lothar Brusis organisierten Patenkreises “Freunde für Fremde”. Die von Caritas, verschiedenen Kirchengemeinden, Pfadfindern, Schulen, Presse, Vereinen und Jugendgruppen unterstützten freiwilligen HelferInnen betreuen rund 200 Asylsuchende in Unna bei Amtsgängen, beim Formular-Ausfüllen und beim Einkaufen und führen Gespräche über das Elend, das die Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat brachte.

Im Frühling feiert die GAL ihr zehnjähriges Bestehen. Aus dem Rückblick ergibt sich auch eine Diskussion über die gegenwärtige Arbeit. Hermann Strahl regt an, das technisch gut ausgestattete SpontUN wieder stärker zum Mittelpunkt von Initiativen werden zu lassen.

Straßenplanung 1993

In der Verkehrspolitik kämpft die GAL gegen den Bau einer im Rahmen der Westtangente geplanten Straßenverbindung zwischen Feld- und Hansastraße. Helmut Papenberg zeigt in einem Leserbrief auf, dass die Stadtverwaltung verkehrspolitische Alternativen der Umweltschutzgruppe (UGU) und der GAL oft zunächst “kaputtgutachtet” und erst Jahre später zu höheren Kosten dann doch aufgreift. Hermann Strahl bittet die “herrschende Betonfraktion” in der Presse, die Planierraupen für 200 neue Parkplätze in der Innenstadt vor den Wahlen nicht mehr zu bestellen, da die autofreundliche Politik den Haushalt unnötig weiter belaste, die Lebensqualität der Innenstadt beeinträchtige und mögliche Fördermittel des Programms “ Fahrradfreundliche Stadt” gefährde.

Die GAL und der Kreisverband Unna der GRÜNEN setzen sich weiter gegen einen Ausbau des Dortmunder Flughafens ein. Die wahre Zielsetzung des Ausbaus seien Touristikflüge in größeren Maschinen und dadurch Einkünfte für die Stadt Dortmund. Ökologische Denkansätze in Teilen der SPD wie in Dortmund-Brackel, Dortmund-Aplerbeck oder Unna- Massen würden durch emotionsgeladene Äußerungen des NRW-Umweltministers Matthiesen im Keim erstickt.

Im Rahmen der Umgestaltung der Fußgängerzone läßt die Stadtverwaltung im Juli gesunde Bäume in der Massener Straße fällen. Hartmut Bansi verurteilt in einem Leserbrief die politische Vorgehensweise. So habe es im Vorfeld keine öffentliche Diskussion gegeben und ein am Tag der Aktion eingegangenes Schreiben des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen mit aufschiebender Wirkung sei nicht beachtet worden.

Nach vier Monaten mehr oder minder öffentlicher Debatte rund um seine Person zieht Herrmann Strahl im März trotz guter Chancen seine Bewerbung um die Stelle des ersten Seniorenbeauftragten der Stadt Unna zurück. Bei dem von der SPD geführten Gezerre der vergangenen Monate sei es nicht um Inhalte, nur um Taktik gegangen.

Ein vom Kulturamt vorgeschlagenes Konzept, in Unna eine Sommerakademie für junge, professionelle europäische Theaterschaffende durchzuführen, wird von Unnaer KünstlerInnen und der GAL abgelehnt. Das “ theatrium”-Projekt sei bereits in Menden gescheitert und für Unna nicht wie angekündigt überarbeitet worden. Zudem seien die ansässigen KünstlerInnen nur als Hilfskräfte vorgesehen. Auch die Finanzierung des 600.000 DM teuren Festivals stellt die GAL in Frage. In einem Leserbrief bedauert Peter Möbius, dass durch die schlechte Planung und schlampige Kalkulation seitens der Kulturverwaltung der Schwung einer an sich guten Idee zum Stillstand gebracht worden sei.

Die GAL zieht in ein neues SpontUN in der Hertingerstraße 47 um.

50 Jahre nach der Auslöschung der Unnaer jüdischen Gemeinde schlägt die GAL vor, einige Straßen in Unna nach jüdischen Opfern der nationalsozialistischen Herrschaft umzubenennen.

Amnesty International trifft sich regelmäßig im SpontUN und hält im Volkshochschulgebäude Vorträge über Menschenrechtsverletzungen.

Die GAL kämpft weiter gegen die Einrichtung einer Bauschuttaufbereitungsanlage in Massen und fordert statt dessen einen Ortsteil-Entwicklungsplan zur Schaffung eines Ortskernes, zur Verbesserung der Schulsituation und zur Beseitigung der massiven Verkehrsprobleme.

Gegen den Widerstand der GAL wird in Unna das Duale System eingeführt. Die GAL kritisiert erneut, dass die Verpackungsabfälle nicht wirklich wiederverarbeitet würden. Außerdem weist sie darauf hin, dass der Geschäftsführer der neuen Entsorgergesellschaft des Kreises Unna ein Jahresgehalt von 200.000 DM erhalte. Der Verbraucher zahle dies mit seinen Müllgebühren und dem Geld, das ihm die Verpackungsindustrie für das Zeichen “ Grüner Punkt” aus der Tasche ziehe.

1994

Von diesem Jahr an ehrt die GAL jedes Jahr Menschen, “die schon immer ohne Rampenlicht Dinge tun, die wir schon immer für wichtig halten”. „Mit Herz, Hirn und Courage lässt sich UNmögliches erreichen“ ist die Botschaft des zauberhaften Märchenlandes Oz, das jenseits des Regenbogens liegt. Die Botschafter des Zaubers von Oz sollen andere Menschen zu vielfältigem Engagement ermuntern. Die ersten Ehrungen zeichnen Bärbel Holtmann für die bürgerfreundliche und kompetente Führung des Ratsbüros sowie Stephanie Droste für die erfolgreiche Neuordnung der Verbraucherzentrale aus.

Zur Kommunalwahl gibt die GAL Flugschriften heraus, in denen sie sich vorstellt und ihre Positionen darlegt. Sie erinnert daran, dass die Stadt den BürgerInnen gehöre und ruft zu mehr Mitbestimmung auf. Der Wohnungsmarkt, die Verkehrssituation und die Finanzlage der Stadtverwaltung sind drei der Themen, die die GAL mit der Bevölkerung erörtern will. Die für Unna diskutierte Dezentrale Ressourcenverwaltung, das sogenannte Tillburger Modell, wird von der GAL kritisch gesehen, aber mit großer Sympathie. Sie fordert für die Zukunft die konkrete Möglichkeit der BürgerInnen, Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen zu können.

Wahlplakat 1994
Wahlfest an der Stadthalle
Ehrung von Gabi Müller-Vorholt

Im Kreis Unna erhält Friedrich Ostendorff als Kandidat bei der Bundestagswahl 6,5 % der Stimmen.

Das Ergebnis der Kommunalwahl beträgt für die GAL 11,97% der Stimmen. Damit erhält die GAL 6 Sitze im Stadtrat. Die SPD erhält 47,85%, die CDU 36,00% und die FDP 4,17% der Stimmen.

Nach der Wahl scheidet Dietlinde Olgemann aus der GAL- Ratsfraktion aus. Astrid Lohmann und Hermann Strahl werden als Neu- bzw. Wiedereinsteiger GAL- Ratsmitglieder. Dr. Hartmut Bansi, Uli Brinkschulte-Kunert, Albert Hartmann (als Fraktionsvorsitzender) und Udo Harder bleiben weiterhin für die GAL im Stadtrat tätig.

Uli Brinkschulte-Kunert wird für die GAL Vorsitzender des Umweltausschusses im Rat der Stadt Unna. Im Rahmen eines Initiativen-Teffens im Atelier der Lindenbrauerei ehrt die GAL im April Barbara Engljähringer von Amnesty International und Lothar Brusis vom Patenschaftskreis “Freunde für Fremde” mit dem Titel “Ambassadeur von Oz” für besonderes bürgerschaftliches Engagement.

Im selben Jahr wird auch Gabi Müller-Vorholt für ihr Engagement in der Tschernobyl-Opfer-Hilfe geehrt, die jährlich Kindern aus dem betroffenen Gebiet einen erholsamen Aufenthalt frei von schädlicher Strahlung ermöglicht.

Michael Griesohn weist in einem Leserbrief darauf hin, dass das neu ausgewiesene Stück Fußgängerzone an der Post auch weiterhin von Autos genutzt wird. Der zumindest vormittags erlaubte Lieferverkehr beschädige zudem das neue, empfindliche Straßenpflaster.

Peter Möbius kritisiert Jugendpolitiker, die eine große Disco am Stadtrand einrichten lassen wollen, um die Stadt von den Ruhestörungen Jugendlicher zu befreien: “Bevor unsere senilen Jugendpolitiker darauf kommen, ein generelles Zeugungsverbot zu erlassen, das langfristig alle Kosten und Probleme mit der ortsansässigen Jugend aus der Welt schafft, könnten sie doch – als Zwischenlösung – einen Rattenfänger anheuern. Der lockt mit seinen Flötentönen, wie weiland in Hameln an der Weser, alle Kinder und Jugendlichen auf Nimmerwiedersehen fort.”

Die Stadt hatte angekündigt, nur ein Drittel der Kosten von 600.000 DM für das Theaterforum Theatrale (vormals theatrium) werde die SteuerzahlerInnen belasten. Die GAL ist hingegen der Meinung, auch darüber hinaus finanzierten hauptsächlich die BürgerInnen das Großprojekt, z.B. über die Förderung durch das Land NRW. Gelder unternehmerischer Sponsoren gingen zudem Projekten mit stärkerem Stadtbezug verloren. Peter Möbius hinterfragt in einem Leserbrief die widersprüchliche Situation, dass der Stadtkünstler-Vertrag des Theatrale-Intendanten Walter Hollender schon im Juni, also vor Stattfinden der Veranstaltung, endet.

Im Juli gibt die SPD, für die Opposition unerwartet, eine Bebauungsvoruntersuchung für die Osttangente durch die Uelzener Heide in Auftrag.

Im Zuge der Wahlen am 16. Oktober wird Elisabeth Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) wieder in den Kreistag gewählt, nimmt ihr Mandat aber nicht an.

1995

Die GAL ehrt Matthias Ringel und Edwin Illian als Sprecher der Bürgerinitiativen gegen eine Sondermülldeponie in Hemmerde.

Als für den Lünerner Bach, das Dorf Kessebüren und die Uelzener Heide Bauprojekte diskutiert werden, kritisieren Uli Brinkschulte-Kunert und Hermann Strahl, dass die Projekte ohne Stadtentwicklungskonzept angeschoben würden und dass ökologische Gesichtspunkte, wie zum Beispiel eine großzügige Abstandsfläche zum Bachufer, keine Berücksichtigung fänden.

Nachdem das Landesstraßenbauamt ein Konzept der CDU zur Verkehrsführung in der Innenstadt als undurchführbar bezeichnet hat, warnt Hermann Strahl in einem Leserbrief davor, das Konzept weiter zu verfolgen. Für das Projekt müssten Unnas Bürger dann auch noch Durchführungskosten zahlen. Der beschlossene ÖPNV-Beirat, der überlaufende Drahteselmarkt und das von der Verbraucherzentrale angebotene Autoteilen seien kostengünstigere und zukunftsträchtige Wege der Verkehrs-Problemlösung.

Nachdem in den Berichten einer Lokalzeitung zum Thema Verkehr Radfahrer gänzlich außer Acht gelassen worden sind, macht Ralf Beckmann (GAL) darauf aufmerksam. Obwohl Unna seit Herbst 1993 Mitglied im Förderprogramm “ Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden NRW” sei, hätten sich neben dem verhaltenen Vorgehen der Stadt selbst auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens bisher nicht besonders durch Fahrradfreundlichkeit ausgezeichnet. Eine Zeitungsredaktion sei gefordert, gleichwertig zu berichten, so dass sich alle Verkehrsteilnehmer in der Berichterstattung wiederfinden könnten. Entgegen den vor Windschutzscheibenperspektiven strotzenden Ausführungen der Zeitung hätten in der Innenstadt vorgenommene Maßnahmen die Situation für Radfahrer und Fußgänger verbessert.

Im Landtagswahlkampf beteiligt sich die GAL an einer Veranstaltung mit Joschka Fischer in der Kamener Stadthalle.

Ursula Weißert, Andreas Schulze und Uli Brinkschulte-Kunert kandidieren bei den Landtagswahlen und erhalten im Kreis Unna 8,9 % der Stimmen.

In Leserbriefen fragt Charlotte Kunert nach den Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in Unna. Nachdem Jugendzentren und Rockpoint geschlossen worden sind, unterstützt sie das Vorhaben eines kommerziellen Anbieters, welcher im Gebäude der ehemaligen Klems-Bäckerei an der Hansastraße eine Disco errichten will. Das Vorhaben wird nach massiven Anwohnerprotesten vor den im Mai anstehenden Landtagswahlen abgelehnt. Im Oktober fordert Charlotte Kunert die Stadtverwaltung auf, Verantwortung zu übernehmen und den Anbieter – wie ursprünglich zugesichert – bei der Suche nach einem neuen Standort zu unterstützen.

Michael Griesohn-Kluth verteidigt die Neuordnung der Abwassergebühren unter Zugrundelegung versiegelter Flächen durch die Stadt Unna: “Es geht doch nicht, dass die Abwassergebühr eines Einkaufszentrums mit riesiger Fläche und den damit enormen Abwassermengen nach Frischwasserverbrauch berechnet wird, der verschwindend gering ist. Und wer nun seinen Garten kacheln und mit Beton zugießen will, dem kann man dieses nicht verbieten. Zahlen sollte er aber für den Schaden.”

Charlotte Kunert weist darauf hin, dass es in der Innenstadt kaum Spielflächen für Kinder gibt. Unna mache sich das Gütesiegel Kinderfreundlichkeit nur auf dem Papier zum Aushängeschild. Bei Investitionen für Kinder dürfe die Stadt nicht weiter sparen.

Detlef Knauer (GAL) spricht sich gegen den geplanten Abriss des Hauses Düllberg aus. Der Erwerb des schönen, gut erhaltenen Hauses und Gartens für schätzungsweise mindestens eine Million DM, um sie dem Fetisch Auto, sei es für Straßenbau oder für Parkplätze zu opfern, sei ein Skandal. Statt in der ohnehin stickigen und baumarmen City wieder ein kleines Stück Grün mit einem netten kleinen Haus spurlos verschwinden zu lassen, sollte die Autofahrermehrheit im Stadtrat endlich den Mut zu einer zeitgemäßen Verkehrspolitik haben: konsequente Sperrung der Innenstadt für den Autoverkehr.

Nachdem der städtische Schwimmunterricht für sechs- bis zehnjährige Kinder gestrichen worden ist, warnt Charlotte Kunert vor weiteren Kürzungen, etwa beim Seniorenschwimmen. Hinter den allmählichen Einsparungen stehe das Ziel, das Lehrschwimmbecken irgendwann ganz zu schließen.

