Unna auf dem Weg ins pRADies?!

geräderte Erleuchtung beim Stadtradeln

Während Unna ab IKEA Radfahrer seit Wochen voll von Verwaltung ausgesperrt sind, demonstrierten bei der 3. Bike-Night fast 150 geräderte Erleuchtung!

Die Platanenallee soll Fahrradstraße werden, jedenfalls hat der Beirat Fahrrad Montag den Antrag des ADFC mit rot-grünen Stimmen beschlossen! Nach jahrelangem Ideenblockaden besonders im Verkehrsbereich scheint Bewegung die GroKo-Starre zu lösen. Leider noch etwas zaghaft. Das Fahrradzielnetz, das Unnas Radverkehrsanteil auf 25% bringen soll, braucht attraktive, sichere, lückenlose strecken – besonders auf Schulwegen.

Und es begab sich zu der Zeit, dass NRW Fahrradfreundlichkeit schätzte, da machte sich auch Unna auf, und weihte eine der ersten Fahrradstraßen Deutschlands ein! Die Fahrradstraße-Königsbornerstraße war ein Hauptgrund, dass 1993 Unna zur Mitgründungsstadt der „AG Fahrradfreundlicher Städte NRW“ berufen wurde – und bis heute Sonderfördermittel kassiert – mit der Selbstverpflichtung, fahrradfreundlicher zu handeln.

Beim diesjährigen Drahteselmarkt mahnte die für fahrradfreundliche Schulaktionen ausgezeichnete Hellweg-Ralschullehrerin Tanja Bork, „Bei uns würden deutlich mehr Kinder mit dem Fahrrad zur Schule kommen, wenn die Wege sicherer wären, zum Beispiel die Königsbornerstraße endlich bis zur Friedrich-Ebert-Straße Fahrrahrradstraße würde!“ Verwaltungsspitze und Politik waren auf dem Platz und in Nachgesprächen, schienen sie verstanden zu haben.

Dachte ich. Gut 36 Jahre nach Unnas Fahrradfreundlichkeits-Proklamation, will die Verwaltung und die sie steuernde GroKo, gut 400 Meter etwas sicherer machen, als Anlieger-Tempo-30-Straße. Der seit 3 Jahren vorliegende ADFC-Antrag, die Fahrradstraße bis zur Friedrich-Ebert-Straße weiterzuführen, von wo durch Kurpark und über Parkstraße der Schulweg sicher zuende geführt werden könnte, wurde einmal mehr vom Tisch geredet, wie zahlreiche Initiativen hier mehr Sicherheit zu schaffen (vor allem nach Unfällen) in den Vorjahren.

Sucht man im Netz unter dem Stichwort „Fahrradstraße“, findet man ermunternde Bilder aus Paris, Kopenhagen, München und Kamen. Das frühe Vorbild Unna traut sich aber keinen Fahrradstraßen-Netzschluss, der die Schulverkehr zwischen Massen-Königsborn und Mitte sichern könnte. Was treibt solche Stoßstangenförderpolitik an? Im Gespräch bezeichnen sich fast alle Ratsmitglieder als Fahrradfreunde. Alle kennen aber wen in Verwaltung und Politik, der „das“ (fahrradfreundliche Schritte) nicht mitmachen würde. Bei der Selbstblockade ist es besonders traurig, dass noch immer Unwahrheiten umlaufen. Besonders hintertropfig: „in Fahrradstraßen dürfen keine Autos fahren“. Sie dürfen, aber Radfahrer haben Vorrang. Ähnlich das Gerücht, dass vor Einrichtung von Fahrradstraßen eine Mehrheit das Rad nützen müßte. Das hat sich bei Kamens Bahnhofstraße auch erst nach Einrichtung hergestellt. Und in den Schulverkehrszeiten haben Radler*innen schon jetzt die Mehrheit, das reicht rechtlich auch.

Es wäre ein Hoffnungszeichen, wenn bis zur Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 26.6. alle Entscheider nochmal mit Hirn und Herz Unnas Verkehrsklima durchdenken und durchspüren. Das Klima, nicht nur das Verkehrsklima, ist heißer geworden. In vielen Städten wurde das von den meisten Parteien begriffen. Es wäre toll, wenn Unna nicht bis zu den nächsten Kommunalwahlen warten müßte. Grüne und sicher auch der ADFC lassen sich gern auf dem Radweg überholen, er muss nur breit gedacht und gemacht werden.

Ein Tipp: Wenn die komplette Parkstraße und die Platanenenalle auch Fahrradstraßen würden (und wie geschrieben, Autos dürften dann immer noch), dann hätten wir den ersten Schritt des vor 5 Jahren einstimmig beschlossenen Zielnetzes, einen wichtigen Punkt des einstimmig beschlossenen Klimaschutzkonzepts, endlich umgesetzt. Der beschlossene Radverkehrsanteil von 25% würde (verwirklicht) übrigens auch fast alle Autostaus wegschmelzen.

Übrigens beschloss Unna durch einen SPD-Ratsantrag anfang der 90er fahrradfreundliche Wende! Dass die SPD den fast gleichlautenden Grün-Antrag ein Jahr vorher abgelehnt hatte, sei ihr gern verziehen. Ein ähnlicher Lernschritt jetzt würde nicht nur bei Grüns Beifall finden.

Hermann Strahl, 71, strampelt sich seit bald 40 Jahren für ein freundlicheres Verkehrsklima in Unna ab. „Gegenwind kann wachküssen!“ ist eine seiner Lieblingsraderfahrungen. Und altersmilde steht er trotz und wegen alledem den herrschenden Kreisen Unnas gern als fröhlicher Wecker bei.

 

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel