Die 1990er

1990

Am Neujahrstag unternimmt die GAL einen Friedensspaziergang zum Gelände der Patriot-Raketen in Opherdicke. Auch sonst setzt sie sich im Land- und Bundestagswahljahr immer wieder für Abrüstung und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema Wiedervereinigung ein. Hermann Strahl schreibt dazu in der GALAXIS: “In Unna: Schwerter zu Pflugscharen heißt: Kasernen zu Wohnungen! Soldaten zu Altenpflegern, Maurern und Köchen […]! Den Patriot-Hügel bewalden! Die Glückauf-Kaserne für Klein-Gewerbe! Die Hellweg für Wohnungen! Die Panzer auf den Schrotthaufen! In einer großen Umschulungsaktion wird die Linden- Brauerei fertiggestellt und die Soldaten re-zivilisiert…”

Während unter dem NRW-Umweltminister Klaus Matthiesen (SPD) landesweit der Bau von Müllverbrennungsanlagen vorangetrieben wird, kämpft die GAL für eine ökologische Abfallpolitik. Sie stellt Alternativkonzepte vor, in denen sie besonders die Notwendigkeit von Müllvermeidung und Wiederverwertung hervorhebt. Als Mitte Februar die Ergebnisse der Standortsuche für eine im Kreis Unna geplante Reststoffdeponie vorliegen, gründet sich eine Bürgerinitiative gegen eine solche Deponie in Lünern, einem der möglichen Standorte. Auch das jährliche Wochenendseminar der GAL vom 24. – 25. März in Lünen thematisiert das Abfallproblem. Die TeilnehmerInnen planen konkrete Aktionen sowie die parlamentarische Arbeit der GAL in diesem Bereich. Unter anderem soll der bundesweite Aktionstag zum Thema Müll am 28. April als Auftakt zu einer Müllvermeidungswoche dienen.

In der zweiten Januarhälfte folgen zwei Vertreter der Bauernpartei und zwölf Angehörige des Neuen Forums aus Unnas Partnerstadt Döbeln einer Einladung der GAL. Der Besuch gibt Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Austausch auf politischer Ebene. Es entsteht der Wunsch nach weiteren Kontakten und Besuchen.

In einem Leserbrief kritisiert Hermann Strahl den Umgang der anderen Parteien mit ihren Schwesterparteien in der DDR. Die BürgerInnen in der DDR sollten die Möglichkeit zur vom Westen unbeeinflussten Selbstbestimmung haben: “Ein freier Osten muss auch die Freiheit haben, ohne den freien Westen zu entscheiden…!”

Zu Beginn des Jahres protestiert die GAL gegen die von der SPD-Fraktion beabsichtigte Zuordnung der Lindenbrauerei zur Stadthallen GmbH, da diese die Bedeutung des Trägervereins auf ein Minimum reduzieren und die Verantwortung für diese kulturelle Einrichtung einem Wirtschaftsuntenehmen übertragen würde. Statt dessen regt die GAL an, ein qualifiziertes Leitungsteam mit der Ausarbeitung inhaltlicher Schwerpunkte zu betrauen. Nach über das ganze Jahr gestreckten Verhandlungen beschließt der Trägerverein einstimmig die Ablehnung des 3-Säulen-Modells (Nutzerverein, städtische Ämter und Stadthallen GmbH) von Stadtdirektor Klaus Dunker. Das Gegenkonzept des Vereins sieht vor, dass die Stadt die Brauerei dem Trägerverein in eigener Verantwortung überlässt.

Für den Haushalt der Stadt 1990 fordert die GAL eine umfassendere Förderung der Bereiche Kultur, Umwelt und Soziales sowie die Anhebung der Gewerbesteuer von 380 auf 407 Punkte.

Im März zeigt die GAL die widersprüchliche Jugendpolitik der Stadt auf: Einerseits Streichung der Zuschüsse für das Jugendzentrum Mitte, andererseits scharfes Vorgehen mit Polizeigewalt gegen in der >Innenstadt negativ auffallende Jugendliche.

Nach Vorlage eines Berichtes über die Luftqualität Unnas kritisiert die GAL die Verkehrspolitik des Rates. Das Gutachten hatte der Stadt eine ähnlich schlechte Luftqualität attestiert wie großen Ruhrgebiets-Metropolen.

Gernot Folkers, Elisabeth Höhn und Hartmut Regenstein kandidieren bei den Landtagswahlen und erhalten im Kreis Unna 5,3 % der Stimmen.

Am 14. Mai fällt eine vorläufige Entscheidung im Streit um den Abriss des SpontUN-Ladens an der Massener Straße: Der Abbruch ist beschlossen und die Mieter erhalten die Kündigung. Die GAL zieht einen Rechtsanwalt zu Rate und geht vor Gericht.

Ende Mai beschließen die TeilnehmerInnen eines GAL-Plenums die Einberufung eines ökologischen Ratschlages. Dieser soll einen verbindenden Bogen über die verschiedenen Umweltgruppen, Initiativen und Einzelpersonen spannen und eine konstruktive Zusammenarbeit ermöglichen.

Im Juli droht das in Dortmund ansässige Unternehmen Hoesch mit Verlegung ihrer Hauptverwaltung nach Süddeutschland, sollte der Landeplatz in Dortmund-Wickede nicht erwartungsgemäß ausgebaut werden. Die Gegner der Flugplatzerweiterung fürchten ein Nachgeben der Politik aus wirtschaftlichen Interessen.

Mit Förderung vom Land NRW startet Ährensache das erste Biomobil, durch das auch abgelegene Dörfer im Kreis mit ökologischen Nahrungsmitteln versorgt werden sollen.

Frühstückstafel im Museumkeller anläßlich der deutschen Wiedervereinigung

Frühstückstafel im Museumskeller anläßlich der deutschen Wiedervereinigung

Rund 200 BesucherInnen feiern am 3. Oktober im Museumskeller die Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Zu der Internationalen Frühstückstafel “Germanias Grimm und Grütze” hatten Vereine, Initiativen und auch die GAL eingeladen.

Vom 19. – 21. Oktober sind Mitglieder der Döbelner GRÜNEN bei der GAL zu Besuch. Eine Gegeneinladung wird für Frühling 1991 ausgesprochen.

Die Stadt Unna wird 700 Jahre alt. 1950, 40 Jahre zu früh, war das Jubiläum schon mit großem Aufwand gefeiert worden. 1990 findet keine offizielle Feier statt, weshalb auf Initiative von Peter Möbius ein Zusammenschluss aus Vereinen, Initiativen und der Kunstszene eine alternative Veranstaltung auf die Beine stellt. Am 17. November zieht vormittags ein großer Festumzug durch Unna, bei dem verschiedenste, durch Körperkraft betriebene, Fortbewegungsmittel zum Einsatz kommen.

 

h3y43b6tedanqo4t gbv258nwSpäter führt die 700 Jahr-Feier “UN-topia” die BesucherInnen zu einem Familiennachmittag in die Stadthalle.

Mit einer Aufsehen erregenden Flugblattaktion wirbt die GAL unter den Wehrpflichtigen, die zum Quartalsbeginn per Zug in ihre Standorte einrücken, für einen Umstieg auf den Zivildienst.

Die GAL spricht sich gegen das geplante Kamener Karree aus, ein 150.000 m² großes Gewerbe- und Vergnügungsviertel unmittelbar an der Unnaer Stadtgrenze.

Im Kreis Unna erhält Hermann Strahl als Kandidat bei der Bundestagswahl 3,9 % der Stimmen.

1991

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Im Januar spitzt sich die Golf-Krise zu, als die alliierten Truppen mit massiven Luftangriffen beginnen. Die GAL beteiligt sich aktiv an Friedensaktionen in Unna. Täglich um 18 Uhr wird am Friedensstein eine Mahnwache abgehalten. Auch nach offiziellem Ende des Golfkrieges trifft sich eine Friedensinitiative jeden zweiten und vierten Montag im Monat im SpontUN.

Nach langer, heftiger und kontroverser Debatte nimmt die GAL von nun an auch ein Büro im Rathaus in Anspruch. Der wichtigste Grund dafür ist die dadurch gegebene Nähe zur Verwaltung. Als Gegner des Rathaus-Neubaus hatte die GAL ursprünglich auf das ihr zustehende Büro verzichtet.

Im Mai fährt die GAL für einige Tage nach Döbeln und nimmt Kontakte mit Mitgliedern des “Neuen Forums” auf.

Nachdem am 17. September rechtsextremistische Gewalttäter in Hoyerswerda ein Ausländerwohnheim angegriffen haben, wird in Unna zwischen Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und anderen Gruppen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein Bündnis gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit geschlossen. Auch die GAL beteiligt sich an der Unterschriftenaktion. Zusätzlich knüpft sie im Rahmen einer Patenschaft Kontakte zu den Menschen in Unnas Ausländerwohnheimen. Die GAL setzt sich mit der öffentlichen Diskussion um eine Verschärfung des Asylrechts auseinander und lädt Roland Appel (MdL der GRÜNEN) zu einer Info-Veranstaltung ins SpontUN ein.