Mit Hilfe von Zuschüssen aus dem Programm für Regenerative Energien installiert Michael Griesohn-Kluth die erste Solaranlage, die an das Stromnetz der Stadt Unna angeschlossen ist. Bei schlechtem Wetter lässt sich Strom von den örtlichen Stromlieferanten beziehen, bei Überschuss fließt der Öko-Strom ins öffentliche Netz. Michael Griesohn-Kluth bezeichnet allerdings den Preis, den die Stadtwerke für den Öko-Strom bezahlen, als viel zu niedrig. Erst wenn etwa das Siebenfache bezahlt würde, ließen sich die Kosten für die 36.000 DM teure Anlage in rund 25 Jahren wieder reinholen.

Ehrung von Barbara Cornelissen und Karl-Heinz Albrecht
Charlotte Kunert und Astrid Lohmann demonstrieren in Düsseldorf

1996

Bei ihrem Neujahrsempfang ehrt die GAL Barbara Cornelissen, die sowohl im Heimatverein als auch in der Stadtkräutergartengruppe und für die evangelische Kirche aktiv ist. Karl-Heinz Albrecht wird für seinen Einsatz für den Erhalt der Landschaften in und um Unna geehrt.

Auf Einladung der GAL kommt Gisela Nacken, GRÜNEN-Landtagsfraktionsvorsitzende und langjährige Flughafengegnerin, zu einem Gespräch mit VertreterInnen aller Parteien sowie verschiedener Bürgerinitiativen ins Kolpinghaus. Das Thema des Abends ist die geplante Unterstützung des Flugplatzausbaus in Dortmund-Wickede durch die rot-grüne Landesregierung im Umfang von 20 Millionen DM. Der Koalitionsvertrag zwischen SPD und GRÜNEN untersagt ausdrücklich Ausbaumittel für Regionalflughäfen. Intern setzt sich sie GAL mit der Frage auseinander, ob die Missachtung des Vertrages zu einem Ausstieg der GRÜNEN aus der Koalition führen soll. Die Mehrheit befürwortet den Bruch, da besonders in der Verkehrspolitik keine Wende abzusehen sei. Auf dem GRÜNEN-Parteitag in Hamm am 16. März wird jedoch die Fortsetzung des Bündnisses mit der SPD beschlossen. Als Zeichen ihrer Verbundenheit mit allen Flugplatzgegnern ehrt die GAL Ursula Wirtz, Vorsitzende des Bündnisses gegen den Flughafenausbau.

GAL-Ratsmitglied und Aufsichtsrat der Stadtwerke, Uli Brinkschulte-Kunert, äußert sich in einer auch in Unna erscheinenden Dortmunder Zeitung kritisch in Bezug auf Stadtdirektor Klaus Dunker (SPD). Er fragt, wer im Rathaus schon auf der Gehaltsliste der VEW stehe und wirft Dunker geschäftsschädigendes Verhalten gegenüber den Stadtwerken vor. Bürgermeister Wilhelm Dördelmann (SPD) sieht in diesen Äußerungen die Bezichtigung der Korruption und spricht von ungeheuerlichen Anschuldigungen und strafwürdigen Vorwürfen. Brinkschulte-Kunert wird zu einer Entschuldigung aufgerufen, nimmt seine Kritik jedoch nicht zurück.

Bei der Veranstaltung “ Frieden schaffen mit Militär?” am 21. Februar im SpontUN gibt Winni Nachtwei, MdB und Mitglied des Verteidigungsausschusses für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus Münster, Einblick in die nicht-militärischen Möglichkeiten der Friedenssicherung, z.B. die Arbeit der OSZE.

Die GAL kritisiert die Haltung der Stadtverwaltung, nach der die BürgerInnen immer mehr Sparmaßnahmen in Kauf nehmen müssten, während im Rathaus Geld unnötig ausgegeben werde.

Nach einer Pause gibt die GAL ab April wieder die GALAXIS-Zeitschrift heraus. Sie erscheint nun drei bis vier mal im Jahr und wird hauptsächlich von Gudrun Bürhaus und Hermann Strahl herausgegeben. Das Layout gestaltet zeitweise Werner Wülfing.

In Reaktion auf die Wachstumsprognose eines empirica-Gutachtens für Unna gründet die GAL eine Arbeitsgruppe “Unna – 2010”, um die vorausgesagte Stadtentwicklung mit den BürgerInnen zu diskutieren und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Das Gutachten sagt für das Jahr 2010 eine Bevölkerung von 71.100-77.400 EinwohnerInnen voraus. Die GAL wünscht sich ein behutsames Wachstum; mehr eines der Qualität als der Quantität.

Nachdem der Rat die Schließung aller vier Lehrschwimmbecken beschlossen hat, besetzen 300 Schwimmfreunde verschiedener Vereine, Schulen und Kindergärten kurz vor Beginn der Ratssitzung die Plätze im Ratssaal. Sie fordern die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung zur Erhaltung wenigstens eines Teils der Becken sowie eine realistische Betriebskostenaufstellung seitens der Stadtverwaltung. Die GAL wirft der Verwaltung vor, bewusst die nötigen Daten und Fakten zurückzuhalten und so eine Übernahme durch Trägervereine zu verhindern. Letztlich gelingt es noch, die Schließung abzuwenden.

Mitglieder der GAL fahren auf Einladung der Partei Groenlinksaf nach Waalwijk. Bei einem Gegenbesuch im Juni unternimmt die GAL mit ihren Gästen eine Energiewende- Radtour zu entsprechenden Standorten in Unna. Besonders der Umweltladen und das Bürgerwindrad finden das Interesse der WaalwijkerInnen.

Vom 29. Mai bis zum 10. Juni ist im SpontUN eine Ausstellung der GRÜNEN NRW zum Thema Tschernobyl zu sehen.

Am 12. Juni kommt erneut Gisela Nacken zu einer Diskussion nach Unna. Vor der Veranstaltung in der Lindenbrauerei demonstrieren FlugplatzgegenerInnen vor Ort in Wickede.

Auf die nur auf finanzielle Erträge ausgerichtete Bebauungsplanung rund um den Kurpark in Königsborn reagiert die GAL mit einem eigenen Rahmenkonzept. Darin strebt sie eine umwelt- und sozialverträgliche Umgestaltung unter Berücksichtigung der Belange der betroffenen BürgerInnen an.

Im Oktober schließen die Städte Unna und Pisa (Italien) Partnerstadtverträge ab. Pisa ist die fünfte Partnerstadt Unnas.

Am 10. November demonstrieren am Flugplatz Wickede rund 1500 Menschen gegen eine Erweiterung der Landebahn von 1050 auf 1450 m.

Mit einer gegen die Stimmen der GAL im Rat verabschiedeten Veränderungssperre versucht die Stadt, das von dem Verein “Sanfte Energien” geplante dritte Windrad auf dem Ostenberg in Billmerich zu verhindern. Statt dessen soll ein Gebiet zwischen Lünern und Fröndenberg für einen Windpark von maximal 18 Windrädern und einem Investitionsvolumen von etwa 60 Millionen DM ausgewiesen werden. Die GAL weist auf die Aussage einer Richterin des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen hin, nach der es keine juristischen Einwände gegen ein drittes Windrad gebe.

Die Pichler-Gruppe aus München, Besitzerin des Harger-Zentrums am Königsborner Tor, hat sich verspekuliert und will nun zur Zinssicherung neue, größere Geschäfte ansiedeln. Die GAL hatte schon der Errichtung des Komplexes als einzige Fraktion nicht zugestimmt, weil sie die Schwierigkeit eines Nebeneinanders von Innestadthandel und Harger-Zentrum vorausgesehen hat.

1997

Im Dezember 1996 hatte die Verwaltung für die Stadtbücherei Kürzungen im personellen Bereich und bei den Öffnungszeiten angekündigt. Der jährliche Zuschuss sollte fast um die Hälfte beschnitten werden. In einer umgehend organisierten Aktion konnten in kurzer Zeit mehrere Tausend Unterschriften gegen diese Pläne gesammelt werden. Die Leiterin der Bücherei, Frau Kohlmeyer, unterstützte den Protest mit konkreten Zahlen, die sowohl die Attraktivität der Einrichtung wie auch die personelle Auslastung der MitarbeiterInnen belegen konnten. Im Januar lädt die GAL zu einem Diskussionsabend in die Lindenbrauerei ein. Der Leiter der staatlichen Büchereistelle in Hagen, Herr Traub, warnt vor Einsparungen. Schon jetzt sei Unnas Bücherei im Vergleich mit ähnlichen Medienzentren als unterdurchschnittlich zu bewerten. Im März gründet sich ein Initiativkreis “ Bürgerbegehren Stadtbibliothek”. Die Mitglieder fordern einen festen Medienetat von 150.000 DM pro Jahr im Haushalt der Stadt und die Beibehaltung der Öffnungszeiten von 35 Wochenstunden. Sie kritisieren die Höhe der geplanten Nutzungsgebühr von 30 DM jährlich und weisen darauf hin, dass bereits schon ein Viertel der Stellen abgebaut worden sei. Im Falle der Durchsetzung des Einsparungsvorhabens im Rat werde der Initiativkreis mit einem Bürgerbegehren reagieren.

Die GAL ehrt Rolf Linden, der in Hemmerde das erste private Kleinst- Blockheizkraftwerk errichtet hat, in dem aus Rapsöl und Holzschnitzen Wärme und Strom für den angrenzenden Wohnpark erzeugt werden. Auch die Stadtwerke werden ausgezeichnet. Als erstes Unternehmen der Region haben sie das Öko-Audit-Zertifikat erhalten. Die Urkunde nimmt der Prokurist der Stadtwerke Jürgen Bockermann entgegen.

Im Januar stellt der Werner Künstler Friedrich Wilhelm Schulz Landschaftsbilder im SpontUN aus.

Im Monat darauf sind im SpontUN Malerei und Zeichnung der Künstlerin Bettina Dellwig zu sehen.

Die GAL- Fraktion bemängelt den Informationsfluss im Rathaus. Die SPD setze in wichtigen Angelegenheiten, z.B. der Bücherei, immer wieder zuerst die CDU in Kenntnis. Die Fraktion der GAL sei wiederholt nicht fristgerecht oder erst auf Nachfrage informiert und dadurch an einer ausreichenden internen Erörterung gehindert worden.

Uli Brinkschulte-Kunert, Umweltausschuss-Vorsitzender, kritisiert die Tatenlosigkeit der Stadt in Sachen Klimaverbesserung. Millionenpralle Fördertöpfe von NRW und EU würden nicht in Anspruch genommen, obwohl Unna dem Klimabündnis der Städte angehöre und schon vor einem Jahr auf Anregung der GAL eine Energiekommission gegründet worden sei. Von den Stadtwerken fordert Brinkschulte-Kunert ein Förderprogramm für innovative Energieprojekte in Höhe von ein bis zwei Prozent ihrer Einnahmen (rund 500.000 DM jährlich).

Die GAL sieht die Grenzen des Wachstums in den Bezirken Innenstadt, Massen und Königsborn bereits erreicht und überschritten. Von 1980 bis 1995 sei Unna um 13,5% gewachsen (NRW um 4,4% und der Kreis um 8,4%). Eine im letzten Jahr prognostizierte Einwohnerzahl von über 70.000 sei nicht wünschenswert. Bis zum Sommer will die GAL Ortsteilkonzepte entwickeln und fordert die BürgerInnen auf, sich in dieser Frage einzumischen.

Die GAL fordert von der Stadt die Beibehaltung ihrer klaren Gegnerschaft zur Landebahnerweiterung am Wickeder Flugplatz und daraus resultierend eine Klage gegen die Genehmigung des Ausbaus. Nach der Offenlegung der reinen Touristik-Pläne durch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafen GmbH, Ernst Prüsse, lehnt der Kreistag die Erweiterung einstimmig ab. Im Rahmen eines Gesprächsabends über den Fluplatzausbau werden im August Pfarrer Jürgen Düsberg und Helmut Papenberg stellvertretend für das Aktionsbündnis gegen den Flugplatzausbau von der GAL geehrt. Zusätzlich zur obligatorischen Urkunde und einer Flasche Öko-Sekt bekommen beide noch einen Flugbesen mit grüner Schleife überreicht. Mit diesem ökologisch unbedenklichen Fluggerät aus nachwachsenden Rohstoffen könne der Flugplatz problemlos und ohne Treibstoff angesteuert werden.

Die von der GAL von Anfang an bezweifelte Mitfinanzierung des neuen Rathauses über Mieteinnahmen aus Ladenlokalen im Erdgeschoss geht nicht auf. Ein häufiger Mieterwechsel und diverse Leerstände machen eine solide Finanzplanung schwierig.

Im Frühling referiert Wolfang Belitz vom Haus Villigst auf Einladung der GAL über Neoliberalismus.

Am 18. März veranstaltet die GAL in der Gaststätte im Bahnhof eine Diskussionsrunde zu Erwartungen an eine humane Drogenpolitik. Als Experten eingeladen sind der Grüne Landtagsabgeordnete Daniel Kreutz, Polizeichef Hans-Werner Kuhleber und Roland Lutz von der Anonymen Drogenberatung Unna. Der Abend beginnt mit einer Besichtigung der Räume des Drogenhilfeprojektes LÜSA an der Platanenallee. Im Laufe der Diskussion kommt auch die Forderung nach Legalisierung bzw. kontrollierter Abgabe bislang illegaler Drogen zur Sprache.

Vom 23.-25. Mai sind Mitglieder und Freunde der GAL mit einem Plattbodenschiff auf dem niederländischen Ijsselmeer unterwegs.

Gabriele Belau auf dem Plattbodenschiff
Demo gegen das öffentliche Gelöbnis im Herderstadion

Am 18. Juni wählt die GAL Gabi Belau, Gudrun Bürhaus und Uschi Riekenbrauck als neuen Vorstand. Erich Lohmann wird als Kassenführer eingesetzt.

Die GAL unterstützt den Protest der BürgerInnen gegen ein geplantes Großbauprojekt an der Berliner Allee in Königsborn. Der Kurpark soll erheblich beschnitten werden, um Platz für rund 300 neue Wohneinheiten zu gewinnen. Im Mai richtet die GAL auf dem Bolzplatz an der Berliner Allee ein Boule-Turnier aus, um auf die Notwendigkeit solcher Freizeit-Flächen hinzuweisen.

Im August ergeht ein schriftliches Urteil des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen, dass die Stadt das dritte Windrad auf dem Ostenberg in Billmerich nicht verhindern kann. Die Stadt stellt daraufhin einen Antrag auf Zulassung der Berufung. Die GAL warnt, dass ein Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht eine jahrelange Verzögerung bedeuten könnte, die Kreditzusage der finanzierenden Bank jedoch nur bis 1998 gelte. Der GAL nach sei an dem fraglichen Standort Platz für insgesamt fünf Windkraftanlagen.

