Neu am 15.4. im Internet: Ernst Gräwe vor 75 Jahren ermordet.

Vor 75 Jahren am 10. April wurde der gebürtige Unnaer Ernst Gräwe in Deventer von seinem Vorgesetzen erschossen, weil er sich weigerte niederländische Widerstandskämpfer zu erschiessen. In Deventer erinnert eine Gedanktafel an ihn. In Unna wurde er vergessen. Ernst im letzten Jahr stießen Unnas neuer Archivar Dr. Frank Ahland und sein Praktikant Jérémy Gaudais über die Gedenktafel auf die Geschichte. Wir hatten einen Grünen Salon zum Thema am 1.4. geplant. Jetzt versuchen wir am 15.5. auf einer Videokonferenz das Thema würdig zu besprechen. Eventuell sogar mit einer Zuschaltung des Gedenk Comites in Deenter.

Grüner Salon

Ernst Gräwe. Sanitätsfeldwebel aus Unna. Vor 75 Jahren
ermordet, weil er sich weigerte niederländische Widerstandskämpfer zu
erschießen!

In Deventer gibt es eine Gedenktafel für den tragischen Helden aus Unna. In Unna erinnert noch nichts an Ernst Gräwe. Im Grünen Salon wird Jérémy Gaudais vorstellen, was er bei seinem Praktikum in Unnas Archiv und danach über Ernst Gräwes Leben und dessen Ermordung einen Tag vor der Befreiung Deventers ermitteln konnte. Er wird auch zu Befehlsverweigerungen, Widerstand und Fahnenflucht im Nazi-Kriegsdeutschland berichten.

Am 11. April 1945 beendeten US-Panzer die Naziherrschaft in Unna. 75 Jahre danach will der Grüne Salon das Gespräch über das seltsam verborgene Kapitel der Stadtgeschichte öffnen.

Jérémy Gaudais studierte Geschichte an der Ruhruniversität Bochum und wird dort promovieren. Er hat 2019 drei Monate in Unnas Stadtarchiv gearbeitet. Der junge Franzose versucht jetzt zu verstehen, warum in Unna so wenig über den Widerstand gegen die Nazis bekannt ist. Grün ist gespannt auf jeden Fund. Inzwischen haben wir einen Nachbarn gesprochen, der bei Kriegsende 13 Jahre war. Er kannte die Bergarbeiterfamilie Gräwe als Nachbar in der Grillostraße. Sie wurden im März 45 bei einem Angriff auf das benachbarte Heereszeugamt ausgebombt. Von der Ermordung Ernst Gräwes hat er merkwürdigerweise nichts gehört. Warum sprach man nach der Befreiung nicht über solche tragischen Heldengeschichten? Warum forschte Unnas langjähriger Archiva Willy Timm viel über Militär und Tschingdarassa aber übersah den Widerstand? Spannende Fragen für den Abend, viel zu forschen – nicht nur von Archivaren. Und unsere Stadt muss sich fragen, wie sie sich angemessen erinnert. An einen einfachen Bürger, der für seine aufrechte Haltung ermodert wurde. Und an ihre Nachkriegsgeschichte, die in den 50er Jahre Straßen nach Nazis benannte, aber Helden des Widerstandes öffentlich verdrängte.

15. April 2020, 19:30 Uhr, Zoom Video Konferenz, Raum 8834262315

2 Kommentare

  1. Michael Strecker

    Liebe Grüne,
    ein wirklich spannender Fund der Unnaer Geschichte, der einer würdigen Erinnerung bestimmt bedarf.
    Der negative Schlenker in Richtung unseres verstorbenen Archivars Willi Timm ist absolut unnötig und unangebracht. Ein positiver Aspekt des Fundes einer starken Persönlichkeit in Zeiten des Krieges, der schon ganz für sich allein steht wird dazu benutzt, das gute Wirken anderer für Unna in Frage zu stellen. Sehr, sehr schade. Menschen für die eigene Sache zu gewinnen gelingt nicht dadurch, andere (unangebracht) schlecht zu reden. Die Grünen, die ich kenne, haben das nicht nötig.

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    • Hermann Strahl

      Lieber Michael Strecker, ich hatte Ende der 80ger einmal beim ansonsten sehr fleißigen Willi Timm in Sachen eines wegen Fahnenflucht im April 45 auf der Gerhard-Hauptmann-straße Ermordeten nachgefragt. Da war wenig Interesse und kein Material. Mein besonderes Erstaunen besteht aber gegenüber dem Verdrängen nach der Befreiung in Nachbarschaft und Gesellschaft. Über Opfer und Täter wurde viel geschwiegen. Erfreulich ist, dass in Unna in den letzten Jahren Neugierde stark geworden ist, aus dieser dunklen Geschichte zu lernen. Leider geht das immer mehr nur noch in Archiven. Befragbare Zeitzeugen sind jetzt meist tot und wurden wenig befragt. Das lag an uns allen, auch den Archivaren. Lasst uns zusammen die Lücken schließen, wenn es noch möglich ist.

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