Mit der Öffnung des Königsborner Tores für Radfahrer wird eine alte Forderung der GAL-Verkehrspolitik umgesetzt. Andere Verkehrsprojekte, wie beispielsweise der Durchstich Hansastraße – Viktoriastraße oder ein Bebauungsplan für die Dreishofstraße, werden von der GAL weiterhin kritisiert. Ein von der GAL unter dem Titel “Es geht auch anders – Alternativen für verträglicheren Verkehr” beantragter Stand in der Fußgängerzone wird für den Ernte-Dank-Tag vom Ordnungsamt verboten. An diesem Tag stellen traditionell Unnas Auto-Händler ihre Fahrzeuge in der Innenstadt aus. Intern übt sich die GAL in “Demobilisierung”: In der GALAXIS erscheint ein Kalenderbaum, in dem für autofreie Tage Äpfel grün, für Tage an denen ein Auto benutzt wurde Äpfel schwarz ausgemalt werden können. In einer anderen Ausgabe berichtet Ursel Weißert über ihre Teilnahme an dem Modell-Versuch “50 Tage ohne Auto”, der von der Verbraucherzentrale durchgeführt wird.

In der Juni-Ausgabe der GALAXIS führt Irmgard Häussermann die Institutionalisierung der GAL als Grund dafür an, dass sich Menschen aus der GAL zurückziehen. Die GAL-Strukturen werden in der zweiten Jahreshälfte intensiv diskutiert. Ein regelmäßiger Lesekreis wird mit dem Ziel eingerichtet, andere Wege für GAL-Politik zu suchen und zu gehen. Im Dezember beschließt die GAL, zukünftig mindestens zweimal im Jahr eine Vollversammlung einzuberufen und monatlich ein offenes Treffen zwischen Fraktion, allen Sachkundigen BürgerInnen und allen weiteren Interessierten zu organisieren.

Hermann Strahl veröffentlicht eine positive Utopie für Unna im Jahr 2018: bei einem Fest auf der Hemmerder Halde wird die Erfüllung eines Kreistags-Beschlusses von 2001 gefeiert, den Kreis Unna als Modell-Projekt in eine “Reststofffreie Zone” umzuwandeln. Die Bundespräsidentin kommt eingeradelt und gießt das von der Bürgermeisterin auf der “Asche des alten Denkens” gezogene Apfelbäumchen an, mit einem Dokumentations-Video wird vorgeführt, wie seit den frühen 90ern die Wachstums- und Entsorgungskreisläufe immer schneller, weiter und breiter getrieben wurden, wie Müllhalden und Verbrennungsöfen zu Umweltverschmutzungen und Krankheiten geführt haben und doch erst sehr spät in einer dramatischen Sondersitzung des Kreistages das Modell-Projekt beschlossen wurde. Die Organisation “ Jugend forscht forsch” fordert in der Utopie ein “Totalverbot des Flugverkehrs” und die “ Wiederaufforstung des Wickeder Flughafens und des Kamener Kreuzes”.

Die GAL versucht im Schulterschluss mit den anderen Parteien und der Schutzgemeinschaft Fluglärm (SGF), einen weiteren Ausbau des Dortmunder Flughafens zu verhindern. Sie fordert den Stadtrat auf, entsprechenden Druck auf die Stadt Dortmund und die NRW-Landesregierung auszuüben.

Auf Druck der Kreistagsfraktion der GRÜNEN verhandelt die Verwaltung mit den Stadtwerken Unna über ein umweltfreundlich beheiztes Fernwärmenetz in der Innenstadt.

Im Auftrag der Stadt schreibt GAL-Mitglied Peter Möbius das Drehbuch zu “ Türmers Traum”, einem Historienfilm zu Unnas Stadtgeschichte.

Als kulturpolitischer Sprecher der GAL warnt Uli Brinkschulte im Kulturausschuss davor, dass die Sparpolitik auch vor der Kultur nicht halt mache. Er fordert dazu auf, mehr in Kultur zu investieren und nicht abzuwarten, bis der Kulturwert der Stadt sinkt.

Die Jung-GAL demonstriert am 5. Oktober durch ein Staucafé auf der Schäferstraße gegen die zunehmende Motorisierung. Obwohl der damalige Oberkreisdirektor und Polizeichef Verständnis für die Aktion zeigt, wird Jochen Nospickel wegen Nötigung angezeigt und muss sich Monate später vor Gericht verantworten.

Bei Diskussionen, bestimmte Bereiche der Stadt in eine GmbH zu überführen, warnt die GAL vor mangelnder Transparenz und einer weitgehenden Entpolitisierung. Als im Dezember die Gründung der Verkehrsbetriebe GmbH und die Zusammenfassung dieser mit der schon bestehenden Sport- und Freizeit GmbH, der Bäder GmbH und der Stadtwerke GmbH in der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Unna GmbH als Holding beschlossen werden, wird das Verhandlungsverhalten der GAL von mehreren Seiten gelobt. Am Abend zuvor war es der GAL gelungen, Nachbesserungen in Vertragsdetails durchzusetzen, die mehr Transparenz und die Absicherung gewerkschaftlich erstrittener Mitbestimmungsrechte zur Folge haben.

Zur Standortfrage der Reststoffdeponie fordert die GAL die Offenlegung der Planung und eine entsprechende Anfrage der Stadt beim Regierungspräsidenten in Arnsberg.

Drei Grün-Alternative aus Unnas Partnerstadt Aijka in Ungarn sind im Sommer in Unna zu Besuch und überraschen die GAL Unna. Sie berichten unter anderem von Hearings mit Industrie-Direktoren, mit denen sie über dringend notwendige Umweltmaßnahmen diskutieren. Die GAL nimmt den Besuch zum Anlass, über eine Verstärkung der Partnerstädte-Kontakte nachzudenken.

Anfang Dezember verlässt Uschi Riekenbrauck die GAL-Ratsfraktion. Als Vorsitzende des GAL- Vorstandes sorgt sie von nun an für Kontinuität in der Vorstandsarbeit der GAL. Udo Harder übernimmt für die GAL den freigewordenen Platz im Stadtrat. Neuer Fraktionsvorsitzender der GAL wird Albert Hartmann.

Foto alter SpontUN-Standort

Trotz Unfallhäufung an der Kreuzung bewilligt die Verwaltung die Erweiterung der Tankstelle. Die GAL-Geschäftsstelle wird abgerissen.

Foto Umzug

Umzug von der Massener Straße in den Nordring

1992

Im Rahmen ihrer Abrüstungsforderungen entwirft die GAL Zukunftsbastelbögen, mit denen sie die BürgerInnen in die Planung über die Zukunft der Kasernengelände in Unna einbeziehen will.

Am 6. Mai trifft sich die GAL zu einem Rundgang durch den Kurpark in Königsborn. Stein des Anstoßes ist die zunehmende Versiegelung durch Parkplätze und Wegbepflasterungen. Die Frage nach geeigneten Perspektiven für das bedeutenste innerstädtische Grüngebiet soll so vor Ort ins Auge gefasst werden.

In Leserbriefen spricht sich die GAL für eine autofreie Innenstadt aus, indem sie auf positive Beispiele aus größeren Städten verweist.

Das Kulturamt überlegt, Konrad Kujau, den Fälscher der Hitler-Tagebücher, als Stadtkünstler zu engagieren. Die GAL äußert Bedenken und schlägt statt dessen den Unnaer Künstler Peter Möbius vor, der schon eine Oper und einen Film für die Stadt produziert hat.

Als die GRÜNEN NRW zu einer landesweiten Müllaktionswoche aufrufen, beteiligt sich die GAL mit verschiedenen Aktionen. Insbesondere zur Vermeidung von Sondermüll im Haushalt will sie den BürgerInnen Ratschläge an die Hand geben.

Die Landesregierung kündigt die Errichtung einer Reststoffdeponie in Werl an, nachdem sie mit ihren Plänen im Kreis Unna auf heftigen Widerstand gestoßen ist. In einem Leserbrief kritisiert ein GAL-Ratsmitglied die Reaktion von CDU-Fraktions-Mitgliedern, die diese Entscheidung für Werl und gegen Unna zu kurzsichtig sähen. Die GAL lehnt jede Reststoffdeponie, unabhängig von ihrem Standort, generell ab. Die Bürgerinitiativen verfassen einen gemeinsamen “Traktat gegen die Unvernunft einer Giftmülldeponie”, der von der GAL unterstützt wird.

In einem Thesenpapier für die Herbstausgabe der GALAXIS kritisiert Hermann Strahl die Entwicklung der GAL und des SpontUN. Er erinnert an die Anfänge, als sich noch alle alternativen Gruppen und Initiativen im SpontUN trafen und eine gemeinsame grün-alternative Bewegung darstellten. Nach der Zerstreuung der Aktiven verschiedener Gruppen auf jeweils eigene Läden und Einrichtungen werde das neue, “größte, schönste, teuerste und leerste”, SpontUN nur noch von der GAL genutzt. Bei 25 Mitgliedern fragt Hermann Strahl nach der Notwendigkeit eines solchen Ladens. Er wisse aber auch, dass viele Menschen weitermachen und wieder aktiver werden wollen. So spricht er für den Buß- und Bettag die Einladung aus, bei einem Treffen die Zukunft der GAL und des SpontUN zu beraten.

Bei der Standortsuche für eine neue Bauschuttaufbereitungsanlage warnt die GAL wegen der zusätzlichen Verkehrsbelastung davor, Massen zu wählen. Da mit einer solchen Anlage weniger Müll entsteht und der Natur weniger Kies entzogen werden muss, ist die GAL grundsätzlich für die Anlage, schlägt in der Standortdiskussion jedoch den Autobahnstumpf am Industriegebiet Ost oder ein bisher als Industriegebiet vorgesehenes Gelände in Königsborn vor.

Als die Einführung des Dualen Systems für den Kreis Unna diskutiert wird, lehnt die GAL diese ab. Sie geht davon aus, dass ein bedeutender Teil des Plastikmülls im Dualen System gar nicht wiederaufbereitet wird. Alternativ fordert sie eine Abfallverwertung in eigener Regie. Diese soll über eine Einwegverpackungssteuer finanziert werden.