Die City-Gewerbepark GmbH will auf dem zuvor erworbenen Westebbe & Weispfennig-Gelände zwischen Viktoria- und Hammer Straße entgegen ihrer ursprünglichen Absicht ein Einkaufszentrum mit verschiedenen Einzelhandels-Branchen errichten.

Charlotte Kunert wiederholt die schon 1993 von der GAL gestellte Forderung, Straßen in Unna nach BürgerInnen zu benennen, die unter dem Regime der Nationalsozialisten gelitten haben. Sie schlägt vor, Namen von lebenden Personen zu wählen: “Ehren kann man Verstorbene, rehabilitieren nur die Lebenden!”. Die bisherige Umbenennung kleiner Straßen sei nicht ausreichend.

Nachdem im Kreis Unna die Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft (V+B) als Finanzholding gegründet worden war, um die Kreisinteressen bei der Übernahme der Hammer Müllöfen zu wahren, wehrt sich der Fraktionschef der Kreisgrünen Friedrich Ostendorff im Oktober dagegen, unter dem Dach der V+B eine Transport- und Logistikfirma entstehen zu lassen. Ziel des Vorhabens sei es, die Bedeutung der Abfallgesellschaft GWA schrumpfen zu lassen, um den Einfluss des daran beteiligten größten heimischen Entsorgungsunternehmens Rethmann zu schmälern. Der Konsens aller Parteien in Sachen MVA-Übernahme sei durch eine schnelle Ausweitung der Holding-Aufgaben gefährdet.

Am 22. Oktober zelebriert die Bundeswehr ein öffentlichesGelöbnis im Herderstadion. Schon im Vorfeld hat es dazu eine heftige Debatte in der Bevölkerung gegeben. Die GAL verurteilt in einem offenen Brief die Nutzung schulischen Raumes für eine derartige Veranstaltung. SPD-Fraktionschef Michael Hoffmann rügt die GAL für diese Haltung. Sie müsse den Ratsbeschluss akzeptieren und solle ihre Haltung zur Bundeswehr grundsätzlich überdenken. Als auch die Schulkonferenz der Peter-Weiß-Gesamtschule das öffentliche Gelöbnis ablehnt, erntet sie scharfen Protest von allen übrigen Parteien. Während des von der Polizei streng abgeschotteten Gelöbnisses werden schließlich elf Personen in Gewahrsam genommen und über mehrere Stunden festgehalten. Eine am Abend angesetzte Diskussionsveranstaltung der GAL zum Thema “Auslaufmodell Wehrdienst” mit Winni Nachtwei (MdB und Mitglied im Verteidigungsausschuss der GRÜNEN) und Oberst Stolzmann artet zum Ende hin in unfaire Polemik aus. Charlotte Kunert bedauert später in einem Leserbrief, die Bundeswehr habe die Chance der offenen Darstellung und Diskussion mit dieser Veranstaltung vertan. Zum Bundeswehr- Gelöbnis hält der GAL- Fraktionssprecher Albert Hartmann bei der nächsten Stadtratssitzung eine Rede: Die Vorkommnisse (Verhaftung von minderjährigen Jugendlichen) machten klar, dass hier ein besonderes Versagen der etablierten Parteien vorläge, die ohne Grund eine solche Veranstaltung um jeden Preis in Unna durchführen wollten. Die Politik von Erwachsenen habe zunächst Vorbildcharakter für Jugendliche, daher müsse sich eine verantwortungsvolle Politik immer für einen friedlichen Umgang untereinander einsetzen anstatt zu polarisieren.

Im November erscheint die 100. Ausgabe derGALAXIS. Auf zwölf Seiten berichten verschiedene Autoren über Aktuelles und Geschichtliches in Sachen GAL.

1998

Im Zuge eines Zeitplans bis zum Jahr 2000 nimmt sich die GAL vor, im Wahlkampf jede Woche eine klare Position pressewirksam bekanntzugeben.

Am 17. Januar feiert die GAL ihr 15jähriges Bestehen und die 100. Ausgabe der GALAXIS mit einer Party im Königsborner Bürgerforum. Die Mitglieder und Freunde sind zuvor aufgerufen worden, aus diesem Anlass Reliquien aus der gemeinsamen Zeit zusammenzutragen. Im Rahmen der Feier werden mit einer Jugendinitiative der Peter-Weiß-Gesamtschule gegen das Rekrutengelöbnis im letzten Jahr und einem Unnaer Greenteam politisch und ökologisch engagierte Kinder und Jugendliche geehrt. Stellvertretend für das Greenteam aus Lünern nehmen Anne Kunert und Sophie Bischoff die Urkunden entgegen. Auch Gretel Ellama-Togno, Kioskverkäuferin und erfolgreiche Spendensammlerin des Bornekamp- Freibades, sowie Karl Wurm, Gründer des Vereins “Sanfte Energien” gehören in diesem Jahr zu den geehrten Bürgern.

Jürgen Dörmann, Gründungsmitglied und ehemaliger Landessprecher der Grünen
Das Grüne Trikot im Schaufenster des SpontUN

Im Vorfeld eines Sonderparteitags der GRÜNEN in Jüchen zur Zukunft der rot-grünen Koalition NRW am 17. Januar stimmt eine knappe Mehrheit im Kreisverband Unna für das Fortsetzen der Koalition. Unstimmigkeiten zwischen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der Frage des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler II hatten wie schon 1996 wegen des Flugplatzausbaus Forderungen nach einem Ende der Koalition nach sich gezogen. Die GAL spricht sich auch dieses Mal gegen den Fortbestand der Koalition aus, der dann jedoch in Jüchen beschlossen wird.

Im Februar wählt der Kreisverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN den Bergkamener Landwirt und Vorsitzenden der grünen Kreistagsfraktion, Friedrich Ostendorff, erneut zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl.

Parallel sind das Gelände der Mühle Bremme an der Post sowie das ehemalige Westebbe & Weispfennig-Gelände an der Viktoriastraße für ein neues Einkaufszentrum im Gespräch. Ein Gutachten bestätigt die GAL in ihren Vorbehalten gegen die Victoria-Passage. Das finanzielle Risiko durch Vorleistungen und Folgekosten sei nicht kalkulierbar. Werner Kolter und Michael Hoffmann (SPD) halten trotz des negativen Gutachtens am Standort Viktoriastraße fest. Die GAL favorisiert das Warenhaus auf dem Areal Mühle Bremme, weist allerdings auf das Problem des zusätzlichen Verkehrs auf Hammer- und Friedrich-Ebert-Straße hin. Außerdem müsse der geplante Branchen- und Größenmix nach unten korrigiert werden. Mitte Mai genehmigt der Rat gegen die Stimmen der GAL die Victoria-Passage. Im August protestiert die GAL gegen Baumfällungen in Folge dieser Entscheidung. Eine Plakataktion in der alten Kastanienallee Friedrich-Ebert-Straße macht darauf aufmerksam, dass die Straße im Zuge des Einkaufszentrumsbaus auf vier bis fünf Spuren erweitert werden müsse. Auch die Osttangente durch die Uelzener Heide wäre dann notwendig.

Gisela Nacken kommt erneut zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Flugplatz in den Schalander. Auf den Rückweg nach Düsseldorf wird ihr als Gruß für den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Klaus Matthiesen, eine goldene Klobrille mit grünen Schleifchen mitgegeben. Dieser hat sich zum Flughafenstreit geäußert, die GRÜNEN würden bereits aus der Koalition aussteigen, wenn in Dortmund-Wickede die Toiletten erweitert würden. Gudrun Bürhaus kontert: “Meinetwegen kann er tausend goldene Toiletten mitten auf der Landebahn aufstellen.”

Die Stadt Unna scheitert mit ihrer Blockade gegen das Windrad auf dem Ostenberg nun auch vor dem Oberverwaltungsgericht. Die GAL beantragt daraufhin die schnellstmögliche Zulassung des Baus.

Im März sind Mitglieder der GAL zum sechsten Mal zu Besuch bei der Groenlinksaf in Waalwijk. Sie stellen den Niederländern das Konzept der Lokalen Agenda 21 vor und lernen im Gegenzug ein Naturschutzgebiet sowie die in verschiedenen Ländern bestehenden Ecoteams kennen.

Im April kommt es in der Frage einer möglichen Umbenennung der GAL Unna in BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu einer Kampfabstimmung, in der sich eine klare Mehrheit für die Beibehaltung des ursprünglichen Namens ausspricht. Uschi Riekenbrauck äußert sich dazu gegenüber der Presse: “Wir sehen uns auch nach 15 Jahren immer noch als eine eigenständige, vor Ort verwurzelte Initiative, die mit ihrem Namen inzwischen auch bekannt und identifizierbar ist.”

Die GAL ersteigert das nach einer Verlosung der “Aktion im Dienste des Bruders” nicht abgeholte Grüne Trikot des Unnaer Radprofis Erik Zabel für 750 DM und sichert so zehn Kindern aus sozial schwachen Familien einen fünfwöchigen Aufenthalt in der Schweiz.

Als im April der Grundstein für das neue Terminal am Flugplatz Dortmund-Wickede gelegt wird, kritisiert Helmut Papenberg die Haltung das NRW-Wirtschaftsministers Wolfgang Clement (SPD) in dieser Frage. Papenberg hält dem immer wieder angeführten wirtschaftlichen Nutzen des Flugplatzausbaus den Wertverlust der umliegenden Immobilien entgegen und ruft die Grund- und HauseigentümerInnen dazu auf, sich rechtzeitig zu wehren. Allein im letzten Jahr konnten 15.000 Unterschriften gegen den Ausbau gesammelt werden. Als später im Jahr eine Verlegung der Flugplatzumgehungsstraße auf Unnaer Gebiet geplant wird, protestiert die GAL, während SPD und CDU dem Vorschlag zustimmen. Die Zeche-Norm-Straße soll geschlossen und eine neue Umfahrung gebaut werden.

Die GAL plädiert für eine Verkleinerung des Stadtrates. Durch eine Zusammenlegung einiger Wahlkreise könne der Rat von 51 auf 46 Sitze reduziert werden, was der Stadt eine Ersparnis von jährlich 40.000 DM brächte. Der Vorschlag trifft bei SPD und CDU auf Ablehnung.

Die SPD fordert eine neue Grundsatzdebatte über die Zukunft der Unnaer Stromversorgung. Sie will eine Klärung in der Frage, ob die VEW weiterhin Versorger einiger Stadtteile Unnas bleiben oder eine Übernahme des Stromnetzes erfolgen soll, welche Kosten in Höhe von 30 Millionen DM verursachen würde. Die SPD favorisiert die Gründung einer neuen, aus VEW und Stadtwerken bestehenden, Gesellschaft. GAL und CDU sprechen sich gegen den Eintritt der VEW in die Stadtwerke GmbH aus. Die GAL lehnt die Energiepolitik des Stromriesen ab und sieht die Autonomie sowie die wirtschaftliche Flexibilität gefährdet. Die statt dessen vorgeschlagene Übernahme des Stromnetzes solle über eine veränderte, lineare Strompreisgestaltung und einen Bürgerfond gegenfinanziert werden.

Als der SPD-Kreisfraktionschef Heinz Steffen Überlegungen zu einem Neubaugebiet am Rande der Uelzener Heide anstellt, warnt die GAL, das Naturschutzgebiet und die notwendige Frischluftschneise für Königsborn würden dadurch in Gefahr geraten.

Am 10. Juni kommen interessierte BürgerInnen zum Thema “Die Rolle der Bundeswehr heute – hat die Wehrpflicht ausgedient?” im Café Schulte zusammen. Als Referenten hat die GAL erneut Winni Nachtwei eingeladen, MdB und Mitglied im Verteidigungsausschuss für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Am 19. August informiert die GAL mit einem Stand auf dem Alten Markt zum Thema Ökosteuer. Abends ist Reiner Priggen, Landessprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, zu Gast im SpontUN, um die Position seiner Partei (“fünf Mark pro Liter Benzin”) darzustellen.

Im August veranstaltet die GAL das dritte Boule-Turnier auf dem Bolzplatz an der Berliner Allee.

Boulen an der Berliner Allee

Am 12. September führt die GAL eine Podiumsdiskussion zum Thema “Sonne über Unna – Energiewende für neue Arbeitsplätze” im Bürgerforum Königsborn. Als ExpertInnen sind Michael Vesper, NRW-Bauminister und -Vize-Ministerpräsident, Kerstin Müller, Fraktionssprecherin der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Spitzenkandidatin in NRW, Friedrich Ostendorff, Kandidat für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Wahlkreis Unna sowie Michael Griesohn-Kluth, Unnaer Solaranlagenbauer, eingeladen. Sie informieren die Anwesenden über Sonnenenergie und die Schaffung neuer Arbeitsplätze auf dem Gebiet der regenerativen Energie. Der Kreis Unna sei bislang kein Vorbild in Sachen Solar: 1997 sei nur für 116 Solaranlagen, elf Photovoltaik-Anlagen und eine Wärmepumpe eine Förderung vom Land beantragt und bewilligt worden. Kerstin Müller sagt dazu: “Wir brauchen deshalb ein Bündnis für Arbeit und Umwelt und den Einstieg in eine ökologisch-soziale Steuerreform.”

Im Rahmen der Solarenergie-Veranstaltung wirbt die GAL mit Transparenten für eine Demo am nächsten Tag.

Am 13. September demonstrieren rund 2000 Menschen gegen einen Ausbau des Dortmunder Flughafens.

Bei der Bundestagswahl am 27. Oktober geht die SPD als stärkste Partei hervor. Sie erhält 298 Sitze im Bundestag, die CDU 198, CSU 47, FDP 43, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 47 und die PDS 36 Sitze. Eine Woche später diskutiert die GAL im SpontUN über die rot-grüne Bundesregierung und den konkreten Koalitionsvertrag.

Im Kreis Unna erhält Friedrich Ostendorff als Kandidat bei der Bundestagswahl 5,9 % der Stimmen.

Im Dezember zieht die GAL in ihr sechstes SpontUN in der Gesellschaftsstraße 15 um.

Hermann Strahl fordert im Verkehrsausschuss einen Protest gegen die Landesförderung für das Dortmunder UFO. Das eingeplante Geld komme aus einem Topf für den Bahnverkehr, der keine Einsparungen verkrafte.

Die Stadt will ein Schulgrundstück der Peter-Weiß-Gesamtschule mit Bienenhaus, Teich, Hühner- und Kaninchenställen am Kessebürener Weg für rund 750.000 DM verkaufen, um die Finanzierung des Schulzentrums Nord zu sichern. Der Erlös sei fest eingeplant und der Verkauf beschlossene Sache. Uli Brinkschulte-Kunert, Vorsitzender des Umweltausschusses, schlägt der Verwaltung den Verkauf anderer Grundstücke vor, um das 1.900 qm große Biotop, in das bislang über 150.000 DM geflossen seien, für die SchülerInnen zu erhalten. Eine Umsiedelung, wie von der SPD vorgeschlagen, komme auch wegen der möglichen Gefärdung durch die Bienen nicht in Frage.

Lothar Brusis, Aktivist „Freunde für Fremde“
Demo am Ring gegen den 1. Irakkrieg
Trotz Unfallhäufung an der Kreuzung bewilligt die Verwaltung die Erweiterung der Tankstelle. Die GAL-Geschäftsstelle wird abgerissen.

1999

Kommunalwahlkampf

Mit der Einweihung des neuen SpontUN in der Gesellschaftsstraße 15 läutet die GAL im Januar den Kommunalwahlkampf ein. Uschi Riekenbrauck betont in einer Rede die Möglickeit, die absolute Mehrheit der SPD in Unna brechen zu können.

Für die erste Kommunalwahl, bei der der/die BürgermeisterIn direkt von der Bevölkerung gewählt wird, wählt die GAL am 24. Februar Uschi Riekenbrauck als Bürgermeisterkandidatin. Sie tritt gegen Wilhelm Dördelmann (SPD), Volker W. Weidner (CDU) und Torsten Reimer (FDP) an. Auch die KandiatInnen der Wahlbezirke und der Reserveliste werden festgelegt.

Die GAL geht ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf. Als Bedingungen für eine mögliche Koalition formuliert sie: keine Osttangente und Auflagen für die Victoria-Passage.

Mehr Bürgerbeteiligung ist das Rezept der GAL für Unnas Zukunft. Das Wissen und die Ideen der Menschen vor Ort sollen nicht mehr – wie bislang häufig – missachtet werden.

Charlotte Kunert besucht mit einigen Jugendlichen den Deutschen Bundestag in Bonn. Vor der Kommunalwahl im September, bei der erstmals auch 16- und 17-Jährige zur Urne gebeten werden, versuchen Sarah Eickelmann und Anne Kunert die Jung-GAL wieder zu beleben. Sie sammeln 200 Unterschriften für einen city-nahen Treff für unter-18-Jährige. Im November treffen sich die GAL-Jugendlichen mit den SchülervertreterInnen mehrerer Unnaer Schulen. Sie kritisieren die mangelhafte finanzielle Lage an den Schulen im Bereich der neuen Medien und überlegen, was gegen die wachsende Gewalt unter Jugendlichen getan werden kann.

In der Diskussion um ein neues Parkhaus an der Massener Straße fordert Hermann Strahl im April von der Verwaltung die Offenlegung der Erträge und der Kosten für den Unterhalt der bestehenden Innenstadt- Parkflächen. Man habe wegen der beiden Tiefgaragen schon genug Lehrgeld gezahlt. Ein neues Milliardengrab dürfe man nicht schaffen.

Zusammen mit Bürgerinitiativen versucht die GAL im September eine große Koalition gegen den Bau der OWIIIa zu schmieden. Die GAL hatte sich im Rat und in den Bürgerinitiativen stets gegen den Flugplatzausbau und die Straßenplanung OWIIIa/L821n ausgesprochen. Mit dem Versuch, die Massener SPD- und CDU-Kandidaten dafür zu gewinnen, im Rat gegen die Projekte zu stimmen, will die GAL eine Mehrheit bilden, um die OWIIIa noch verhindern zu können.

In einem GALAXIS-Artikel über Grenzen des Wachstums ruft die GAL zu Anregungen und Mitarbeit am Agenda 21-Projekt auf. Sie kritisiert die ungebremste und unreflektierte Versiegelung von Flächen, die Förderung des Autoverkehrs und die Konkurrenz von Nachbarstädten um Bewohner, Arbeitsplätze und Kaufkraft. Auch vor fortgesetzten Naturzerstörungen warnt die GAL in dem Artikel: “Fabeltier und Bolzplatz wollte die SPD-Verwaltung planieren, das Bienenhaus, der Stadt-Kräutergarten, selbst Kurpark und Uelzener Heide sollen unter die Bagger der scheinbar hemmungslosen Wachstums-fetischisten geraten. Für Sehstörungen empfehlen Augenärzte Spaziergänge durch Grünzonen. Um die kurzsichtigen Rot-Schwarzen von ihrem grauen Star-rsinn zu kurieren, sollte der Grünstreifen im Rat deutlich verbreitert werden.”

Für Unnas Kinder und Jugendliche fordert die GAL unter anderem durchgehende Öffnungszeiten für das Kinder- und Jugendbüro, die Einrichtung eines kommerziellen Jugendcafes unter Beteiligung des Jugendamtes, eine ausreichende finanzielle Förderung der Werkstatt Unna, eine Verbesserung der Schulwegsicherung und die Einrichtung einer Spielstation am Rand der Fußgängerzone und des Marktplatzes.

Nachdem in den vergangenen Jahren durch verschiedene Maßnahmen der CO2-Ausstoß in Unna reduziert werden konnte, fordert die GAL die Fortsetzung und Ausweitung der Förderung von Solar- und Windkraftanlagen.

Wahlgraffito
Fraktion 1999 – 2004

Passend zu ihrer Forderung nach mehr Sprühflächen für Unnas Graffiti- Künstler wirbt die GAL mit großen Graffiti- Wahlplakaten um Wählerstimmen. Malte Busch, Philipp Kotsch und Axel Katz sprühen eine Jugenddisco, ein Victoria-Verbotsschild, Windkrafträder und die Aussagen “Wind und Sonne statt Kohle und Öl”, sowie “GAL verbindet Alt und Jung” auf große Plakatwände.

In einer Wahlkampfausgabe der GALAXIS benennt die GAL einige Erfolge in der Umweltpolitik, die sie in der vergangenen Legislaturperiode aus der Opposition heraus auf den Weg bringen konnte: An den Sitzungen des Umweltausschusses nehmen Fachleute von Umweltverbänden teil. Der Umweltausschuss muss bei der Bauleitplanung und bei bestimmten Bauvorhaben angehört werden. Die Uelzener Heide wurde unter Naturschutz gestellt. Der ökologische, ökonomische und soziale Umbau der Stadt hat mit dem Start der Lokalen Agenda 21 begonnen. Die Rettung des Bienengartens der Peter-Weiss-Gesamtschule vor dem Verkauf durch die Stadt ist vorerst gelungen.

Die GAL fordert die Entwicklung eines umfassenden Umweltkonzeptes für Unna. Darin sollen Flächenentsiegelungen und Bewaldung genauso festgeschrieben werden wie der Schutz der wenigen in Unna noch vorhandenen Grünflächen. Den Kampf um den Erhalt des Bienengartens unterstützt die GAL.

Kultur für alle” fordert die GAL für Unnas BürgerInnen. Statt eine glänzende Kulturstadt-Fassade zu pflegen müsse die Stadt Kultur dort fördern, wo die Menschen leben. Beim Umzug von VHS, Kulturamt, Stadtarchiv und Bibliothek in das geplante Zentrum für Information und Bildung (ZIB) dürften nicht hinter vorgehaltener Hand qualitative Einsparungen bei diesen Einrichtungen vorgenommen werden.

Bei der Wahl im September bekommt die GAL 10,86% der Wählerstimmen und sichert sich so erneut sechs Sitze im Stadtparlament. Nach mehrwöchigen Verhandlungen mit CDU und SPD kommt die GAL mit der SPD überein im Rahmen einer Kooperation im Bedarfsfall zusammen zu arbeiten.

Für Astrid Lohmann wird nach der Wahl Gudrun Bürhaus neues Mitglied im Rat der Stadt Unna. Zusammen mit Dr. Hartmut Bansi, Hermann Strahl, Uli Brinkschulte-Kunert, Albert Hartmann (als Fraktionsvorsitzendem) und Udo Harder setzt sie die GAL-Arbeit im Rat fort.

Uli Brinkschulte-Kunert übernimmt für die GAL den Vorsitz des Kulturausschusses im Rat der Stadt Unna. Gudrun Bürhaus wird Vorsitzende des Ausschusses für Umweltangelegenheiten.

Stephanie Schmidt tritt als neue Geschäftsführerin an die Stelle von Charlotte Kunert.

Im November wählt die GAL Uschi Riekenbrauck, Charlotte Kunert, Claudia Keuchel, Jürgen Lichte, Erich Lohmann und Georg Dahlmann als neuen Vorstand.

Weitere Ereignisse und Arbeitsschwerpunkte

Als die CDU im Januar eine Kampagne gegen den Entwurf der rot-grünen Regierung zur doppelten Staatsbürgerschaft führt, bemüht sich die GAL mit einem Info- Stand auf dem Markt um Aufklärung. Sie weist darauf hin, dass Deutschland bereits ein multikultureller Staat sei und dass das neue Staatbürgerschaftsrecht für viele BürgerInnen einen rein pragmatischen Nutzen bringen werde.

Nach Beginn der NATO-Bombardierungen in Jugoslawien fordert die GAL im April die Bundestagsabgeordneten und Bündnisgrünen auf, sich für eine Beendigung der Luftangriffe einzusetzen. Die Verbrechen des Milosevic-Regimes und die Vertreibung der Kosovo-Albaner seien zwar aufs schärfste zu verurteilen, die Luftangriffe seien aber ungeeignet, Mord und Vertreibung zu stoppen. Es sei im Gegenteil zu fürchten, dass durch die NATO-Angriffe eine politische Lösung des Kosovo-Konflikts verhindert werde. Am 28. April erläutert Winni Nachtwei, stellvertretender verteidigungspolitischer Sprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag, bei einer von der GAL veranstalteten Diskussion in der Lindenbrauerei Hintergründe des Kosovo-Krieges. Er zieht eine negative Bilanz der Luftangriffe und schlägt unter anderem mit fünf anderen grünen Bundestagsabgeordneten eine baldige Waffenpause vor, um Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu ermöglichen. Auf Initiative der GAL werden im Mai drei Tafeln in der Bürgerhalle des Rathauses aufgestellt, auf denen alle BürgerInnen ihre Gedanken, Gefühle und Hoffnungen über den Kosovo-Krieg zum Ausdruck bringen können. Nach Kriegsende setzt sich die GAL für die ursprünglich angekündigte Duldung der Kosovo- Flüchtlinge bis zum Frühjahr 2000 ein.

Für ihr ehrenamtliches Engagement ehrt die GAL Anfang August Martina Handwerker und Gabriele Wedekind. Martina Handwerker hat privat 60.000 DM für den Spielplatz am Hellweg-Museum gesammelt. Gabriele Wedekind bekommt die Auszeichnung für ihren Einsatz am Runden Tisch, der das Problem der Kirchplatz-Szene lösen will.

Zur Förderung der Kulturarbeit richtet die GAL im Dezember einen Runden Tisch ein. Das Verhältnis zwischen sozio-kultureller und repräsentativer Kultur sei in Unna mit einem deutlichen Vorteil für die große Kunst aus der Waage geraten. Durch eine Erhöhung des Kultur-Etats soll unter anderem die Kulturarbeit für Kinder und Jugendliche wieder verbessert werden.

Albert Hartmann und Kerstin Müller
Vorne: Barbara Streich, Jochen Nadolski-Voigt. Mitte hinten: Gunda Röstel
Uli Brinkschulte Kunert und Gudrun Bürhaus ehren Jürgen Düsberg und Helmut Papenberg

2000

Beim traditionellen Neujahrsempfang der GAL sagt Fraktionschef Albert Hartmann zur neuen Situation im Unnaer Stadtrat, es sei nicht ganz einfach, aus der Rolle der Opposition heraus in eine Position zu wechseln, in der man mehr Verantwortung trage und in der auch Kompromisse nötig seien. In der Regierungszusammenarbeit müssten sich SPD und GAL jedoch noch als eigenständige Partner erkennen können. Dörte Strübli und Wolfgang Patzkowsky werden bei dem Neujahrstreffen von der GAL für ihr besonderes Engagement in Umwelt- und Stadtbelangen geehrt.

Als neuer Kulturausschuss-Vorsitzender lädt Uli Brinkschulte-Kunert im Januar Vereine, Kulturamt, Künstler und Einzelpersonen zu einer Diskussionsrunde ins Rathaus ein. Als Ergebnisse werden unter anderem regelmäßige Treffen und die Nutzung der Bürgerhalle für Ausstellungen vereinbart. Einigkeit besteht jedoch insbesondere auch darin, dass in den nächsten Jahren keine weiteren Kürzungen des Kulturetats gedultet werden sollen, da in den vergangenen Jahren bereits 1,2 Millionen Mark gestrichen worden seien. Zum Vergleich nennt Uli Brinkschulte-Kunert die veranschlagten Kosten von 3 Millionen Mark für den diskutierten Viktoria- Durchstich. Im Bereich Kultur müsse in der Politik eine vergleichbar starke Lobby geschaffen werden, wie es sie im Bereich Verkehr gebe.

Im Kampf gegen einen Ausbau des Dortmunder Flughafens und abzusehende Folgeprobleme sowie für den Schutz der betroffenen Menschen wehrt sich die GAL weiterhin gegen den Druck von Landes- und Bezirksregierung sowie Flughafenvertretern. Hartmut Bansi kritisiert im Februar, dass beim Anwohnerschutz nur der Dauerschallpegel berücksichtigt werde. Außerdem sagt er voraus, dass statt des vorgegebenen Geschäftsreiseverkehrs im wesentlichen Tourismusflüge vorgesehen seien. Gudrun Bürhaus kritisiert im gleichen Monat die Äußerung des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Hans-Jürgen Weigt, der Flughafenausbau sei nur noch schwer zu stoppen. Über den trotz tausendfachen Widerstandes genehmigten Ausbau der Rollbahn auf 2.000 Meter informiert die GAL auf dem Unnaer Marktplatz. Nur mit einer Klage sei der Ausbau noch zu verhindern. Im März fordert der verkehrspolitische Experte der GRÜNEN Peter Eichenseher (MdL) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Massen eine neue Luftverkehrskonzeption. In den Folgemonaten wehrt sich die GAL immer wieder gegen den Bau der Stadtautobahn OWIIIa durch Unnaer Gebiet und gegen die wachsende Lärmbelästigung durch Auto- und Flugverkehr.

Charlotte Kunert kritisiert im Februar, dass für Jugendliche in der Innenstadt keine Freizeitmöglichkeiten geschaffen würden. Jugendliche im Bereich des Rathauses und auf dem Katharinenplatz seien Kirche und Stadtverwaltung ein Dorn im Auge. Für die zahlende Käuferschicht, die leise in die Geschäfte geht, viel kauft und dann schnell wieder nach Hause fährt, werde hingegen gesorgt.

Im März beschließen die Fraktionen von SPD und GAL wichtige Eckpunkte zum Haushalt 2000: Ganz Unna soll dem Tarifgebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr angehören. Eine Disco für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren soll in der Lindenbrauerei eingerichtet werden. An der Massener Straße soll das geplante Parkhaus gebaut werden. Vor einer Entscheidung über die Victoria-Passage und den Durchstich Hammer Straße / Friedrich-Ebert-Straße soll ein neues Gutachten erstellt werden.