Plakatwand in Lünern

“Illegale” Plakatwand in Lünern

1993

Lothar Brusis

Lothar Brusis, Aktivist „Freunde für Fremde“

Das SpontUN bildet den Kontakttreffpunkt des maßgeblich von Lothar Brusis organisierten Patenkreises “Freunde für Fremde”. Die von Caritas, verschiedenen Kirchengemeinden, Pfadfindern, Schulen, Presse, Vereinen und Jugendgruppen unterstützten freiwilligen HelferInnen betreuen rund 200 Asylsuchende in Unna bei Amtsgängen, beim Formular-Ausfüllen und beim Einkaufen und führen Gespräche über das Elend, das die Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat brachte.

Im Frühling feiert die GAL ihr zehnjähriges Bestehen. Aus dem Rückblick ergibt sich auch eine Diskussion über die gegenwärtige Arbeit. Hermann Strahl regt an, das technisch gut ausgestattete SpontUN wieder stärker zum Mittelpunkt von Initiativen werden zu lassen.

Straßenplanung 1993

Straßenplanung 1993

In der Verkehrspolitik kämpft die GAL gegen den Bau einer im Rahmen der Westtangente geplanten Straßenverbindung zwischen Feld- und Hansastraße. Helmut Papenberg zeigt in einem Leserbrief auf, dass die Stadtverwaltung verkehrspolitische Alternativen der Umweltschutzgruppe (UGU) und der GAL oft zunächst “kaputtgutachtet” und erst Jahre später zu höheren Kosten dann doch aufgreift. Hermann Strahl bittet die “herrschende Betonfraktion” in der Presse, die Planierraupen für 200 neue Parkplätze in der Innenstadt vor den Wahlen nicht mehr zu bestellen, da die autofreundliche Politik den Haushalt unnötig weiter belaste, die Lebensqualität der Innenstadt beeinträchtige und mögliche Fördermittel des Programms “Fahrradfreundliche Stadt” gefährde.

Die GAL und der Kreisverband Unna der GRÜNEN setzen sich weiter gegen einen Ausbau des Dortmunder Flughafens ein. Die wahre Zielsetzung des Ausbaus seien Touristikflüge in größeren Maschinen und dadurch Einkünfte für die Stadt Dortmund. Ökologische Denkansätze in Teilen der SPD wie in Dortmund-Brackel, Dortmund-Aplerbeck oder Unna- Massen würden durch emotionsgeladene Äußerungen des NRW-Umweltministers Matthiesen im Keim erstickt.

Im Rahmen der Umgestaltung der Fußgängerzone läßt die Stadtverwaltung im Juli gesunde Bäume in der Massener Straße fällen. Hartmut Bansi verurteilt in einem Leserbrief die politische Vorgehensweise. So habe es im Vorfeld keine öffentliche Diskussion gegeben und ein am Tag der Aktion eingegangenes Schreiben des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen mit aufschiebender Wirkung sei nicht beachtet worden.

Nach vier Monaten mehr oder minder öffentlicher Debatte rund um seine Person zieht Herrmann Strahl im März trotz guter Chancen seine Bewerbung um die Stelle des ersten Seniorenbeauftragten der Stadt Unna zurück. Bei dem von der SPD geführten Gezerre der vergangenen Monate sei es nicht um Inhalte, nur um Taktik gegangen.

Ein vom Kulturamt vorgeschlagenes Konzept, in Unna eine Sommerakademie für junge, professionelle europäische Theaterschaffende durchzuführen, wird von Unnaer KünstlerInnen und der GAL abgelehnt. Das “theatrium”-Projekt sei bereits in Menden gescheitert und für Unna nicht wie angekündigt überarbeitet worden. Zudem seien die ansässigen KünstlerInnen nur als Hilfskräfte vorgesehen. Auch die Finanzierung des 600.000 DM teuren Festivals stellt die GAL in Frage. In einem Leserbrief bedauert Peter Möbius, dass durch die schlechte Planung und schlampige Kalkulation seitens der Kulturverwaltung der Schwung einer an sich guten Idee zum Stillstand gebracht worden sei.

Die GAL zieht in ein neues SpontUN in der Hertingerstraße 47 um.

50 Jahre nach der Auslöschung der Unnaer jüdischen Gemeinde schlägt die GAL vor, einige Straßen in Unna nach jüdischen Opfern der nationalsozialistischen Herrschaft umzubenennen.

Amnesty International trifft sich regelmäßig im SpontUN und hält im Volkshochschulgebäude Vorträge über Menschenrechtsverletzungen.

Die GAL kämpft weiter gegen die Einrichtung einer Bauschuttaufbereitungsanlage in Massen und fordert statt dessen einen Ortsteil-Entwicklungsplan zur Schaffung eines Ortskernes, zur Verbesserung der Schulsituation und zur Beseitigung der massiven Verkehrsprobleme.

Gegen den Widerstand der GAL wird in Unna das Duale System eingeführt. Die GAL kritisiert erneut, dass die Verpackungsabfälle nicht wirklich wiederverarbeitet würden. Außerdem weist sie darauf hin, dass der Geschäftsführer der neuen Entsorgergesellschaft des Kreises Unna ein Jahresgehalt von 200.000 DM erhalte. Der Verbraucher zahle dies mit seinen Müllgebühren und dem Geld, das ihm die Verpackungsindustrie für das Zeichen “ Grüner Punkt” aus der Tasche ziehe.

1994

Von diesem Jahr an ehrt die GAL jedes Jahr Menschen, “die schon immer ohne Rampenlicht Dinge tun, die wir schon immer für wichtig halten”. „Mit Herz, Hirn und Courage lässt sich UNmögliches erreichen“ ist die Botschaft des zauberhaften Märchenlandes Oz, das jenseits des Regenbogens liegt. Die Botschafter des Zaubers von Oz sollen andere Menschen zu vielfältigem Engagement ermuntern. Die ersten Ehrungen zeichnen Bärbel Holtmann für die bürgerfreundliche und kompetente Führung des Ratsbüros sowie Stephanie Droste für die erfolgreiche Neuordnung der Verbraucherzentrale aus.

Wahlplakat 1994

Wahlplakat 1994

Wahlfest 1994

Wahlfest an der Stadthalle

Zur Kommunalwahl gibt die GAL Flugschriften heraus, in denen sie sich vorstellt und ihre Positionen darlegt. Sie erinnert daran, dass die Stadt den BürgerInnen gehöre und ruft zu mehr Mitbestimmung auf. Der Wohnungsmarkt, die Verkehrssituation und die Finanzlage der Stadtverwaltung sind drei der Themen, die die GAL mit der Bevölkerung erörtern will. Die für Unna diskutierte Dezentrale Ressourcenverwaltung, das sogenannte Tillburger Modell, wird von der GAL kritisch gesehen, aber mit großer Sympathie. Sie fordert für die Zukunft die konkrete Möglichkeit der BürgerInnen, Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen zu können.

Im Kreis Unna erhält Friedrich Ostendorff als Kandidat bei der Bundestagswahl 6,5 % der Stimmen.

Das Ergebnis der Kommunalwahl beträgt für die GAL 11,97% der Stimmen. Damit erhält die GAL 6 Sitze im Stadtrat. Die SPD erhält 47,85%, die CDU 36,00% und die FDP 4,17% der Stimmen.

Nach der Wahl scheidet Dietlinde Olgemann aus der GAL- Ratsfraktion aus. Astrid Lohmann und Hermann Strahl werden als Neu- bzw. Wiedereinsteiger GAL- Ratsmitglieder. Dr. Hartmut Bansi, Uli Brinkschulte-Kunert, Albert Hartmann (als Fraktionsvorsitzender) und Udo Harder bleiben weiterhin für die GAL im Stadtrat tätig.

Uli Brinkschulte-Kunert wird für die GAL Vorsitzender des Umweltausschusses im Rat der Stadt Unna. Im Rahmen eines Initiativen-Teffens im Atelier der Lindenbrauerei ehrt die GAL im April Barbara Engljähringer von Amnesty International und Lothar Brusis vom Patenschaftskreis “Freunde für Fremde” mit dem Titel “Ambassadeur von Oz” für besonderes bürgerschaftliches Engagement.

Ehrung von Gabi Müller-Vorholt

Ehrung von Gabi Müller-Vorholt

Im selben Jahr wird auch Gabi Müller-Vorholt für ihr Engagement in der Tschernobyl-Opfer-Hilfe geehrt, die jährlich Kindern aus dem betroffenen Gebiet einen erholsamen Aufenthalt frei von schädlicher Strahlung ermöglicht.

Michael Griesohn weist in einem Leserbrief darauf hin, dass das neu ausgewiesene Stück Fußgängerzone an der Post auch weiterhin von Autos genutzt wird. Der zumindest vormittags erlaubte Lieferverkehr beschädige zudem das neue, empfindliche Straßenpflaster.

Peter Möbius kritisiert Jugendpolitiker, die eine große Disco am Stadtrand einrichten lassen wollen, um die Stadt von den Ruhestörungen Jugendlicher zu befreien: “Bevor unsere senilen Jugendpolitiker darauf kommen, ein generelles Zeugungsverbot zu erlassen, das langfristig alle Kosten und Probleme mit der ortsansässigen Jugend aus der Welt schafft, könnten sie doch – als Zwischenlösung – einen Rattenfänger anheuern. Der lockt mit seinen Flötentönen, wie weiland in Hameln an der Weser, alle Kinder und Jugendlichen auf Nimmerwiedersehen fort.”