Die Diskussionen um Planungen zur Victoria-Passage und zu einem Straßendurchstich zwischen der Friedrich-Ebert- und der Hammer Straße bilden den schwierigsten Punkt bei den Gesprächen über eine Zusammenarbeit zwischen SPD und GAL. Im März erreicht die GAL, dass das gesamte Vorhaben in seinen Auswirkungen auch für FußgängerInnen, RadfahrerInnen und Busse mit einem neuen Gutachten untersucht wird. Bevor das Ergebnis des Gutachtens vorliegt wird nach Indiskretionen bekannt, dass der Inverstor der Victoria-Passage jeweils 5.000 Mark an Unnas CDU und SPD gespendet hat. Die GAL verurteilt sowohl die Tatsache der Spenden als auch die Art und Weise der Überbringung in einem offenen Brief an die Mitglieder von SPD und CDU scharf: “Getarnte Verrechnungschecks vom Rats-Beschluß-begünstigten Großinvestor werden nach telefonischer Ankündigung Fraktionsvorsitzenden in die Briefkästen geworfen. Die informieren nur wenige selbst ausgewählte Parteifreunde…, und alles darf weitergehen?” In dem neuen Gutachten zum Victoria-Projekt wird Mitte Juni der zweispurige Kreisverkehr in einem Netz mit Durchstich Viktoriastraße als “einzige auch in Zukunft funktionstüchtige Lösung” bezeichnet. Die GAL gibt daraufhin zum Durchstich ihre Zustimmung, verbindet sie jedoch mit der Forderung nach mehreren kompensatorischen Maßnahmen: Ausweisung der Uelzener Heide als besonders schützenswerter Raum, Umbau der südlichen Friedrich-Ebert-Straße zur “attraktiv gestalteten Wohn-, Flanier- und Spielstraße”, Einrichtung eines Mobilitäts-Managements im Rathaus im Rahmen einer 30-Stunden-Stelle und Überprüfung der Wachstumsraten im Flächennutzungsplan-Verfahren unter Maßgabe der Verkehrsminderung.

Mitte März schlägt die GAL die Einführung eines Schülertickets vor. Für 14,50 DM sollen Schülerinnen und Schüler jederzeit Busse und Bahnen im Einzugsbereich der Unnaer Schulen benutzen können.

Im Mai veranstaltet die GAL auf dem Alten Markt ein Interview mit der Bundesparteivorstandssprecherin der GRÜNEN, Gunda Röstel. Auf der Veranstaltung will die GAL auch auf das Enteignungsverfahren anlässlich des Flughafenausbaus in Dortmund hinweisen.

Barbara Streich, Theo-Otto Freihold und Jochen Nadolski-Voigt kandidieren bei den Landtagswahlen und erhalten im Kreis Unna 6,3 % der Stimmen.

Ende Juni macht der Arbeitskreis “Fahrradfreundliches Unna” eine zwölf Kilometer lange Radtour entlang der City-Grenze, um Problemstellen für Radler aufzudecken. Auch Verkehrsplaner Christian Maßmann radelt mit und spricht kritische Punkte auf Band. Als Sprecher des Arbeitskreises lobt Hermann Strahl anschließend das parteiübergreifend nette Klima, weist jedoch auch auf mehrere Gefahrenstellen für Radler und fehlende Radwege-Verbindungen hin.

Zusammen mit Jusos und verschiedenen SchülervertreterInnen setzt sich die Jung-GAL für die Einrichtung einer Jugenddisco ein.

Ein Brief des Landschaftsverbandes, in dem Bäume an der Hammer Straße als Gefahr und mögliches Hindernis bezeichnet werden, wird im Umweltausschuss mit allgemeinem Kopfschütteln aufgenommen. “Bäume fahren nicht vor Autos” schreibt Gudrun Bürhaus in einem Leserbrief und gibt damit eine Reaktion des Ausschusses wieder. Die Bäume dienten als optische Bremse, da ohne sie die Straße breiter erscheinen würde. Statt die Bäume zu fällen, sollten sie durch Markierungen optisch deutlicher hervorgehoben werden. Auch eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit an Alleen sollte erwogen werden.

Auf Initiative der GAL findet im Juli eine ÖPNV-Konferenz von Stadt- und Kreisverwaltung, Bahn, Busunternehmen und Fahrgästen statt, um Verbesserungsmöglichkeiten für Unnas öffentlichen Personen-Nahverkehr zu diskutieren. Die Konferenz einigt sich auf eine Werbeinitiative, um das vorhandene Angebot potenziellen NutzerInnen besser bekannt zu machen. Gleichzeitig kündigt Hermann Strahl an, einen Antrag auf Einrichtung einer halben Stelle im Rathaus zur Förderung des Nahverkehrs einzubringen. Im September diskutiert die GAL zusammen mit Vertretern der Bahn auf dem Alten Markt mit BürgerInnen darüber, was getan werden muss, um mehr Menschen zum Bahn Fahren zu bewegen. Einige Wochen später bringen Stephanie Schmidt und Hermann Strahl in Eigeninitiative Fahrpläne und Hinweisschilder am Bahnhof an, nachdem seitens der Bahn lange Zeit nicht auf entsprechende Bitten reagiert worden ist. Der Antrag auf Einrichtung eines Mobilitäts-Managements im Rathaus wird von GAL und SPD Anfang November zusammen mit der Forderung nach einem Stopp des Ausbaus der Osttangente in den Rat eingebracht.

Begleitet von Uli Brinkschulte-Kunert vom Kulturausschuss und Roland Lutz, dem Geschäftsführer der Drogenberatung, macht im September die Jung-GAL auf sich aufmerksam. Mit einem Kiffer-Sit-In im Stile der 68er auf dem Alten Markt setzen sie sich für die Duldung weicher Drogen ein. Der drogenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Hubert Hüppe fordert daraufhin den Rücktritt von Roland Lutz. Die Anonyme Drogenberatung solle keine Kreismittel mehr erhalten, wenn deren Geschäftsführer die “dümmliche und gefährliche Aktion pubertärer Jugendlicher” unterstütze.

Bürgermeisterin-Wahlplakat
Bundestagsbesuch in Bonn auf Einladung von Winni Nachtwei

2001

Im Rahmen des Neujahrsempfanges ehrt die GAL Gabi Jöhnk vom ADFC und die Grünen Damen des ev. Krankenhauses.

Als im Januar eine Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes ( FNP) erfolgt, mahnt die GAL zur Zurückhaltung in der Flächenausweisung für Wohnungen und Gewerbe. Sie will die Zahlen des Entwurfes der Verwaltung halbieren, da voraussichtlich nur mit 150 statt mit 300 neuen BewohnerInnen pro Jahr zu rechnen sei. Das Bevölkerungswachstum sei in den letzten Jahren zurückgegangen. “Solidarisch gegenüber Natur, Nachbarn und Nachwuchs” zu sein sieht die GAL als ihr Motto in dieser Frage. Im Februar ruft sie daher einen Architekten-Wettbewerb aus. Bauausstellungen sollen gelungene Häuser und Gewerbe-Ansiedlungen sowie sinnvoll umgewandelte Brachen zeigen. Einen Monat später fordert die GAL den Stadtrat auf, das ökologische Freiflächensicherungskonzept der Stadt von 1998 in den FNP einzubinden. Anfang September geht der Vorentwurf des FNP mit einer Wanderausstellung in den Ortsteilen und einer Internet-Präsentation in die öffentliche Diskussion, wobei die GAL das Einfließen ihrer Forderungen vermisst. So sollten z.B. Überschwemmungsgebiete neu festgelegt werden, weil Bachläufe sich im Vergleich zu den alten Daten verändert hätten. Besonders die Bewohner des geplanten Baugebietes am Lünerner Bach könnten im Falle einer Überschwemmung unerwartet von Wasserschäden betroffen sein. Außerdem seien Schutzstreifen um alle Gewässer notwendig, um die artenreichen Biotope der Uferregionen zu erhalten.

Zu Anfang des Jahres drängen SPD und GAL auf die Einrichtung einer eigenständigen Mobilitätsberatung. Die gewünschte neue Stelle soll durch gezieltes Mobilitäts-Managemant die knappen Mittel für ein verbessertes Verkehrsangebot optimal nutzen. Die CDU ist gegen eine Neueinstellung und will das dafür benötigte Geld lieber direkt in das Verkehrsangebot fließen lassen. Im April kann die neue Stelle des Mobilitäts-Managers für 2002 durchgesetzt werden und im Herbst geht die Stelle in das Ausschreibungsverfahren.

Die CDU schlägt die Abschaffung der Baumschutzsatzung vor und will statt dessen auf die Eigenverantwortlichkeit der Bürger setzen. Negative Erfahrungen, z.B. aus Fröndenberg, veranlassen die GAL zum Protest gegen diesen Vorstoß. Sie vermutet die sofortige Fällung wertvoller Baumbestände, sollte die Baumschutzsatzung abgeschafft werden. Im April wird die Satzung mit knapper Mehrheit verteidigt.

CDU, SPD und GAL diskutieren im Februar über die neue Ortsumgehung im Osten der Stadt. GAL und SPD plädieren für die kürzere Ostspange, die den Verkehr vom Autobahnzubringer A 443 auf die Saarbrücker- und dann auf die Viktoriastraße lenken würde. Zur Entlastung der Morgen-, Uhland- und Höingstraße favorisieren sie eine aufwändige Tunnellösung. Die CDU verteidigt die lange Osttangente bis zur Zechenstraße. Diese ginge jedoch durch die Uelzener Heide in Höhe des Kordelbaches, der 2004 für 18 Millionen DM renaturiert und zu einem Naherholungsgebiet werden soll. Relative Einigkeit herrscht dagegen in der Frage der Westtangente über den Afferder Weg bis zum Kamener Karree. Zwar hat die GAL Bedenken, ist aber zu Gesprächen bereit.

Für die Victoria-Passage liegt Anfang des Jahres ein neues Konzept über 17.500 m² Verkaufsfläche vor, 5.600 m² mehr als im Ratsbeschluss erlaubt. Die GAL droht mit dem Ausstieg aus der Kooperation, sollte die SPD den Plänen in vorgesehener Dimension zustimmen. Ende des Jahres, nach dem teilweisen Einlenken der Investoren und einer Verringerung der geplanten Größe auf 14.530 m², beantragt die CDU einen erneuten Sachstandsbericht der Standorte Mühle Bremme, real und Victoria und erntet vehemente Kritik von Hermann Strahl. Das Verhalten der CDU zur Einzelhandelssituation sei “schändlich, schädlich und beschämend” und die CDU ein “Risikofaktor”. Inzwischen würden alle Fraktionen den Standort Victoria ablehnen, nur die CDU beziehe keine Stellung und verunsichere so Investoren für die Gelände Mühle Bremme und real.

Als das Stadtwerke-Beratungszentrum den Umzug ins Rathaus-Erdgeschoss plant, regt die GAL eine Neuaufgreifung des Bürgerrathaus-Konzeptes mit allen Beratungsstellen unter einem Dach an, um den BürgerInnen unnötige Wege durch die Stadt zu ersparen.

Am 1. Mai veranstaltet die GAL ihr zehntes Boule-Turnier “Green Open” auf dem Spielplatz hinter dem Kindergarten in Lünern.

Mitglieder der mit der GAL befreundeten Partei aus Waalwijk kommen zu einem Besuch nach Unna. Stephanie Schmidt organisiert eine Bus-Tour zu Sehenswürdigkeiten aus der Bergbau-Geschichte der Region.

Auf Initiative der GAL ist Michael Vesper, NRW-Bauminister und -Vizeministerpräsident, im Juni erneut zu Besuch in Unna. Er zeigt sich beeindruckt vom Lichtkunstzentrum im Kellergewölbe der Lindenbrauerei und versichert der Stadt die erhoffte Förderung des für das kommende Jahr geplanten Zentrums für Information und Bildung (ZIB) bis zur Fertigstellung. Vesper stimmt der Vermutung der GAL zu, Unna sei prädestiniert, an dem NRW-Wettbewerb “Licht in die Stadt” teilzunehmen, dessen Sieger vom Land zu 60% bezuschusst werden sollen. Auch als Triennale-Schauplatz wünscht sich die GAL die Brauerei. Das Theater-Projekt wird landesweit mit 30 Millionen DM gefördert.

Nach einem Lärmgutachten kommt das Bornekamp-Areal als Skaterbahnstandort nicht mehr in Frage. Die GAL plädiert für einen Standort in der Innenstadt und hält das Einbeziehen der Skater in die Diskussion für unerlässlich. Falls nur ein Standort außerhalb der Innenstadt realisiert werden könne, müsste die Anlage dann besonders attraktiv sein, um angenommen zu werden. Die auf Antrag der GAL und der SPD zur Verfügung stehenden 70.000 DM würden in diesem Fall eventuell nicht ausreichen.

Da sich die Parkraumsituation durch Neubauten verändert habe, aber kein angepasstes Bewirtschaftungskonzept vorhanden sei, fordert die GAL von der Verwaltung ein “Parkraum-Komplett-Konzept- Innenstadt”. Sie hält den zweiten Bauabschnitt des Parkhauses an der Massener Straße für überflüssig und befürchtet Defizite durch eine zu geringe Auslastung wie im Fall der beiden Tiefgaragen. Im September beschließt der Haupt- und Finanzausschuss den Bau des Parkhauses in einem Zug, da dies günstiger sei als die Unterteilung in zwei Bauabschnitte. Erneut fordert die GAL ein Parkkonzept für das ganze umliegende Viertel.

In dem von der GAL herausgegebenen Heft “ Ante Portas oder Zu Hause – Kultur als Homepage oder Tempelflucht – Essayistischer Versuch einer interkulturellen Bestandsaufnahme nach Überschreiten der Jahrtausendschwelle” von Peter Möbius wird eine Stärkung der Bürger-Kultur gefordert. Die GAL regt die Einrichtung eines Kultur-Kontors an, das die Koordinierung und Organisation aller bürgerschaftlichen Kultur in Unna übernehmen soll. Das Kontor solle dem Land NRW als Modellprojekt vorgeschlagen werden, um auf diesem Wege die nötigen Mittel zu erhalten.

Zwei Wochen nach den Anschlägen vom 11. September in den USA lädt die GAL Mitglieder des Ausländerbeirates, der ev. Kirche, des Türkisch-Islamischen Kulturvereins sowie des Alewitischen Kulturvereins zu einem Gespräch zum Thema “Schuld und Verantwortung” ins SpontUN ein. Die Diskussion über den Umgang mit den Anschlägen soll einen sachlichen Dialog mit möglichst vielen Kulturen der Stadt in Gang setzen.