Die Stadt hatte angekündigt, nur ein Drittel der Kosten von 600.000 DM für das Theaterforum Theatrale (vormals theatrium) werde die SteuerzahlerInnen belasten. Die GAL ist hingegen der Meinung, auch darüber hinaus finanzierten hauptsächlich die BürgerInnen das Großprojekt, z.B. über die Förderung durch das Land NRW. Gelder unternehmerischer Sponsoren gingen zudem Projekten mit stärkerem Stadtbezug verloren. Peter Möbius hinterfragt in einem Leserbrief die widersprüchliche Situation, dass der Stadtkünstler-Vertrag des Theatrale-Intendanten Walter Hollender schon im Juni, also vor Stattfinden der Veranstaltung, endet.

Im Juli gibt die SPD, für die Opposition unerwartet, eine Bebauungsvoruntersuchung für die Osttangente durch die Uelzener Heide in Auftrag.

Im Zuge der Wahlen am 16. Oktober wird Elisabeth Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) wieder in den Kreistag gewählt, nimmt ihr Mandat aber nicht an.

1995

Die GAL ehrt Matthias Ringel und Edwin Illian als Sprecher der Bürgerinitiativen gegen eine Sondermülldeponie in Hemmerde.

Als für den Lünerner Bach, das Dorf Kessebüren und die Uelzener Heide Bauprojekte diskutiert werden, kritisieren Uli Brinkschulte-Kunert und Hermann Strahl, dass die Projekte ohne Stadtentwicklungskonzept angeschoben würden und dass ökologische Gesichtspunkte, wie zum Beispiel eine großzügige Abstandsfläche zum Bachufer, keine Berücksichtigung fänden.

Nachdem das Landesstraßenbauamt ein Konzept der CDU zur Verkehrsführung in der Innenstadt als undurchführbar bezeichnet hat, warnt Hermann Strahl in einem Leserbrief davor, das Konzept weiter zu verfolgen. Für das Projekt müssten Unnas Bürger dann auch noch Durchführungskosten zahlen. Der beschlossene ÖPNV-Beirat, der überlaufende Drahteselmarkt und das von der Verbraucherzentrale angebotene Autoteilen seien kostengünstigere und zukunftsträchtige Wege der Verkehrs-Problemlösung.

Nachdem in den Berichten einer Lokalzeitung zum Thema Verkehr Radfahrer gänzlich außer Acht gelassen worden sind, macht Ralf Beckmann (GAL) darauf aufmerksam. Obwohl Unna seit Herbst 1993 Mitglied im Förderprogramm “ Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden NRW” sei, hätten sich neben dem verhaltenen Vorgehen der Stadt selbst auch andere Bereiche des öffentlichen Lebens bisher nicht besonders durch Fahrradfreundlichkeit ausgezeichnet. Eine Zeitungsredaktion sei gefordert, gleichwertig zu berichten, so dass sich alle Verkehrsteilnehmer in der Berichterstattung wiederfinden könnten. Entgegen den vor Windschutzscheibenperspektiven strotzenden Ausführungen der Zeitung hätten in der Innenstadt vorgenommene Maßnahmen die Situation für Radfahrer und Fußgänger verbessert.

Landtagswahlkampf NRW mit GAL Unna 1995

Veranstaltung mit Joschka Fischer in der Kamener Stadthalle

Im Landtagswahlkampf beteiligt sich die GAL an einer Veranstaltung mit Joschka Fischer in der Kamener Stadthalle.

Ursula Weißert, Andreas Schulze und Uli Brinkschulte-Kunert kandidieren bei den Landtagswahlen und erhalten im Kreis Unna 8,9 % der Stimmen.

 

In Leserbriefen fragt Charlotte Kunert nach den Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche in Unna. Nachdem Jugendzentren und Rockpoint geschlossen worden sind, tddfz0ysunterstützt sie das Vorhaben eines kommerziellen Anbieters, welcher im Gebäude der ehemaligen Klems-Bäckerei an der Hansastraße eine Disco errichten will. Das Vorhaben wird nach massiven Anwohnerprotesten vor den im Mai anstehenden Landtagswahlen abgelehnt. Im Oktober fordert Charlotte Kunert die Stadtverwaltung auf, Verantwortung zu übernehmen und den Anbieter – wie ursprünglich zugesichert – bei der Suche nach einem neuen Standort zu unterstützen.

Michael Griesohn-Kluth verteidigt die Neuordnung der Abwassergebühren unter Zugrundelegung versiegelter Flächen durch die Stadt Unna: “Es geht doch nicht, dass die Abwassergebühr eines Einkaufszentrums mit riesiger Fläche und den damit enormen Abwassermengen nach Frischwasserverbrauch berechnet wird, der verschwindend gering ist. Und wer nun seinen Garten kacheln und mit Beton zugießen will, dem kann man dieses nicht verbieten. Zahlen sollte er aber für den Schaden.”

Charlotte Kunert weist darauf hin, dass es in der Innenstadt kaum Spielflächen für Kinder gibt. Unna mache sich das Gütesiegel Kinderfreundlichkeit nur auf dem Papier zum Aushängeschild. Bei Investitionen für Kinder dürfe die Stadt nicht weiter sparen.

Detlef Knauer (GAL) spricht sich gegen den geplanten Abriss des Hauses Düllberg aus. Der Erwerb des schönen, gut erhaltenen Hauses und Gartens für schätzungsweise mindestens eine Million DM, um sie dem Fetisch Auto, sei es für Straßenbau oder für Parkplätze zu opfern, sei ein Skandal. Statt in der ohnehin stickigen und baumarmen City wieder ein kleines Stück Grün mit einem netten kleinen Haus spurlos verschwinden zu lassen, sollte die Autofahrermehrheit im Stadtrat endlich den Mut zu einer zeitgemäßen Verkehrspolitik haben: konsequente Sperrung der Innenstadt für den Autoverkehr.

Nachdem der städtische Schwimmunterricht für sechs- bis zehnjährige Kinder gestrichen worden ist, warnt Charlotte Kunert vor weiteren Kürzungen, etwa beim Seniorenschwimmen. Hinter den allmählichen Einsparungen stehe das Ziel, das Lehrschwimmbecken irgendwann ganz zu schließen.

Mit Hilfe von Zuschüssen aus dem Programm für Regenerative Energien installiert Michael Griesohn-Kluth die erste Solaranlage, die an das Stromnetz der Stadt Unna angeschlossen ist. Bei schlechtem Wetter lässt sich Strom von den örtlichen Stromlieferanten beziehen, bei Überschuss fließt der Öko-Strom ins öffentliche Netz. Michael Griesohn-Kluth bezeichnet allerdings den Preis, den die Stadtwerke für den Öko-Strom bezahlen, als viel zu niedrig. Erst wenn etwa das Siebenfache bezahlt würde, ließen sich die Kosten für die 36.000 DM teure Anlage in rund 25 Jahren wieder reinholen.

1996

Ehrung von Barbara Cornelissen und Karl-Heinz Albrecht

Bei ihrem Neujahrsempfang ehrt die GAL Barbara Cornelissen, die sowohl im Heimatverein als auch in der Stadtkräuter gartengruppe und für die evangelische Kirche aktiv ist. Karl-Heinz Albrecht wird für seinen Einsatz für den Erhalt der Landschaften in und um Unna geehrt.

Auf Einladung der GAL kommt Gisela Nacken, GRÜNEN-Landtagsfraktionsvorsitzende und langjährige Flughafengegnerin, zu einem Gespräch mit VertreterInnen aller Parteien sowie verschiedener Bürgerinitiativen ins Kolpinghaus. Das Thema des Abends ist die geplante Unterstützung des Flugplatzausbaus in Dortmund-Wickede durch die rot-grüne Landesregierung im Umfang von 20 Millionen DM.

GAL bei Demo in Düsseldorf

Charlotte Kunert und Astrid Lohmann demonstrieren in Düsseldorf

Der Koalitionsvertrag zwischen SPD und GRÜNEN untersagt ausdrücklich Ausbaumittel für Regionalflughäfen. Intern setzt sich sie GAL mit der Frage auseinander, ob die Missachtung des Vertrages zu einem Ausstieg der GRÜNEN aus der Koalition führen soll. Die Mehrheit befürwortet den Bruch, da besonders in der Verkehrspolitik keine Wende abzusehen sei. Auf dem GRÜNEN-Parteitag in Hamm am 16. März wird jedoch die Fortsetzung des Bündnisses mit der SPD beschlossen. Als Zeichen ihrer Verbundenheit mit allen Flugplatzgegnern ehrt die GAL Ursula Wirtz, Vorsitzende des Bündnisses gegen den Flughafenausbau.

GAL-Ratsmitglied und Aufsichtsrat der Stadtwerke, Uli Brinkschulte-Kunert, äußert sich in einer auch in Unna erscheinenden Dortmunder Zeitung kritisch in Bezug auf Stadtdirektor Klaus Dunker (SPD). Er fragt, wer im Rathaus schon auf der Gehaltsliste der VEW stehe und wirft Dunker geschäftsschädigendes Verhalten gegenüber den Stadtwerken vor. Bürgermeister Wilhelm Dördelmann (SPD) sieht in diesen Äußerungen die Bezichtigung der Korruption und spricht von ungeheuerlichen Anschuldigungen und strafwürdigen Vorwürfen. Brinkschulte-Kunert wird zu einer Entschuldigung aufgerufen, nimmt seine Kritik jedoch nicht zurück.

Bei der Veranstaltung “ Frieden schaffen mit Militär?” am 21. Februar im SpontUN gibt Winni Nachtwei, MdB und Mitglied des Verteidigungsausschusses für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus Münster, Einblick in die nicht-militärischen Möglichkeiten der Friedenssicherung, z.B. die Arbeit der OSZE.

Die GAL kritisiert die Haltung der Stadtverwaltung, nach der die BürgerInnen immer mehr Sparmaßnahmen in Kauf nehmen müssten, während im Rathaus Geld unnötig ausgegeben werde.

Nach einer Pause gibt die GAL ab April wieder die GALAXIS-Zeitschrift heraus. Sie erscheint nun drei bis vier mal im Jahr und wird hauptsächlich von Gudrun Bürhaus und Hermann Strahl herausgegeben. Das Layout gestaltet zeitweise Werner Wülfing.

In Reaktion auf die Wachstumsprognose eines empirica-Gutachtens für Unna gründet die GAL eine Arbeitsgruppe “Unna – 2010”, um die vorausgesagte Stadtentwicklung mit den BürgerInnen zu diskutieren und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Das Gutachten sagt für das Jahr 2010 eine Bevölkerung von 71.100-77.400 EinwohnerInnen voraus. Die GAL wünscht sich ein behutsames Wachstum; mehr eines der Qualität als der Quantität.

Nachdem der Rat die Schließung aller vier Lehrschwimmbecken beschlossen hat, besetzen 300 Schwimmfreunde verschiedener Vereine, Schulen und Kindergärten kurz vor Beginn der Ratssitzung die Plätze im Ratssaal. Sie fordern die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung zur Erhaltung wenigstens eines Teils der Becken sowie eine realistische Betriebskostenaufstellung seitens der Stadtverwaltung. Die GAL wirft der Verwaltung vor, bewusst die nötigen Daten und Fakten zurückzuhalten und so eine Übernahme durch Trägervereine zu verhindern. Letztlich gelingt es noch, die Schließung abzuwenden.

Mitglieder der GAL fahren auf Einladung der Partei Groenlinksaf nach Waalwijk. Bei einem Gegenbesuch im Juni unternimmt die GAL mit ihren Gästen eine Energiewende-Radtour zu entsprechenden Standorten in Unna. Besonders der Umweltladen und das Bürgerwindrad finden das Interesse der WaalwijkerInnen.

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Vom 29. Mai bis zum 10. Juni ist im SpontUN eine Ausstellung der GRÜNEN NRW zum Thema Tschernobyl zu sehen.9v7tax5c

Am 12. Juni kommt erneut Gisela Nacken zu einer Diskussion nach Unna. Vor der Veranstaltung in der Lindenbrauerei demonstrieren FlugplatzgegenerInnen vor Ort in Wickede.

 

Auf die nur auf finanzielle Erträge ausgerichtete Bebauungsplanung rund um den Kurpark in Königsborn reagiert die GAL mit einem eigenen Rahmenkonzept. Darin strebt sie eine umwelt- und sozialverträgliche Umgestaltung unter Berücksichtigung der Belange der betroffenen BürgerInnen an.

Im Oktober schließen die Städte Unna und Pisa (Italien) Partnerstadtverträge ab. Pisa ist die fünfte Partnerstadt Unnas.

Am 10. November demonstrieren am Flugplatz Wickede rund 1500 Menschen gegen eine Erweiterung der Landebahn von 1050 auf 1450 m.

Mit einer gegen die Stimmen der GAL im Rat verabschiedeten Veränderungssperre versucht die Stadt, das von dem Verein “Sanfte Energien” geplante dritte Windrad auf dem Ostenberg in Billmerich zu verhindern. Statt dessen soll ein Gebiet zwischen Lünern und Fröndenberg für einen Windpark von maximal 18 Windrädern und einem Investitionsvolumen von etwa 60 Millionen DM ausgewiesen werden. Die GAL weist auf die Aussage einer Richterin des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen hin, nach der es keine juristischen Einwände gegen ein drittes Windrad gebe.

Die Pichler-Gruppe aus München, Besitzerin des Harger-Zentrums am Königsborner Tor, hat sich verspekuliert und will nun zur Zinssicherung neue, größere Geschäfte ansiedeln. Die GAL hatte schon der Errichtung des Komplexes als einzige Fraktion nicht zugestimmt, weil sie die Schwierigkeit eines Nebeneinanders von Innestadthandel und Harger-Zentrum vorausgesehen hat.

1997

Im Dezember 1996 hatte die Verwaltung für die Stadtbücherei Kürzungen im personellen Bereich und bei den Öffnungszeiten angekündigt. Der jährliche Zuschuss sollte fast um die Hälfte beschnitten werden. In einer umgehend organisierten Aktion konnten in kurzer Zeit mehrere Tausend Unterschriften gegen diese Pläne gesammelt werden. Die Leiterin der Bücherei, Frau Kohlmeyer, unterstützte den Protest mit konkreten Zahlen, die sowohl die Attraktivität der Einrichtung wie auch die personelle Auslastung der MitarbeiterInnen belegen konnten. Im Januar lädt die GAL zu einem Diskussionsabend in die Lindenbrauerei ein. Der Leiter der staatlichen Büchereistelle in Hagen, Herr Traub, warnt vor Einsparungen. Schon jetzt sei Unnas Bücherei im Vergleich mit ähnlichen Medienzentren als unterdurchschnittlich zu bewerten. Im März gründet sich ein Initiativkreis “ Bürgerbegehren Stadtbibliothek”. Die Mitglieder fordern einen festen Medienetat von 150.000 DM pro Jahr im Haushalt der Stadt und die Beibehaltung der Öffnungszeiten von 35 Wochenstunden. Sie kritisieren die Höhe der geplanten Nutzungsgebühr von 30 DM jährlich und weisen darauf hin, dass bereits schon ein Viertel der Stellen abgebaut worden sei. Im Falle der Durchsetzung des Einsparungsvorhabens im Rat werde der Initiativkreis mit einem Bürgerbegehren reagieren.

Die GAL ehrt Rolf Linden, der in Hemmerde das erste private Kleinst- Blockheizkraftwerk errichtet hat, in dem aus Rapsöl und Holzschnitzen Wärme und Strom für den angrenzenden Wohnpark erzeugt werden. Auch die Stadtwerke werden ausgezeichnet. Als erstes Unternehmen der Region haben sie das Öko-Audit-Zertifikat erhalten. Die Urkunde nimmt der Prokurist der Stadtwerke Jürgen Bockermann entgegen.

Im Januar stellt der Werner Künstler Friedrich Wilhelm Schulz Landschaftsbilder im SpontUN aus.

Im Monat darauf sind im SpontUN Malerei und Zeichnung der Künstlerin Bettina Dellwig zu sehen.

Die GAL- Fraktion bemängelt den Informationsfluss im Rathaus. Die SPD setze in wichtigen Angelegenheiten, z.B. der Bücherei, immer wieder zuerst die CDU in Kenntnis. Die Fraktion der GAL sei wiederholt nicht fristgerecht oder erst auf Nachfrage informiert und dadurch an einer ausreichenden internen Erörterung gehindert worden.

Uli Brinkschulte-Kunert, Umweltausschuss-Vorsitzender, kritisiert die Tatenlosigkeit der Stadt in Sachen Klimaverbesserung. Millionenpralle Fördertöpfe von NRW und EU würden nicht in Anspruch genommen, obwohl Unna dem Klimabündnis der Städte angehöre und schon vor einem Jahr auf Anregung der GAL eine Energiekommission gegründet worden sei. Von den Stadtwerken fordert Brinkschulte-Kunert ein Förderprogramm für innovative Energieprojekte in Höhe von ein bis zwei Prozent ihrer Einnahmen (rund 500.000 DM jährlich).

Die GAL sieht die Grenzen des Wachstums in den Bezirken Innenstadt, Massen und Königsborn bereits erreicht und überschritten. Von 1980 bis 1995 sei Unna um 13,5% gewachsen (NRW um 4,4% und der Kreis um 8,4%). Eine im letzten Jahr prognostizierte Einwohnerzahl von über 70.000 sei nicht wünschenswert. Bis zum Sommer will die GAL Ortsteilkonzepte entwickeln und fordert die BürgerInnen auf, sich in dieser Frage einzumischen.

Ehrung der GAL 1997

Uli Brinkschulte Kunert und Gudrun Bürhaus ehren Jürgen Düsberg und Helmut Papenberg

Die GAL fordert von der Stadt die Beibehaltung ihrer klaren Gegnerschaft zur Landebahnerweiterung am Wickeder Flugplatz und daraus resultierend eine Klage gegen die Genehmigung des Ausbaus. Nach der Offenlegung der reinen Touristik-Pläne durch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Flughafen GmbH, Ernst Prüsse, lehnt der Kreistag die Erweiterung einstimmig ab. Im Rahmen eines Gesprächsabends über den Fluplatzausbau werden im August Pfarrer Jürgen Düsberg und Helmut Papenberg stellvertretend für das Aktionsbündnis gegen den Flugplatzausbau von der GAL geehrt. Zusätzlich zur obligatorischen Urkunde und einer Flasche Öko-Sekt bekommen beide noch einen Flugbesen mit grüner Schleife überreicht. Mit diesem ökologisch unbedenklichen Fluggerät aus nachwachsenden Rohstoffen könne der Flugplatz problemlos und ohne Treibstoff angesteuert werden.

Die von der GAL von Anfang an bezweifelte Mitfinanzierung des neuen Rathauses über Mieteinnahmen aus Ladenlokalen im Erdgeschoss geht nicht auf. Ein häufiger Mieterwechsel und diverse Leerstände machen eine solide Finanzplanung schwierig.

Im Frühling referiert Wolfang Belitz vom Haus Villigst auf Einladung der GAL über Neoliberalismus.