Im Oktober veranstaltet die Jung-GAL eine Malaktion zum Thema Toleranz. Vier von einer Jury ausgewählte Motive kommen in 10.000facher Auflage als Gratispostkarten zum Einsatz.

Im November initiiert die GAL den ersten “Runden Tisch für Toleranz”. VertreterInnen christlicher und muslimischer Gruppen werben in der Moschee für mehr Sachlichkeit in der Diskussion nach den Anschlägen in den USA. Uli Brinkschulte-Kunert erzählt von negativen Erfahrungen mit einer Koranschule in Kamen, woraufhin der Unnaer Moscheeverein seine tolerante Ausrichtung als vom türkischen Staat geförderter DITIB-Verein betont. Betroffen zeigt sich der ehemalige Pfarrer Jürgen Düsberg, als von Anfeindungen gegenüber Kopftuch tragenden Frauen berichtet wird. Ein dauerhafter Austausch soll durch zweimonatliche Treffen ermöglicht werden.

Bei einem Aktionstag der Jung-GAL in Zusammenarbeit mit “ART at WORK” und der “Arbeitsstelle Weltbilder” aus Münster sind PassantInnen im November auf dem Alten Markt dazu aufgefordert, Vorschläge für eine friedlichere Welt mit blauer Farbe auf eine große, luftgefüllte Weltkugel zu schreiben. Unter dem Motto “Blaue Hände für Ausländerfreundlichkeit und Frieden” ist das internationale Projekt zur Zeit in ganz Deutschland unterwegs.

Von links nach rechts: H. Strahl, G. Bürhaus, A. Hartmann, R. Tingelhoff, F. Ostendorff, M. Reinold, U. Riekenbrauck

2002

Bei ihrem Neujahrsempfang ehrt die GAL Remona Tingelhoff vom Café zur alten Post für ihre kulturellen Aktivitäten in Königsborn sowie Michael Reinold, Chef des City-Werberinges und Inhaber des Rückgrat-Ladens, für sein herausragendes Engagement zu Gunsten des Unnaer Einzelhandels.

Der Verteidigungsexperte von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Winni Nachtwei, ist zum wiederholten Male bei der GAL in Unna zu Gast. Bei der Veranstaltung wird eine Bilanz aus dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr gezogen.

Im Februar wird die aus Containern bestehende Behelfsunterkunft der Volksbank Unna Schwerte eG gegenüber des Standesamtes aufgebaut. Die Fertigstellung des neuen Bankgebäudes ist für 2004 angesetzt. Wegen der Neubaumaßnahme musste der alte Friseurladen Düllberg bereits abgerissen werden, die Häuser Klosterstraße 15 und 17 sollen folgen. Die GAL bedauert besonders den Abriss letzteren Gebäudes als ein Stück Alt-Unna.

Als im März etliche Bäume entlang der B1 aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden, kritisiert die GAL den Zeitpunkt der Aktion. Die Fällung sei radikal und ohne Rücksicht auf die Brutperiode der Vögel durchgeführt worden. Anders als private Grundstücksbesitzer benötigt der Landesbetrieb Straßenbau für die Beseitigung von Bäumen keine Genehmigung der Stadt.

Am 5. März kommt die Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion Sylvia Löhrmann auf Einladung der GAL nach Unna. Thema der Diskussion sind der Schulstandort Unna und die Konsequenzen aus der PISA-Studie.

Nach der gelungenen Aktion, “Vergessene Orte” in Unna über längere Zeit mit Lichtkunst in Szene zu setzen, wünschen sich SPD und GAL eine Wiederholung dieses Projektes. Sie wollen in der Stadt einen Schwerpunkt auf das Licht als Gestaltungsmittel legen und z.B. den Turm der Stadtkirche und die Stadtmauer dauerhaft beleuchten.

Die GAL regt an, dem Fachbereich Jugend und Soziales mehr Entscheidungskompetenz über städtische Bolz- und Spielflächen zu übertragen. Ein Spielflächenbedarfsplan solle als übergreifendes Konzept aufgestellt werden.

Während sich CDU und SPD im April in der Frage über die Zukunft der Eissporthalle am Bergenkamp für das vom derzeitigen Betreiber angestrebte Ice & Fun-Konzept aussprechen, hält die GAL ein Kinder- und Trendsport-Abenteuerland für die bessere Lösung. Das Risiko durch Betriebskosten sei bei der Eishalle zu groß. Die Eismaschine sei überaltert und wegen fehlenden Geldes nicht zu ersetzen. Das Abenteuerland würde der Stadt zudem jährlich 85.400-100.000 € an Zuschüssen ersparen. Auch die Skaterplatzdiskussion wäre dann gelöst. Im Juni stimmt eine Mehrheit im Rat für den Fortbestand der Eissporthalle.

Die GAL fordert das Ende der Fachausschüsse. 1999 als Verwaltungsreformprozess gedacht, sollten sie politische Entscheidungen transparenter machen. Diese Wirkung sei verfehlt worden, statt dessen würden nun Themen in vier Ausschüssen nacheinander besprochen. Um das für 2003 angestrebte Ziel eines schlanken Ausschusssystems zu erreichen, fordert die GAL vom Verwaltungsvorstand bis zum 1. Juli einen Sachstandsbericht über die Anliegen der in der letzten Ratsperiode betriebenen Verwaltungsreform.

Im Juni fordert die GAL die längst beschlossene Markierung von Zebrastreifen für den Kreisverkehr an der Friedrich-Ebert-Straße ein, im Oktober pocht sie auf einen sicheren Überweg an der Kantstraße sowie auf eine Fußgänger-Ampel an der Kleistraße im Einmündungsbereich der Unnaer- und der Karlstraße.

Um einen Kreisverkehr an der Hammer-/Viktoriastraße zu bauen, benötigt die Stadt 280 m² des Victoria-Geländes. Die City-Gewerbecenter GmbH zeigt sich dazu “im Rahmen einer Gesamtlösung” bereit. Albert Hartmann bezeichnet diese Haltung der Investoren als Erpressung. Als CDU-Fraktionschef Manfred Wißelmann das geplante Einkaufszentrum mit einem weißen Segelschiff vergleicht, das trotz stürmischer See nun einen sicheren Hafen ansteuere und vor Anker gehen solle, kontert Hermann Strahl mit einem passenden Zitat aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill: “Und das Schiff mit acht Segeln und mit fünfzig Kanonen wird beschießen die Stadt. Meine Herren, da wird wohl Ihr Laden aufhören, denn die Mauern werden fallen hin und die Stadt wird gemacht dem Erdboden gleich…”

Am 29. Juni veranstaltet die GAL im Schalander eine Gesprächsrunde mit Claudia Roth. Uli Brinkschulte-Kunert plaudert mit der Bundesvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN über die Zeit zwischen 1977 und 1981, als sie in Unna wohnte und z.B. beim Hoffmanns Comic Theater aktiv war. Im politischen Teil fordert Roth als Vertreterin der GRÜNEN die Globalisierung der Menschenrechte und die Einrichtung von mehr Ganztagsschulen.

Am 21. August beradelt die GAL die vom Flächennutzungsplan betroffenen Bereiche Königsborns, um sich vor Ort ein Bild der Situation zu verschaffen.
JungGALierin Anne Kunert, Friedrich Ostendorff

Die CDU akzeptiert den Ratsbeschluss des vergangenen Jahres zur Schaffung einer Mobilitäts-Management-Stelle nicht und beantragt den Verzicht auf die Neueinstellung. SPD und GAL weisen darauf hin, dass die Position bereits Bestandteil des Stellenplanes sei. Im Juli wird Dörte Strübli aus vier KandidatInnen für die Stelle des Mobilitäts-Managements ausgewählt. Bürgermeister Volker W. Weidner beanstandet die Wahl und wendet sich Unterstützung suchend an den Landrat. Weidner kritisiert, dass Dörte Strübli kein technisches Studium absolviert hat, obwohl dies doch Teil des Anforderungsprofiles der Ausschreibung gewesen sei.

Am 1. September trifft sich die GAL mit Bürgern zum traditionellen Boule-Turnier auf dem Bolzplatz in Königsborn.

Die GAL spendet Unnas sächsischer Partnerstadt Döbeln 1.000 €, als diese wie viele andere europäische Städte von der Flutkatastrophe betroffen ist.

Ab sofort ist die GAL mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten: www.gal-unna.de

Vor der Bundestagswahl lädt die Jung-GAL zu einer “Grasgrünen” Wahlparty in das Atelier der Lindenbrauerei ein. Den Auftakt der Party bildet eine Diskussionsrunde mit grünen Politikern zum Thema “Warum Grün wählen?”.

Als eine Boeing 737 im Landeanflug über die Massener Sonnenschule fliegt, lösen sich einige der Dachpfannen und stürzen zu Boden. Erst vor kurzem ist die Tonnage-Begrenzung geändert worden, so dass nun auch große Düsenmaschinen am Flughafen Dortmund-Wickede verkehren dürfen. Die GAL fordert die sofortige Korrektur dieses Beschlusses und das Ende der Diskussion um eine Aufhebung der Tonnage- Begrenzung. Sie vermutet Wirbelschleppen als Auslöser des Schadens, was Vertreter des Flughafens jedoch zurück weisen. Friedrich Ostendorff, grüner Bundestagskandidat, warnt: “Wir können nicht warten, bis es Tote gegeben hat”.

Am 21. September gehen Unnaer Kinder auf musikalische Weltreise. Uli Bär von der Jugendkunstschule begleitet das von der GAL veranstaltete Kinderkonzert.

Den Ausgang der Bundestagswahl am 22. September verfolgt die GAL im Atelier der Lindenbrauerei. Anwesend ist auch Bundestagskandidat Friedrich Ostendorff, Bergkamener Landwirt, der als Achter der Landesliste nun für die GRÜNEN ins Parlament einzieht. Die GRÜNEN erhalten im Kreis Unna 7,3 % der Stimmen.

Im Rahmen der nachfolgenden Koalitionsverhandlungen für die neue Bundesregierung beschließen SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine Erneuerung des Fluglärmschutzgesetzes und damit die Verbesserung des Lärmschutzes an deutschen Flughäfen. Die bislang geltende Grenze von 75 Dezibel Dauerschallbelastung wird von Wissenschaftlern schon seit Jahren als gesundheitsgefährdend eingeschätzt.

Die Verwaltung strebt an, den Rathausplatz von jugendlichen Skatern zu befreien und sucht nach Alternativen. Der Brockhausplatz und das Schulzentrum als Standorte für einen Skaterpark können nach Meinung der GAL aber nur zweite Wahl sein. Sie schlägt vor, die Half-Pipe des Eissporthallenbetreibers dauerhaft zu mieten und im Stadtgarten aufzustellen.

Bei der Wahl zum vierten Beigeordneten im November kann sich der von der CDU aufgestellte Kandidat Uwe Kutter (SPD) mit den Stimmen der CDU und der GAL gegen den SPD-Favoriten Matthias Immick (SPD) durchsetzen. Kutter, bisheriger Sozialdezernent in Hemer, wird für die Fachbereiche Bürger und Umwelt sowie Jugend, Soziales und Wohnen zuständig sein.

Am 11. Dezember ist der Züricher Journalist Andreas Zumach auf Einladung der GAL in Unna. Der Korrespondent der UNO für Zeitungen in Deutschland, der Schweiz und Österreich referiert im Heavens über die weltpolitische Entwicklung im Hinblick auf den drohenden Angriff der USA auf den Irak und informiert die Anwesenden über den NATO-Gipfel in Prag.

Albert Hartmann bedauert die immer neuen Gebührenerhöhungen der Jugendkunstschule und wünscht sich statt dessen kreative Lösungen, z.B. die Nutzung der Räumlichkeiten durch Schulen am Vormittag.

2003

Anfang des Jahres stehen die USA vor der Entscheidung über einen Angriff auf den Irak. GAL und Jung-GAL sprechen sich wiederholt gegen einen Krieg aus und hoffen bis zuletzt auf eine friedliche Lösung. Charlotte Kunert ruft zu einer Mahnwache für den Frieden und gegen einen Krieg im Irak auf und Hermann Strahl kündigt für den Tag des Kriegsbeginnes die Öffnung des SpontUN an, um allen Menschen einen Ort zum Diskutieren und aktiv Werden zu bieten. Als die Regierung Bush am 20. März ihre Angriffe auf den Irak beginnt, legen die Fraktionen von SPD und GAL dem Rat eine Resolution vor. Der Rat soll den Krieg im Irak als aggressives und unverhältnismäßiges Mittel verurteilen und die Bundesregierung auffordern, sich gegen den Krieg einzusetzen. Schon vor der Abstimmung im Rat spricht sich die CDU gegen die Resolution aus, da das Thema Krieg zu wichtig sei, um im Rahmen einer solchen Resolution schnell abgehandelt zu werden. Schließlich nehmen die Ratsmitglieder der CDU und FDP nicht an der Abstimmung am 10. April teil, obwohl eine Stellungnahme der CDU nachträglich in den Entwurf eingearbeitet worden ist. Im November lädt die GAL den Autor des Buches “ Irak – Chronik eines gewollten Krieges” Andreas Zumach zu einem politischen Frühschoppen im Schalander ein. Zumach referiert zu der Frage “Wer löffelt die Suppe aus? Wie geht es weiter nach dem Irak-Krieg?”. Es könne kein Frieden ohne internationale Zusammenarbeit erreicht werden. Besonders die UNO-Peace-Keeping-Truppen seien zu dieser Aufgabe in der Lage. Auch die Beteiligung deutscher Soldaten sei unter bestimmten Bedingungen vorstellbar.

Ende Januar fällt der Regierungspräsident in Münster eine Entscheidung für die Erweiterung der Betriebsgenehmigung des Dortmunder Flughafens. In Zukunft sollen verspätete Maschinen bis 23 statt wie bisher bis 22 Uhr landen dürfen. Die Tonnage-Begrenzung von 75 Tonnen soll komplett aufgehoben werden. Im Mai warnt Prof. Dr. Jürgen Vollradt (CDU) seine Kollegen im Kreistag vor einem Nachlassen in der Gegnerschaft zum Flughafen. Die momentane Ruhe durch weniger Flüge sei nur vorübergehend, da durch temporäre Faktoren wie die Anschläge vom 11. September und die allgemeine Wirtschaftsflaute bedingt. Die Hochstufung zum internationalen Flughafen seitens der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Verkehrsflughäfen zeige, in welche Richtung sich der Flughafen Dortmund entwickeln werde. Erneute Dachpfannenschäden im Juni und September in der Massener Ring- und Siegfriedstraße veranlassen die Schutzgemeinschaft Fluglärm, eine Erweiterung der Schutzzone zu fordern, innerhalb derer die Anwohner Anspruch auf Klammerung des Daches haben. In beiden Fällen vermuten die Betroffenen als Ursache Wirbelschleppen durch überfliegende Großflugzeuge. Die Flughafen GmbH lehnt jede Verantwortung ab, ersetzt jedoch die entstandenen Schäden.

Postkarte der GAL gegen Victoria

Im Februar stellt Victoria-Projektentwickler Thomas Horschler wieder ein neues Konzept der Schnittger-Gruppe vor. Es beinhaltet als Hauptbestandteil einen Verbrauchermarkt mit 4.300 m² Fläche, desweiteren jeweils einen Elektro- (2.000 m²), Sport- (1.200 m²), Getränke- (800 m²), Zweirad- (750 m²) und Drogeriefachmarkt (500 m²). Auch Flächen für Dienstleistungsangebote, Gastronomiebetriebe und Büros sowie ein Medizin- und Wellness-Bereich von 2.000 m² sind vorgesehen. Dr. Wilm Schulte, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Westfalen-Mitte, lehnt diese Pläne ab. Auch das neue Konzept sei nicht wie angestrebt Innenstadt ergänzend, sondern schädigend. Die GAL begrüßt grundsätzlich das Vorankommen in der Victoria-Frage, will aber wie der Einzelhandelsverband an den im Rat beschlossenen Prinzipien bezüglich der Nutzung des Geländes festhalten. Am 10. April genehmigt der Rat das vorliegende Victoria-Nutzungskonzept unter dem Vorbehalt, dass die Umfeldgestaltung ebenfalls von den Investoren getragen wird. Diese wollen nun mit den Hauptmietern in konkrete Verhandlungen einsteigen und darauf aufbauend die endgültige Architektur des Fachmarktzentrums entwickeln. Nach einem Sommer ohne Neuigkeiten äußern die Victoria-Investoren im November unerwartet neue Pläne für die Branchenauswahl. Der Elektromarkt soll kleiner ausfallen, dafür werde es ein Schuh- (950 m²), ein Kleinmöbel- (900 m²) und ein Bettengeschäft (700 m²) geben. Der Zweiradmarkt soll auf 1.200 m² vergrößert werden. Der City-Werbering reagiert alarmiert und fordert die Einhaltung der im April gefassten Ratsbeschlüsse.

ie GAL lehnt den Bau einer Nordspange in Massen ab. Die Straße, die den aus Dortmund kommenden Verkehr um Massen herum auf die Verlängerung der Westtangente leiten soll, werde die Nord-Süd-Verbindung L 821n parallel zur Kleistraße nicht wie erwartet entlasten. Dagegen sei der im Rahmen der Nordspangen-Planung vorgesehene Umbau des Massener Hellwegs zu befürworten und solle schnellstmöglich, auch ohne den Bau der Nordspange, angegangen werden. Die GAL will den Massener Hellweg sicherer für Fußgänger und Radfahrer und unattraktiver für den Durchgangsverkehr machen.

Am 2. April ist Herbert Dörmann, Geschäftsführer der Werkstatt im Kreis Unna, im SpontUN zu Gast, um auf Einladung der GAL über die Folgen der Hartz-Gesetze zu informieren. Die GAL fragt: “Was bringt das Hartz-Paket – Genuss oder Verdruss?” Kurz darauf fordern SPD und GAL den Rat in einer Resolution für den Erhalt der Werkstatt auf, auf allen politischen Ebenen für die Rücknahme der geplanten Kürzungen zu protestieren. Die Werkstatt fördert seit fast 20 Jahren den Integrationsprozesses besonders benachteiligter Bevölkerungsgruppen in den allgemeinen Arbeitsmarkt und ist nun durch den Wegfall von Förderprogrammen der Bundesanstalt für Arbeit gefährdet.

Sommerfest in Lünern

Am 1. Juni veranstalten SPD und GAL ein Dorffest an der Lünerner Schule. “Fit in den Sommer” kommen die Besucher mit Apfelsaft aus Stockum, physiotherapeutischen Massagen, Sport- und Spielgeräten, Ponyreiten sowie einer Dorfrallye für die Kinder.

Die neue Mobilitäts-Management-Stelle sollte ursprünglich schon zum 1. Januar 2002 besetzt werden, doch nach dem Einspruch des Bürgermeisters hat die Entscheidung des Landrates in dieser Sache noch ausgestanden. Im Juni bestätigt dieser schließlich die Gültigkeit der Wahl Dörte Strüblis zur Mobilitäts-Managerin, die jedoch inzwischen nicht mehr für die Stelle zur Verfügung steht. Die GAL drängt daher auf eine sofortige Neuausschreibung, um die Stelle noch in diesem Jahr besetzen zu können.

Nachdem 1998 ein Antrag der GAL auf Verkleinerung des Rates abgelehnt worden ist, stehen nun auch CDU und FDP hinter dieser Umstrukturierung. Ein im Mai vorgelegtes Antragspaket der SPD und der GAL sieht nicht allein eine personelle Einsparung vor, sondern eine grundlegende Reform der Ratsarbeit. Die Verkleinerung dürfe aber nicht eine höhere Belastung der verbleibenden Ratsmitglieder zur Folge haben. Ebenso sei ein Verlust an Bürgernähe auszuschließen. Die beiden Parteien schlagen die Bildung einer interfraktionellen Arbeitsgruppe vor, die auf Grundlage der bei der Stadt eingeforderten Daten über die zukünftigen Wahlbezirke ein Konzept erstellen soll. CDU und FDP begrüßen den Antrag. Mitte Juni beschließt der Rat seine Verkleinerung von 50 auf 46 Sitze nach der Kommunalwahl 2004. Die Ausschüsse sollen aufgelöst und neu formiert werden, um doppelte Beratungen zu vermeiden.

Die GAL spendet 500 € an die Organisation IPPNW e. V., die irakische Ärzte und Krankenhäuser unterstützt. Der Betrag setzt sich aus dem Erlös des Verkaufs der PACE-Regenbogen-Fahnen und eigenen Mitteln zusammen.

Mit einem Mädchenaktionstag am 14. Juni im KiKuZ unter dem doppeldeutigen Motto “Schützt euch Mädels!” will die Jung-GAL Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren aufklären und stark machen. In Gesprächsrunden informieren die AIDS-Hilfe und Dr. Kruse zum Thema AIDS und Schwangerschaft. Die Jung-GAL bietet einen Schnupperkurs in Selbstverteidigung an.

Als für den Billmericher Dorfkamp im Juli ein Neubaugebiet geplant wird, appelliert Gudrun Bürhaus im Namen der GAL an das Umweltbewusstsein der Menschen. Die ökologisch wertvolle Wiese gegenüber der Liedbachschule, ein unumgehbarer Teil der Kröten-wander-Route, dürfe nicht ohne Not geopfert werden, zumal sie seit zehn Jahren in der Biotopkartierung als wichtiges und artenreiches Vernetzungselement im Biotopverbund Liedbachtal anerkannt sei. Deshalb mahnt Gudrun Bürhaus zur Rücksichtnahme auf das Biotop im Falle einer Bebauung. Auch die 50 Jahre alte Hecke sei nicht zu ersetzen und müsse trotz des Wunsches nach neuem Wohnraum Priorität haben. Im November genehmigt der Umweltausschuss die Bebauung gegen die Stimmen der GAL. NABU und GAL bewerten die verbleibende Kröten-Wanderschneise von 10-15 m Breite als nicht ausreichend und setzen nun unter anderem auf die Aufklärung der zukünftigen Bewohner über Kröten schützendes Verhalten.

Die GAL wählt im Juli Gabi Belau, Uschi Riekenbrauck, Dieter Schreiber und Sacit Soyubey als neuen Vorstand. Uschi Riekenbrauck wird als Vorstandssprecherin bestätigt.

JungGAL-Team-Tandem

Die GAL unterstützt die Einführung des schon 2000 beantragten Schülertickets, mit dem Unnaer Schüler innerhalb und außerhalb der Schulzeit für 7,70 € im Monat das umliegende Bus- und Bahnnetz nutzen können. Nach langen Diskussionen wird das so genannte Flash-Ticket im Rat angenommen, stößt aber bei vielen Eltern auf Kritik, denen der Zwang zum Erwerb der Fahrkarte nicht gefällt. Bisher ist die Beförderung der Schüler kostenlos, doch nur mit der Teilnahme aller Kinder und Jugendlichen kann der mit den Verkehrsbetrieben ausgehandelte günstige Preis ermöglicht werden. Als ein Bürgerbegehren gegen das Ticket wegen zu geringer Teilnahme scheitert, schlägt die GAL den Kompromiss einer Testphase und die anschließende Abstimmung der Bürger parallel zur Kommunalwahl vor.

Im Juli werden die Änderungen des FNP öffentlich ausgelegt. Nachdem 24 Verbände oder Nachbarstädte sowie 23 Bürger Verbesserungsvorschläge zum ursprünglichen Entwurf des FNP eingebracht haben, legt die Verwaltung nun einen in neun Punkten geänderten Plan vor.

Mitte September richtet die GAL ihr zwölftes Boule-Turnier Green Open in Lünern aus.

Nach einem tödlichen Verkehrsunfall am Kreisverkehr an der Friedrich-Ebert-Straße am 5. August fordert die GAL einen Fußgängerschutz am Kreisel. Notwendig seien deutlich sichtbare Zebrastreifen an der Friedrich-Ebert-Straße in Höhe des Café Schulte sowie an der Hansa-Straße in Höhe Haus Husemann. Auch müssten die Fahrspuren im zweispurigen Kreisverkehr markiert werden.

Als das Selmer Entsorgungsunternehmen Rethmann Ende des Jahres wegen eines Bußgeldbescheides durch das Bundesgeldkartellamt und eines Besuches der Staatsanwaltschaft öffentlich in Verruf gerät, fordert die GAL die Überprüfung der Geschäftsbeziehungen der Stadt Unna zu Rethmann. Sie sieht dies als Verpflichtung der Stadt gegenüber den Gebührenzahlern.

Zwischen den Jahren bezieht die GAL ihr neuesDomizil an der Wasserstraße 13. In das “Grüne Zentrum” zieht der Kreisverband BÜNDNIS 90/GRÜNE, die Ratsfraktion der GAL und der Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff ein. Der Jung-GAL stehen eigene Räume zur Verfügung.

2004

In Reaktion auf die NeuAnsiedlung der Billigfluglinie EasyJet in Dortmund streicht die Fluggesellschaft Air Berlin im Februar Verbindungen vom Flughafen Dortmund nach London und Zürich ersatzlos. Gudrun Bürhaus äußert sich erfreut im Namen der Flugplatzgegner und sieht die Flughafen GmbH tiefer denn je in der finanziellen Krise. Im März bilanziert Planungsdezernent Ullrich Sierau die Flugverspätungen nach 22 Uhr, wie sie seit Januar 2003 erlaubt sind. Demnach ist durchschnittlich alle drei Tage ein verspätetes Flugzeug zwischen 22 und 23 Uhr gelandet.

Der Vorschlag der GAL, einen ständigen Vertreter aus dem Kinder- und Jugendrat an den Sitzungen des Jugendhilfe-Ausschusses teilnehmen zu lassen, wird vom Landes-Innenministerium abgelehnt. Die aktive Teilnahme Minderjähriger an Ausschusssitzungen sähen die Gesetze nicht vor. Als Gäste ohne Mitspracherecht seien sie jedoch willkommen. Die einzige Möglichkeit sei, die Sitzung jedes Mal offiziell zu unterbrechen, um Jugendliche anzuhören.

Bei ihrem Neujahrsempfang am 24. Januar in den neuen Räumen in der Wasserstraße stellt die GAL ihren Bürgermeisterkandidaten Hermann Strahl der Öffentlichkeit vor. Dieser zeigt sich ermutigt durch das Vertrauen vieler Vereine und Initiativen und sagt, er wolle dazu beitragen, Unnas Politik transparenter und unbürokratischer zu machen. Traditionell ehrt die GAL bei diesem Anlass wieder Bürger mit Herz und Verstand für ihr bürgerschaftliches Engagement. Die Bienengarten-Gruppe der Peter-Weiß-Gesamtschule mit Lehrerin Jenny Planert-Fahrenhorst und Imker Peter Zimmer, der Landwirt Wolfgang Behmenberg als Initiator des Stockumer Hofmarktes sowie der sozial engagierte noch-Superintendent und baldige Präses der evangelischen Kirche von Westfalen Alfred Buß werden mit Urkunde und ökologischen Getränken ausgezeichnet.

An Karl-Heinz Albrecht wird das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Die GAL hat den Unnaer bereits 1996 als Vorkämpfer für den Naturschutz in Unna geehrt und spendet nun 100 € für den Landkauf zum Schutz von Natur und Landschaft, Albrechts Lieblingsprojekt. 33 m² können mit diesem Betrag gesichert werden.

Als die SPD einem geänderten Konzept des Investors der Victoria-Passage im Rat zustimmt, sieht die GAL darin einen Koalitionsbruch und beendet die seit 4½ Jahren bestehende Kooperation mit den Sozialdemokraten.

Anfang Juni legt die GAL die Wahlkampfschwerpunkte fest. Neben den Schwerpunkten Kultur, Jugend und Bildung setzt sich Uli Brinkschulte – Kunert dafür ein, dass aus dem noch zu bauenden Zentrum für Information und Bildung nicht ein „musealer Bildungstempel mit einem übergroßen Büro für Kulturdirektor Axel Sedlack“ werde. Ein weiteres Problem, aus Sicht der GAL, sind die Öffnungszeiten der Bibliothek, welche nur bis 18 Uhr geöffnet sein soll. Des Weiteren soll der Stadtgarten als lebendige Kulturstätte mit den traditionellen Summertime-Veranstaltungen erhalten bleiben. Die Jung – GAL hat in Zusammenarbeit mit dem Theater Narrenschiff ein Theaterstück zum Thema Drogen und Aids vorbereitet. Das Stück „Kids – for a doomed generation“ handelt von zwei Jugendlichen, die in New York der 90 er auf der Suche nach Drogen und schnellen Sex mit Jungfrauen sind. Für „politisch und provokant“ hält Anne Kunert, eine der Darstellerinnen und Sprecherin der Jung – GAL, das Stück. Da sich das Theaterstück mit dem Thema Aids auseinander setzt, werden die Erlöse der vier Vorstellungen , insgesamt 1500 €, der Aids – Hilfe gespendet.

Die Kommunalwahl am 26.09.04 ergibt folgendes Ergebnis für die GAL Unna: 13,6 % und damit sechs Sitze im neu gewählten Stadtrat. Anfang Oktober wird Albert Hartmann zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Somit ist der GALlier der Dienstälteste Vorsitzende im neu gewählten Rat der Stadt Unna. Hartmann übt dieses Amt seit 1989 aus. Zusammen mit Hermann Strahl, Gudrun Bürhaus, Udo Harder, Charlotte Kunert und Thomas Schmidt und der Geschäftsführerin Stephanie Schmidt ist das Ratsteam komplett. Der Bürgermeisterkandidat der GAL, Hermann Strahl, bekam bei der Wahl 8,6 % der Stimmen.