Am 18. März veranstaltet die GAL in der Gaststätte im Bahnhof eine Diskussionsrunde zu Erwartungen an eine humane Drogenpolitik. Als Experten eingeladen sind der Grüne Landtagsabgeordnete Daniel Kreutz, Polizeichef Hans-Werner Kuhleber und Roland Lutz von der Anonymen Drogenberatung Unna. Der Abend beginnt mit einer Besichtigung der Räume des Drogenhilfeprojektes LÜSA an der Platanenallee. Im Laufe der Diskussion kommt auch die Forderung nach Legalisierung bzw. kontrollierter Abgabe bislang illegaler Drogen zur Sprache.

GAL 1997

Gabriele Belau auf dem Plattbodenschiff

Vom 23.-25. Mai sind Mitglieder und Freunde der GAL mit einem Plattbodenschiff auf dem niederländischen Ijsselmeer unterwegs.

Am 18. Juni wählt die GAL Gabi Belau, Gudrun Bürhaus und Uschi Riekenbrauck als neuen Vorstand. Erich Lohmann wird als Kassenführer eingesetzt.

Die GAL unterstützt den Protest der BürgerInnen gegen ein geplantes Großbauprojekt an der Berliner Allee in Königsborn. Der Kurpark soll erheblich beschnitten werden, um Platz für rund 300 neue Wohneinheiten zu gewinnen. Im Mai richtet die GAL auf dem Bolzplatz an der Berliner Allee ein Boule-Turnier aus, um auf die Notwendigkeit solcher Freizeit-Flächen hinzuweisen.

Im August ergeht ein schriftliches Urteil des Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen, dass die Stadt das dritte Windrad auf dem Ostenberg in Billmerich nicht verhindern kann. Die Stadt stellt daraufhin einen Antrag auf Zulassung der Berufung. Die GAL warnt, dass ein Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht eine jahrelange Verzögerung bedeuten könnte, die Kreditzusage der finanzierenden Bank jedoch nur bis 1998 gelte. Der GAL nach sei an dem fraglichen Standort Platz für insgesamt fünf Windkraftanlagen.

Die City-Gewerbepark GmbH will auf dem zuvor erworbenen Westebbe & Weispfennig-Gelände zwischen Viktoria- und Hammer Straße entgegen ihrer ursprünglichen Absicht ein Einkaufszentrum mit verschiedenen Einzelhandels-Branchen errichten.

Charlotte Kunert wiederholt die schon 1993 von der GAL gestellte Forderung, Straßen in Unna nach BürgerInnen zu benennen, die unter dem Regime der Nationalsozialisten gelitten haben. Sie schlägt vor, Namen von lebenden Personen zu wählen: “Ehren kann man Verstorbene, rehabilitieren nur die Lebenden!”. Die bisherige Umbenennung kleiner Straßen sei nicht ausreichend.

Nachdem im Kreis Unna die Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft (V+B) als Finanzholding gegründet worden war, um die Kreisinteressen bei der Übernahme der Hammer Müllöfen zu wahren, wehrt sich der Fraktionschef der Kreisgrünen Friedrich Ostendorff im Oktober dagegen, unter dem Dach der V+B eine Transport- und Logistikfirma entstehen zu lassen. Ziel des Vorhabens sei es, die Bedeutung der Abfallgesellschaft GWA schrumpfen zu lassen, um den Einfluss des daran beteiligten größten heimischen Entsorgungsunternehmens Rethmann zu schmälern. Der Konsens aller Parteien in Sachen MVA-Übernahme sei durch eine schnelle Ausweitung der Holding-Aufgaben gefährdet.

Foto Demo GAL Unna 1997

Demo gegen das öffentliche Gelöbnis im Herderstadion

Am 22. Oktober zelebriert die Bundeswehr ein öffentliches Gelöbnis im Herderstadion. Schon im Vorfeld hat es dazu eine heftige Debatte in der Bevölkerung gegeben. Die GAL verurteilt in einem offenen Brief die Nutzung schulischen Raumes für eine derartige Veranstaltung. SPD-Fraktionschef Michael Hoffmann rügt die GAL für diese Haltung. Sie müsse den Ratsbeschluss akzeptieren und solle ihre Haltung zur Bundeswehr grundsätzlich überdenken. Als auch die Schulkonferenz der Peter-Weiß-Gesamtschule das öffentliche Gelöbnis ablehnt, erntet sie scharfen Protest von allen übrigen Parteien. Während des von der Polizei streng abgeschotteten Gelöbnisses werden schließlich elf Personen in Gewahrsam genommen und über mehrere Stunden festgehalten. Eine am Abend angesetzte Diskussionsveranstaltung der GAL zum Thema “Auslaufmodell Wehrdienst” mit Winni Nachtwei (MdB und Mitglied im Verteidigungsausschuss der GRÜNEN) und Oberst Stolzmann artet zum Ende hin in unfaire Polemik aus. Charlotte Kunert bedauert später in einem Leserbrief, die Bundeswehr habe die Chance der offenen Darstellung und Diskussion mit dieser Veranstaltung vertan. Zum Bundeswehr- Gelöbnis hält der GAL- Fraktionssprecher Albert Hartmann bei der nächsten Stadtratssitzung eine Rede: Die Vorkommnisse (Verhaftung von minderjährigen Jugendlichen) machten klar, dass hier ein besonderes Versagen der etablierten Parteien vorläge, die ohne Grund eine solche Veranstaltung um jeden Preis in Unna durchführen wollten. Die Politik von Erwachsenen habe zunächst Vorbildcharakter für Jugendliche, daher müsse sich eine verantwortungsvolle Politik immer für einen friedlichen Umgang untereinander einsetzen anstatt zu polarisieren.

Im November erscheint die 100. Ausgabe der GALAXIS. Auf zwölf Seiten berichten verschiedene Autoren über Aktuelles und Geschichtliches in Sachen GAL.

1998

Im Zuge eines Zeitplans bis zum Jahr 2000 nimmt sich die GAL vor, im Wahlkampf jede Woche eine klare Position pressewirksam bekanntzugeben.

4wco6xoeAm 17. Januar feiert die GAL ihr 15-jähriges Bestehen und die 100. Ausgabe der GALAXIS mit einer Party im Königsborner Bürgerforum. Die Mitglieder und Freunde sind zuvor aufgerufen worden, aus diesem Anlass Reliquien aus der gemeinsamen Zeit zusammenzutragen. Im Rahmen der Feier werden mit einer Jugendinitiative der Peter-Weiß-Gesamtschule gegen das Rekrutengelöbnis im letzten Jahr und einem Unnaer Greenteam politisch und ökologisch engagierte Kinder und Jugendliche geehrt. Stellvertretend für das Greenteam aus Lünern nehmen Anne Kunert und Sophie Bischoff die Urkunden entgegen. Auch Gretel Ellama-Togno, Kioskverkäuferin und erfolgreiche Spendensammlerin des Bornekamp- Freibades, sowie Karl Wurm, Gründer des Vereins “Sanfte Energien” gehören in diesem Jahr zu den geehrten Bürgern.

Foto Jürgen Dörmann

Jürgen Dörmann, Gründungsmitglied und ehemaliger Landessprecher der Grünen

Im Vorfeld eines Sonderparteitags der GRÜNEN in Jüchen zur Zukunft der rot-grünen Koalition NRW am 17. Januar stimmt eine knappe Mehrheit im Kreisverband Unna für das Fortsetzen der Koalition. Unstimmigkeiten zwischen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der Frage des Braunkohle-Tagebaus Garzweiler II hatten wie schon 1996 wegen des Flugplatzausbaus Forderungen nach einem Ende der Koalition nach sich gezogen. Die GAL spricht sich auch dieses Mal gegen den Fortbestand der Koalition aus, der dann jedoch in Jüchen beschlossen wird.

Im Februar wählt der Kreisverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN den Bergkamener Landwirt und Vorsitzenden der grünen Kreistagsfraktion, Friedrich Ostendorff, erneut zum Direktkandidaten für die Bundestagswahl.

 

 

Parallel sind das Gelände der Mühle Bremme an der Post sowie das ehemalige Westebbe & Weispfennig-Gelände an der Viktoriastraße für ein neues Einkaufszentrum im Gespräch. Ein Gutachten bestätigt die GAL in ihren Vorbehalten gegen die Victoria-Passage. Das finanzielle Risiko durch Vorleistungen und Folgekosten sei nicht kalkulierbar. Werner Kolter und Michael Hoffmann (SPD) halten trotz des negativen Gutachtens am Standort Viktoriastraße fest. Die GAL favorisiert das Warenhaus auf dem Areal Mühle Bremme, weist allerdings auf das Problem des zusätzlichen Verkehrs auf Hammer- und Friedrich-Ebert-Straße hin. Außerdem müsse der geplante Branchen- und Größenmix nach unten korrigiert werden. Mitte Mai genehmigt der Rat gegen die Stimmen der GAL die Victoria-Passage. Im August protestiert die GAL gegen Baumfällungen in Folge dieser Entscheidung. Eine Plakataktion in der alten Kastanienallee Friedrich-Ebert-Straße macht darauf aufmerksam, dass die Straße im Zuge des Einkaufszentrumsbaus auf vier bis fünf Spuren erweitert werden müsse. Auch die Osttangente durch die Uelzener Heide wäre dann notwendig.

Gisela Nacken kommt erneut zu einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Flugplatz in den Schalander. Auf den Rückweg nach Düsseldorf wird ihr als Gruß für den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Klaus Matthiesen, eine goldene Klobrille mit grünen Schleifchen mitgegeben. Dieser hat sich zum Flughafenstreit geäußert, die GRÜNEN würden bereits aus der Koalition aussteigen, wenn in Dortmund-Wickede die Toiletten erweitert würden. Gudrun Bürhaus kontert: “Meinetwegen kann er tausend goldene Toiletten mitten auf der Landebahn aufstellen.”

Die Stadt Unna scheitert mit ihrer Blockade gegen das Windrad auf dem Ostenberg nun auch vor dem Oberverwaltungsgericht. Die GAL beantragt daraufhin die schnellstmögliche Zulassung des Baus.

Im März sind Mitglieder der GAL zum sechsten Mal zu Besuch bei der Groenlinksaf in Waalwijk. Sie stellen den Niederländern das Konzept der Lokalen Agenda 21 vor und lernen im Gegenzug ein Naturschutzgebiet sowie die in verschiedenen Ländern bestehenden Ecoteams kennen.

Im April kommt es in der Frage einer möglichen Umbenennung der GAL Unna in BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu einer Kampfabstimmung, in der sich eine klare Mehrheit für die Beibehaltung des ursprünglichen Namens ausspricht. Uschi Riekenbrauck äußert sich dazu gegenüber der Presse: “Wir sehen uns auch nach 15 Jahren immer noch als eine eigenständige, vor Ort verwurzelte Initiative, die mit ihrem Namen inzwischen auch bekannt und identifizierbar ist.”

Das Grüne Trikot im Schaufenster des SpontUN

Das Grüne Trikot im Schaufenster des SpontUN

Die GAL ersteigert das nach einer Verlosung der “Aktion im Dienste des Bruders” nicht abgeholte Grüne Trikot des Unnaer Radprofis Erik Zabel für 750 DM und sichert so zehn Kindern aus sozial schwachen Familien einen fünfwöchigen Aufenthalt in der Schweiz.

Als im April der Grundstein für das neue Terminal am Flugplatz Dortmund-Wickede gelegt wird, kritisiert Helmut Papenberg die Haltung das NRW-Wirtschaftsministers Wolfgang Clement (SPD) in dieser Frage. Papenberg hält dem immer wieder angeführten wirtschaftlichen Nutzen des Flugplatzausbaus den Wertverlust der umliegenden Immobilien entgegen und ruft die Grund- und HauseigentümerInnen dazu auf, sich rechtzeitig zu wehren. Allein im letzten Jahr konnten 15.000 Unterschriften gegen den Ausbau gesammelt werden. Als später im Jahr eine Verlegung der Flugplatzumgehungsstraße auf Unnaer Gebiet geplant wird, protestiert die GAL, während SPD und CDU dem Vorschlag zustimmen. Die Zeche-Norm-Straße soll geschlossen und eine neue Umfahrung gebaut werden.

Die GAL plädiert für eine Verkleinerung des Stadtrates. Durch eine Zusammenlegung einiger Wahlkreise könne der Rat von 51 auf 46 Sitze reduziert werden, was der Stadt eine Ersparnis von jährlich 40.000 DM brächte. Der Vorschlag trifft bei SPD und CDU auf Ablehnung.

Die SPD fordert eine neue Grundsatzdebatte über die Zukunft der Unnaer Stromversorgung. Sie will eine Klärung in der Frage, ob die VEW weiterhin Versorger einiger Stadtteile Unnas bleiben oder eine Übernahme des Stromnetzes erfolgen soll, welche Kosten in Höhe von 30 Millionen DM verursachen würde. Die SPD favorisiert die Gründung einer neuen, aus VEW und Stadtwerken bestehenden, Gesellschaft. GAL und CDU sprechen sich gegen den Eintritt der VEW in die Stadtwerke GmbH aus. Die GAL lehnt die Energiepolitik des Stromriesen ab und sieht die Autonomie sowie die wirtschaftliche Flexibilität gefährdet. Die statt dessen vorgeschlagene Übernahme des Stromnetzes solle über eine veränderte, lineare Strompreisgestaltung und einen Bürgerfond gegenfinanziert werden.

Als der SPD-Kreisfraktionschef Heinz Steffen Überlegungen zu einem Neubaugebiet am Rande der Uelzener Heide anstellt, warnt die GAL, das Naturschutzgebiet und die notwendige Frischluftschneise für Königsborn würden dadurch in Gefahr geraten.

Am 10. Juni kommen interessierte BürgerInnen zum Thema “Die Rolle der Bundeswehr heute – hat die Wehrpflicht ausgedient?” im Café Schulte zusammen. Als Referenten hat die GAL erneut Winni Nachtwei eingeladen, MdB und Mitglied im Verteidigungsausschuss für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Am 19. August informiert die GAL mit einem Stand auf dem Alten Markt zum Thema Ökosteuer. Abends ist Reiner Priggen, Landessprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, zu Gast im SpontUN, um die Position seiner Partei (“fünf Mark pro Liter Benzin”) darzustellen.

Foto 3. Boule-Turnier 1998

Zum 3. Mal Boulen an der Berliner Allee

Im August veranstaltet die GAL das dritte Boule-Turnier auf dem Bolzplatz an der Berliner Allee.

Am 12. September führt die GAL eine Podiumsdiskussion zum Thema “Sonne über Unna – Energiewende für neue Arbeitsplätze” im Bürgerforum Königsborn. Als ExpertInnen sind Michael Vesper, NRW-Bauminister und -Vize-

Ministerpräsident, Kerstin Müller, Fraktionssprecherin der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Spitzenkandidatin in NRW, Friedrich Ostendorff, Kandidat für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Wahlkreis Unna sowie Michael Griesohn-Kluth, Unnaer Solaranlagenbauer, eingeladen.

Im Rahmen der Solarenergie-Veranstaltung wirbt die GAL mit Transparenten für eine Demo am nächsten Tag.

Im Rahmen der Solarenergie-Veranstaltung wirbt die GAL mit Transparenten für eine Demo am nächsten Tag.

Foto Albert Hartmann und Kerstin Müller 1999

Albert Hartmann und Kerstin Müller

Sie informieren die Anwesenden über Sonnenenergie und die Schaffung neuer Arbeitsplätze auf dem Gebiet der regenerativen Energie. Der Kreis Unna sei bislang kein Vorbild in Sachen Solar: 1997 sei nur für 116 Solaranlagen, elf Photovoltaik-Anlagen und eine Wärmepumpe eine Förderung vom Land beantragt und bewilligt worden. Kerstin Müller sagt dazu: “Wir brauchen deshalb ein Bündnis für Arbeit und Umwelt und den Einstieg in eine ökologisch-soziale Steuerreform.”

Am 13. September demonstrieren rund 2000 Menschen gegen einen Ausbau des Dortmunder Flughafens.

Bei der Bundestagswahl am 27. Oktober geht die SPD als stärkste Partei hervor. Sie erhält 298 Sitze im Bundestag, die CDU 198, CSU 47, FDP 43, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 47 und die PDS 36 Sitze. Eine Woche später diskutiert die GAL im SpontUN über die rot-grüne Bundesregierung und den konkreten Koalitionsvertrag.

Im Kreis Unna erhält Friedrich Ostendorff als Kandidat bei der Bundestagswahl 5,9 % der Stimmen.

Im Dezember zieht die GAL in ihr sechstes SpontUN in der Gesellschaftsstraße 15 um.

Hermann Strahl fordert im Verkehrsausschuss einen Protest gegen die Landesförderung für das Dortmunder UFO. Das eingeplante Geld komme aus einem Topf für den Bahnverkehr, der keine Einsparungen verkrafte.

Die Stadt will ein Schulgrundstück der Peter-Weiß-Gesamtschule mit Bienenhaus, Teich, Hühner- und Kaninchenställen am Kessebürener Weg für rund 750.000 DM verkaufen, um die Finanzierung des Schulzentrums Nord zu sichern. Der Erlös sei fest eingeplant und der Verkauf beschlossene Sache. Uli Brinkschulte-Kunert, Vorsitzender des Umweltausschusses, schlägt der Verwaltung den Verkauf anderer Grundstücke vor, um das 1.900 qm große Biotop, in das bislang über 150.000 DM geflossen seien, für die SchülerInnen zu erhalten. Eine Umsiedelung, wie von der SPD vorgeschlagen, komme auch wegen der möglichen Gefärdung durch die Bienen nicht in Frage.

1999

Kommunalwahlkampf

Wahlplakat 1999

Bürgermeisterin-Wahlplakat 1999

Mit der Einweihung des neuen SpontUN in der Gesellschaftsstraße 15 läutet die GAL im Januar den Kommunalwahlkampf ein. Uschi Riekenbrauck betont in einer Rede die Möglickeit, die absolute Mehrheit der SPD in Unna brechen zu können.

Für die erste Kommunalwahl, bei der der/die BürgermeisterIn direkt von der Bevölkerung gewählt wird, wählt die GAL am 24. Februar Uschi Riekenbrauck als Bürgermeisterkandidatin. Sie tritt gegen Wilhelm Dördelmann (SPD), Volker W. Weidner (CDU) und Torsten Reimer (FDP) an. Auch die KandiatInnen der Wahlbezirke und der Reserveliste werden festgelegt.

Die GAL geht ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf. Als Bedingungen für eine mögliche Koalition formuliert sie: keine Osttangente und Auflagen für die Victoria-Passage.

Mehr Bürgerbeteiligung ist das Rezept der GAL für Unnas Zuk

unft. Das Wissen und die Ideen der Menschen vor Ort sollen nicht mehr – wie bislang häufig – missachtet werden.