Im neu gewählten Rat fordert die GAL besseres Mitspracherecht für Bürgerinitiativen. Das Problem ist, dass die Bürgerinitiativen, im Gegensatz zu den Sachkundigen BürgerInnen, die von den Parteien ausgesendet werden, keine Möglichkeit haben, sich in das politische Leben zu integrieren. Hermann Strahl fordert die Gründung von drei neuen Arbeitskreisen, so dass Experten, Bürger und Politiker zusammen neue Strategien entwickeln können. Folgende Arbeitskreise sollten gegründet werden: AK Innenstadt, AK Verwaltungsreform/Bürgernähe, AK Verkehr/Parken

2005

Beim traditionellen Neujahrsempfang ehrt die GAL zum einem die ehrenamtlichen Helfer des Eine – Welt – Ladens, da durch diesen Laden laut Uschi Riekenbrauck „das Gefälle zwischen der Ersten und der Dritten Welt kleiner“ wird, und zum anderen wird Wolfgang Frenser, von dem Laudator Ulrich Brinkschulte – Kunert als Schauspieler und Ideengeber für das Kulturzentrum Lindenbrauerei und Stadtführer bezeichnet, für sein vielseitiges kulturelles Engagement geehrt. Neben den Ehrungen wurde das gute Abschneiden bei der Kommunalwahl 2004 betont. Zusätzlich wurden auch die Schwerpunkte für das laufende Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt: Die Grundschulen sollten zu offenen Ganztagsgrundschulen umfunktioniert werden und eine bessere Ausstattung erhalten. Außerdem soll das „Victoria – Problem“ endlich beendet werden und die Innenstadt gestärkt werden.

Die GAL setzt sich dafür ein, dass der Unnaer Bahnhof menschenfreundlicher verändert werden muss. Gefordert wird von Hermann Strahl, Barbara Cornelissen und Thomas Schmidt, dass es neben klarer Information auch wettergeschützte Sitzgelegenheiten geben sollte und dass es transparente Toilettenöffnungszeiten geben sollte. Dies wurde auch durch eine am Bahnhof durchgeführte Umfrage zum Thema „Schöner einsteigen, schöner umsteigen, schöner warten“ bestätigt.

Gudrun Bürhaus zieht als Landtagskandidatin der Grünen im Kreis Unna in den Wahlkampf. Zu ihren Hauptthemen gehören die Änderung der Flughafenpolitik und der Schutz der AnwohnerInnen. Außerdem liegen der GALlierin Umweltthemen am Herzen.

Im März macht Hermann Strahl offiziell, dass er im kommenden Jahr sein Ratsmandat niederlegen werde. Nachfolger Strahls im Rat der Stadt Unna wird Ismet Sacit Soyubey. Strahl selbst war dann insgesamt 15 Jahre im Rat. Ganz möchte er die Politik nicht an den Nagel hängen, denn als Sachkundiger Bürger wird er die Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr aufsuchen.

Durch den Rat der Stadt Unna wurde nun endgültig das Victoriakonzept abgeschafft. Thomas Schmidt und Hermann Strahl von dem GAL – Arbeitskreis „Schöner Handeln und Wandeln“ fordern nun eine komplette Umstrukturierung für das ehemalige Victoriagelände. Sie können sich Wohn – und Bürogebäude, ein Reserveort für den Einzelhandel und eine Indoor – Freizeitanlage vorstellen. Dafür müsste allerdings der Busbahnhof näher an den Bahnhof rücken und die Tiefgarage zum Ring geöffnet werden.

Die Jung – GAL fühlt sich von der Politik vernachlässigt, denn schon seit Jahren wird den Jugendlichen in Unna ein Skaterpark und ein Jugendcafé versprochen, doch nichts ist seitdem passiert. Nachdem der Antrag ein Jugendcafé im leerstehenden Restaurant „Himmel und Erde“ in der Lindenbrauerei zu errichten im Jugendhilfe-Ausschuss fehlgeschlagen war, fordert Jung – GALlier Eero Mollik nun, dass sich die Politik nochmals mit dem Jugendcafé und dem Skaterpark, der nun schon seit 10 Jahren versprochen wird, auseinander setzen sollte.

Die Landesregierung schafft die Grundschulbezirke ab! Die GAL kämpft in Unna mit dem Argument „Kurze Wege für kurze Beine“ für die Aufrechterhaltung der wohnortnahen Grundschule. Nicht nur das gemeinsame Lernen und das gemeinsame Freizeitgestalten fördert selbstständige und selbstbewusste Kinder.

Die GAL hat im Kulturausschuss durchgesetzt, dass es nun auch in Unna sogenannte Stolpersteine gegen das Vergessen von Opfern des NS – Regimes geben wird. Diese Messingtafeln sollen vor den Häusern jüdischer Menschen, die dort bis zu ihrer Deportation gelebt hatten, in die Erde gegossen werden.

Charlotte Kunert fordert ein Jugendcafé für Unnas jüngere Jugend. Für diese Einrichtung sollten Gelder zur Verfügung gestellt werden. Außerdem soll eine Zusammenarbeit mit dem Kinder – und Jugendbüro und dem Kulturamt stattfinden. Das bisherige Problem ist, dass keine Angebote für Jugendliche in Unna, bis auf kommerzielle Aktivitäten, vorhanden sind. Besonders schwierig wird es für die 12 – bis 16 – jährigen Jugendlichen, die nicht in Vereinen oder ähnlichem organisiert sind. Da es kein Jugendzentrum mehr gibt, haben sie keine Möglichkeit sich mit Gleichaltrigen zu treffen.

Um auf das Problem des fehlenden Jugendcafés aufmerksam zu machen, führt die Jung – GAL zusammen mit anderen Unnaer Jugendlichen eine Anschauungsdemo mit Getränken und Kicker am Tag der Ratssitzung im Rathaus durch. Es wird dringend ein Anlaufpunkt für die Unnaer Jugend gesucht. Außerdem kritisiert die Jung – GAL das Konzept des SPD – Fraktionsvorsitzenden Michael Hoffmann. Er meint, dass schon genügend Jugendtreffpunkte, wie zum Beispiel die Tanzschule Kochtokrax und das Zentrum für Information und Bildung, vorhanden seien. Dies ist für die Jung – GAL keine Lösung, da diese Angebote u. a. definitiv zu teuer sind.

2006

Beim Neujahrsempfang gibt Hermann Strahl bekannt, dass er am 6. April sein Ratsmandat an Sacit Soyubey abgeben werde. Dies soll für ihn allerdings nicht der endgültige Abschied aus der Kommunalpolitik sein, denn er möchte sich danach um die Nachwuchsförderung der Bundesgrünen kümmern. Neben den politischen Rückblicken und Vorschauen, findet auch die traditionelle Ehrung für soziales Engagement statt. Dieses Jahr wird das Team des Seniorentreffs „Fässchen – Cafeteria“ und Peter Weißenfels, der Stationsleiter des Unnaer Bahnhofs, geehrt.

Am 6. April übergibt Hermann Strahl offiziell sein Amt an seinen Nachfolger Sacit Soyubey. Strahl ist der Meinung, dass neuer und frischer Wind durch die GAL wehen müsse.

Im Mai lädt die GAL die palästinensische Christin Faten Mukarker in den SpontUN ein, um einen Vortrag über Christen als Minderheit in Palästina zu halten. Erschreckend deutlich wird, dass das Leben dort im Konfliktgebiet sehr stark eingeschränkt und menschenunwürdig ist.

Die Grünen haben vorhandene Plätze der Innenstadt und Umgebung unter die Lupe genommen und sind der Meinung, dass einiges verändert werden sollte. Auf der einen Seite wird zum Beispiel der Alte Markt mit der neuen Belebung durch das Café „Extrablatt“ gelobt, aber auf der anderen Seite müssen manche Dinge noch verbessert werden.

Nach den Sommerferien sollen laut Verwaltungsvorlage die Kindergartengebühren zwischen zehn und achtzehn Prozent steigen. Die GAL fordert diesem Antrag nicht zu zustimmen, da Familien finanziell unterstützt werden sollten und nicht die Folgen verfehlter Landespolitik ausbaden sollten.

Die GAL ist der Meinung, dass das neue Schulgesetz Chaos verbreitet. So ist es für Albert Hartmann nicht nachvollziehbar, dass die Harkortschule die Schüler nicht mehr fördern darf und dass auch das Ernst – Barlach Gymnasium keine Ganztagsschule werden darf. Darin sieht die GAL das Problem, dass u. a. benachteiligte Schüler keine Chance bekommen, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen. Ein frühes Entscheiden für die eine oder andere Schulform halten die Grünen für schwierig und verweisen auf die Erfolge von Gemeinschaftsschulen, in denen erst ab Klasse 9 über die weitere Schullaufbahn der Kinder entschieden wird.

Im Herbst fährt die GAL – Fraktion zusammen mit ihren sachkundigen Bürger/Innen zu einer Klausurtagung nach Warendorf. Hier diskutiert man mit dem Chef der Stadtwerke, Dr. Jänig, die Möglichkeiten lokaler Klimapolitik.

2007

Beim diesjährigen Neujahrsempfang werden wieder einmal Menschen für ihre soziale Arbeit gelobt. So wird Monika Muschalla und das Team der Herz – Jesu – Gemeinde Königsborn für das Kirchenasyl einer Familie geehrt. Außerdem werden Horst Altendorff und Heinz Raschke für ihr Engagement in der Sportförderung für Unnas Bürgerinnen und Bürger geehrt. Neben den Ehrungen gibt es auch einen politischen Ausblick auf das laufende Jahr: Schwerpunkte sind die Bäderpolitik, der Schulentwicklungsplan, die DHL – Ansiedlung, der Klimawandel, das Jugendcafé und die Zukunft der Sportstätten.

Nach vielen Jahren eröffnet nun im Schalander der Lindenbrauerei das Jugendcafé, welches dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 19 Uhr geöffnet sein soll. Die Jung – GAL unterstützt diese Idee, allerdings ist sie nicht von der Umsetzung begeistert, was durch eine Plakataktion an dem Eröffnungstag deutlich gemacht wurde. Es wird ein eigener Raum nur für die Jugendlichen gefordert. Für manche Jugendliche könnte es problematisch sein, dass auch ihre Eltern in dieselbe Kneipe gehen. Außerdem sollte das Café dann auch für weitere jugendspezifische Aktivitäten wie Computerparties und Konzerte genutzt werden.

Durch jahrelangen Renovierungsstau kommt es zu einem niederschmetternden Gutachten für das Freizeitbad in Unna Massen. Um eine komplette Schließung zu verhindern, fordert die GAL, das Freizeitbad Massen nur im Sommer zu öffnen und von Oktober bis April zu schließen. Das Schwimmbad am Bergenkamp sollte an den Wochenenden, morgens und in den Ferien der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Parallel dazu sollten aber auch die Lernschwimmbecken in Lünern und Massen gestärkt werden.

Die GAL erteilt dem sogenannten „Dehneprojekt“ eine Absage, denn in dem Bau einer Seniorenresidenz mit u. a. integriertem Elektrofachmarkt, wird in keiner Weise die Unnaer Altstadt – Satzung berücksichtigt. Für das Bild der Massener Straße sind die Häuser wichtige Puzzlestücke. Mit der Planung Seniorenwohnungen und Einzelhändler anzusiedeln ist die GAL einverstanden, allerdings mit der Veränderung der Gesamtwirkung der Straße, die sich durch die Masse und Höhe des geplanten Baukörpers ergibt, nicht.

Nachdem der Rat der Stadt festgelegt hat, dass die Massener Straße 20 abgerissen wird, obwohl sich viele Bürger und Politiker dagegen ausgesprochen hatten, meldet Barbara Cornelissen das Haus Nummer 20 für den Fassadenwettbewerb an. Eine Initiative zur „Rettung Unnas Altstadt“ strebt ein Bürgerbegehren an und sammelt im Sommer die dafür notwendigen Unterschriften. Wolfgang Patzkowski, Michael Sacher und Peter Möbius schaffen es die notwendigen Unterschriften zu sammeln.

Hermann Strahl äußert sich kritisch zu dem neuzubauenden Dehnekomplex, denn ein Neubau in den vorgesehenen Dimensionen würde das Stadtbild zerstören. Außerdem glaubt er nicht an die langfristige Ansiedlung von Berlet, denn auf der einen Seite ist für Berlet der Standort Zurbrüggen günstiger und auf der anderen Seite sieht er Probleme für Geschäfte wie Schnückel, Wix oder Treibel. Ein weiteres Problem tritt mit den Seniorenwohnungen auf, denn für Hermann Strahl sind 80 Wohneinheiten definitiv zu viel. Dies führt zum Beispiel auch dazu, dass die Unnaer Presse und Architekten das Ausmaß aufdeckten. Hermann Strahl lobt das Bürgerbegehren, welches sich für den Erhalt der Massener Straße Nummer 20 einsetzt.

Durch die neu aufkommenden Klimadebatten, begrüßt die GAL das Bestreben der Stadtwerke Unna, schon früh auf regenerative Energien gesetzt zu haben. Das Ziel sollte sein bis 2012 dreißig Prozent des Stadtwerkestroms aus regenerativen Energien zu beziehen. (Die Stadtwerke Unna schaffen es durch den Kauf von ausreichenden Zertifikaten an Norwegischer Wasserkraft, in Unna 100% Regenerativen Strom anzubieten.) In zahlreichen Anträgen zum Klimaschutz fordern die Grünen Richtlinien für Wärmedämmungen bei Neubauten und Schulen sollten von der Stadt die Möglichkeit bekommen auf energiesparende Geräte umzusteigen. Die GAL stellt entsprechende Anträge (zu finden unter Projekte/Anträge).

Ende November tritt auf der Mitgliederversammlung der alte Vorstand, bestehend aus Uschi Riekenbrauck, Uli Brinkschulte – Kunert, Gabi Belau-Joost und Dieter Schreiber, nicht mehr zur Wahl an. Nun soll neuer Wind durch die GAL wehen. Der neue Vorstand besteht nun aus Manfred Hartmann, Barbara Cornelissen, Gabi Belau-Joost, Klaus Koppenberg und Heribert Wiese. Anders als im alten Vorstand gibt es keinEn SprecherIn aus dem Kreis der Vorstandsmitglieder. Alle Mitglieder sind im Vorstand gleichberechtigt. Folgende Themen bleiben auch für den neuen Vorstand wichtig: das Dehne – Projekt (gegen den Totalabriss) und andere lokale Angelegenheiten, Klimaschutz, soziale Belange.

Zum Internationalen Weltklimatag am 8. Dezember organisieren die Grünen eine Busfahrt zur Demonstration am Braunkohlekraftwerk nach Düsseldorf Neurath. Es wird nachdrücklich für regnerative Energieformen und die Abkehr von veralteten Methoden wie die Braunkohleverstromung gestritten, getanzt und gesungen.