Foto Bundestagsbesuch 1999

Bundestagsbesuch in Bonn auf Einladung von Winni Nachtwei

Charlotte Kunert besucht mit einigen Jugendlichen den Deutschen Bundestag in Bonn. Vor der Kommunalwahl im September, bei der erstmals auch 16- und 17-Jährige zur Urne gebeten werden, versuchen Sarah Eickelmann und Anne Kunert die Jung-GAL wieder zu beleben. Sie sammeln 200 Unterschriften für einen city-nahen Treff für unter-18-Jährige. Im November treffen sich die GAL-Jugendlichen mit den SchülervertreterInnen mehrerer Unnaer Schulen. Sie kritisieren die mangelhafte finanzielle Lage an den Schulen im Bereich der neuen Medien und überlegen, was gegen die wachsende Gewalt unter Jugendlichen getan werden kann.

In der Diskussion um ein neues Parkhaus an der Massener Straße fordert Hermann Strahl im April von der Verwaltung die Offenlegung der Erträge und der Kosten für den Unterhalt der bestehenden Innenstadt- Parkflächen. Man habe wegen der beiden Tiefgaragen schon genug Lehrgeld gezahlt. Ein neues Milliardengrab dürfe man nicht schaffen.

Zusammen mit Bürgerinitiativen versucht die GAL im September eine große Koalition gegen den Bau der OWIIIa zu schmieden. Die GAL hatte sich im Rat und in den Bürgerinitiativen stets gegen den Flugplatzausbau und die Straßenplanung OWIIIa/L821n ausgesprochen. Mit dem Versuch, die Massener SPD- und CDU-Kandidaten dafür zu gewinnen, im Rat gegen die Projekte zu stimmen, will die GAL eine Mehrheit bilden, um die OWIIIa noch verhindern zu können.

In einem GALAXIS-Artikel über Grenzen des Wachstums ruft die GAL zu Anregungen und Mitarbeit am Agenda 21-Projekt auf. Sie kritisiert die ungebremste und unreflektierte Versiegelung von Flächen, die Förderung des Autoverkehrs und die Konkurrenz von Nachbarstädten um Bewohner, Arbeitsplätze und Kaufkraft. Auch vor fortgesetzten Naturzerstörungen warnt die GAL in dem Artikel: “Fabeltier und Bolzplatz wollte die SPD-Verwaltung planieren, das Bienenhaus, der Stadt-Kräutergarten, selbst Kurpark und Uelzener Heide sollen unter die Bagger der scheinbar hemmungslosen Wachstums-fetischisten geraten. Für Sehstörungen empfehlen Augenärzte Spaziergänge durch Grünzonen. Um die kurzsichtigen Rot-Schwarzen von ihrem grauen Star-rsinn zu kurieren, sollte der Grünstreifen im Rat deutlich verbreitert werden.”

Für Unnas Kinder und Jugendliche fordert die GAL unter anderem durchgehende Öffnungszeiten für das Kinder- und Jugendbüro, die Einrichtung eines kommerziellen Jugendcafes unter Beteiligung des Jugendamtes, eine ausreichende finanzielle Förderung der Werkstatt Unna, eine Verbesserung der Schulwegsicherung und die Einrichtung einer Spielstation am Rand der Fußgängerzone und des Marktplatzes.

Nachdem in den vergangenen Jahren durch verschiedene Maßnahmen der CO2-Ausstoß in Unna reduziert werden konnte, fordert die GAL die Fortsetzung und Ausweitung der Förderung von Solar- und Windkraftanlagen.

Wahlgraffito GAL Unna 1999

Wahlgraffito 1999

Foto GAL-Fraktion 1999 - 2004

Fraktion 1999 – 2004

Passend zu ihrer Forderung nach mehr Sprühflächen für Unnas Graffiti- Künstler wirbt die GAL mit großen Graffiti- Wahlplakaten um Wählerstimmen. Malte Busch, Philipp Kotsch und Axel Katz sprühen eine Jugenddisco, ein Victoria-Verbotsschild, Windkrafträder und die Aussagen “Wind und Sonne statt Kohle und Öl”, sowie “GAL verbindet Alt und Jung” auf große Plakatwände.

In einer Wahlkampfausgabe der GALAXIS benennt die GAL einige Erfolge in der Umweltpolitik, die sie in der vergangenen Legislaturperiode aus der Opposition heraus auf den Weg bringen konnte: An den Sitzungen des Umweltausschusses nehmen Fachleute von Umweltverbänden teil. Der Umweltausschuss muss bei der Bauleitplanung und bei bestimmten Bauvorhaben angehört werden. Die Uelzener Heide wurde unter Naturschutz gestellt. Der ökologische, ökonomische und soziale Umbau der Stadt hat mit dem Start der Lokalen Agenda 21 begonnen. Die Rettung des Bienengartens der Peter-Weiss-Gesamtschule vor dem Verkauf durch die Stadt ist vorerst gelungen.

Die GAL fordert die Entwicklung eines umfassenden Umweltkonzeptes für Unna. Darin sollen Flächenentsiegelungen und Bewaldung genauso festgeschrieben werden wie der Schutz der wenigen in Unna noch vorhandenen Grünflächen. Den Kampf um den Erhalt des Bienengartens unterstützt die GAL.

Kultur für alle” fordert die GAL für Unnas BürgerInnen. Statt eine glänzende Kulturstadt-Fassade zu pflegen müsse die Stadt Kultur dort fördern, wo die Menschen leben. Beim Umzug von VHS, Kulturamt, Stadtarchiv und Bibliothek in das geplante Zentrum für Information und Bildung (ZIB) dürften nicht hinter vorgehaltener Hand qualitative Einsparungen bei diesen Einrichtungen vorgenommen werden.

Bei der Wahl im September bekommt die GAL 10,86% der Wählerstimmen und sichert sich so erneut sechs Sitze im Stadtparlament. Nach mehrwöchigen Verhandlungen mit CDU und SPD kommt die GAL mit der SPD überein im Rahmen einer Kooperation im Bedarfsfall zusammen zu arbeiten.

Für Astrid Lohmann wird nach der Wahl Gudrun Bürhaus neues Mitglied im Rat der Stadt Unna. Zusammen mit Dr. Hartmut Bansi, Hermann Strahl, Uli Brinkschulte-Kunert, Albert Hartmann (als Fraktionsvorsitzendem) und Udo Harder setzt sie die GAL-Arbeit im Rat fort.

Uli Brinkschulte-Kunert übernimmt für die GAL den Vorsitz des Kulturausschusses im Rat der Stadt Unna. Gudrun Bürhaus wird Vorsitzende des Ausschusses für Umweltangelegenheiten.

Stephanie Schmidt tritt als neue Geschäftsführerin an die Stelle von Charlotte Kunert.

Im November wählt die GAL Uschi Riekenbrauck, Charlotte Kunert, Claudia Keuchel, Jürgen Lichte, Erich Lohmann und Georg Dahlmann als neuen Vorstand.

Weitere Ereignisse und Arbeitsschwerpunkte

Als die CDU im Januar eine Kampagne gegen den Entwurf der rot-grünen Regierung zur doppelten Staatsbürgerschaft führt, bemüht sich die GAL mit einem Info- Stand auf dem Markt um Aufklärung. Sie weist darauf hin, dass Deutschland bereits ein multikultureller Staat sei und dass das neue Staatbürgerschaftsrecht für viele BürgerInnen einen rein pragmatischen Nutzen bringen werde.

Nach Beginn der NATO-Bombardierungen in Jugoslawien fordert die GAL im April die Bundestagsabgeordneten und Bündnisgrünen auf, sich für eine Beendigung der Luftangriffe einzusetzen. Die Verbrechen des Milosevic-Regimes und die Vertreibung der Kosovo-Albaner seien zwar aufs schärfste zu verurteilen, die Luftangriffe seien aber ungeeignet, Mord und Vertreibung zu stoppen. Es sei im Gegenteil zu fürchten, dass durch die NATO-Angriffe eine politische Lösung des Kosovo-Konflikts verhindert werde. Am 28. April erläutert Winni Nachtwei, stellvertretender verteidigungspolitischer Sprecher von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bundestag, bei einer von der GAL veranstalteten Diskussion in der Lindenbrauerei Hintergründe des Kosovo-Krieges. Er zieht eine negative Bilanz der Luftangriffe und schlägt unter anderem mit fünf anderen grünen Bundestagsabgeordneten eine baldige Waffenpause vor, um Verhandlungen über einen Waffenstillstand zu ermöglichen. Auf Initiative der GAL werden im Mai drei Tafeln in der Bürgerhalle des Rathauses aufgestellt, auf denen alle BürgerInnen ihre Gedanken, Gefühle und Hoffnungen über den Kosovo-Krieg zum Ausdruck bringen können. Nach Kriegsende setzt sich die GAL für die ursprünglich angekündigte Duldung der Kosovo- Flüchtlinge bis zum Frühjahr 2000 ein.

Für ihr ehrenamtliches Engagement ehrt die GAL Anfang August Martina Handwerker und Gabriele Wedekind. Martina Handwerker hat privat 60.000 DM für den Spielplatz am Hellweg-Museum gesammelt. Gabriele Wedekind bekommt die Auszeichnung für ihren Einsatz am Runden Tisch, der das Problem der Kirchplatz-Szene lösen will.

Zur Förderung der Kulturarbeit richtet die GAL im Dezember einen Runden Tisch ein. Das Verhältnis zwischen sozio-kultureller und repräsentativer Kultur sei in Unna mit einem deutlichen Vorteil für die große Kunst aus der Waage geraten. Durch eine Erhöhung des Kultur-Etats soll unter anderem die Kulturarbeit für Kinder und Jugendliche wieder verbessert werden.

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Vorne: Barbara Streich, Jochen Nadolski-Voigt. Mitte hinten: Gunda Röstel